Apple-TV+-Serie „Remnick“: Das vermeintliche Ende der Welt
In der AppleTV+-Serie „Remnick“ geht es in den Weiten Alaskas um entflohene Sträflinge und die Frage, wie streng Regeln befolgt werden müssen.
Als im Norden Alaskas ein Passagierflugzeug mit Dutzenden Häftlingen mitten in der Pampa notlandet und die Strafgefangenen in die Wälder fliehen, sind die Ermittlungsbehörden im nahe gelegenen Fairbanks im Ausnahmezustand. Aber warum mischt sich auch die CIA plötzlich in die Suche nach den Strafgefangenen ein? Vor Ort traut der zuständige US-Marshall Frank Remnick (Jason Clarke) der aus Washington eingeflogenen CIA-Agentin Sidney Scofield (Haley Bennett) nicht über den Weg. Er ist sich sicher: Etwas ist hier faul.
Die Apple-TV+-Serie „Remnick“ erinnert im ersten Moment an den Actionklassiker „Con Air“ (1997), in dem es um Häftlinge geht, die ein Gefangenentransportflugzeug entführen.
Die in „Remnick“ aus dem havarierten Flugzeug geflohenen Häftlinge ziehen durch das verschneite Nirgendwo Alaskas, erstürmen abgelegene Gehöfte, morden, nehmen Menschen als Geiseln und setzen die Behörden enorm unter Druck. In dem sonst so ruhigen US-Staat bricht plötzlich das Chaos aus. Auch die Ehefrau von Marshall Frank Remnick wird entführt von einem Gefangenen namens Havlock (Dominic Cooper), der aber gar nicht auf der Passagierliste des ominösen abgestürzten Flugzeugs steht und für dessen Verbleib sich die angereiste CIA-Agentin ganz besonders interessiert.
Empfohlener externer Inhalt
„Remnick“ Offizieller Trailer
Was als flott inszenierter Actionkrimi über entflohene Strafgefangene in den Weiten Alaskas beginnt, entwickelt sich bald zu einem ungemein spannenden und komplexen Agententhriller. Es geht von den verschneiten Wäldern Fairbanks und dem Außenposten der Zivilisation in Prager Hotelzimmer, zu Behörden in Washington, zu Hilfsorganisationen in der Ukraine, zu Schießereien in der Innenstadt Chicagos und in die New Yorker Bronx.
Leichen im Keller
Dabei werden Stück für Stück die Geheimnisse der einzelnen Personen, auch die des mürrischen und titelgebenden US-Marshalls Frank Remnick, gelüftet. Denn alle haben ihre Leichen im Keller. Die Handlung überschlägt sich und wartet mit ungeahnten Wendungen auf, die hier aber keinesfalls gespoilert werden sollen.
Im Kern geht es in „Remnick“ um die im Spionagegenre immer wieder aufgeworfene Frage, wie rigoros geheimdienstliche Sicherheitsbehörden der Geheimniswahrung wegen mit eigenen Mitarbeitern umgehen und bei ihrer Arbeit rücksichtslos Kollateralschäden in Kauf nehmen.
Die Handlung entwickelt sich in zehn fast einstündigen Folgen, was reichlich Raum für dramaturgische Überraschungen bietet.
Diese eigenwillige Mischung aus „Con Air“, „Fargo“ und „True Detective“ mit einer Prise Familiendrama entwickelt sich plötzlich zu einem knallharten Spionagethriller, der Alaska als kompromisslosen Ort für harte Männer und Frauen in Szene setzt.
Bechern und tanzen
Die Trauerfeier nach dem Tod eines indigenen Police-Officers wird als Potlatch gefeiert, bei dem alle ausgiebig bechern und tanzen. Es geht auch mal auf Pferden oder per Hundeschlitten durch die ewig verschneiten Wälder, wo plötzlich wie aus dem Nichts High-End-Forschungsstationen auftauchen. Der vermeintliche Rand der Zivilisation ist dann doch weniger weit abgelegen, als es zunächst scheint.
Diese spannungsgeladene Geschichte über Kriminalität, Geheimdienste und den Überlebenskampf in der Wildnis mündet schließlich in eine moralische Diskussion über die Frage, wie streng Regeln befolgt werden müssen, um Gerechtigkeit herzustellen. Wer immer nach den Regeln spielt, muss nie Entscheidungen treffen, stellen Frank Remnick und die CIA-Agentin Sidney Scofield am Ende fest.
Diese Aussage ist natürlich nicht ganz ungefährlich und auch für autoritäre politische Diskurse anschlussfähig. Wobei es in „Remnick“ darum geht, regelkonformen Gehorsam aufzukündigen, wenn staatliche Gewalt missbraucht wird. Angesichts der Entwicklungen in den USA besitzt das durchaus eine gewisse Sprengkraft.
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