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Anton Bruckner's 4. SymphonieDas Erzschwere federn lassen

Es gibt ein neueingespieltes Album von Bruckner für Orchestermusik. Dirigentin Stutzmann betont bei dieser Sinfonie die Farbigkeit und stille Momente.

Bruckner. Romantischer wird es kaum. Zumindest bei der Orchestermusik. Der österreichische Komponist Anton Bruckner hat mit seinem Werk ein Klangmassiv geschaffen, das die Entwicklungen des 19. Jahrhunderts an einen Punkt brachte, an dem seine Musik einiges von dem vorwegnahm, was dann im 20. Jahrhundert systematischer verfolgt wurde. Klang als strukturierendes Gestaltungsmittel etwa.

In seiner 4. Sinfonie, von der jetzt eine Neueinspielung mit der Dirigentin Nathalie Stutzmann und dem Atlanta Symphony Orchestra erschienen ist, gibt Bruckner ein bisschen von alledem zu ahnen. Das Eröffnungsmotiv etwa, eine Quinte des Solohorns, ist einer der Grundtöne der Obertonreihe.

Im weiteren Verlauf demonstriert Bruckner, wie vielfältig er mit Klangfarben, die aus genau diesen Obertönen bestehen, umzugehen weiß. Auch die Wiederholungen, für die Bruckner gern schon mal für einen Vorläufer der Minimal Music gehalten wurde, kommen gelegentlich zum Einsatz.

Das Album

Bruckner: Symphony No. 4 „Romantic“; Nathalie Stutzmann, Atlanta Symphony Orchestra (Warner Classics)

Ein bisschen Wagner

Stutzmann, die zudem ausgebildete und praktizierende Sängerin ist, beschäftigt sich bevorzugt mit romantischem Repertoire. Bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth dirigierte sie vor wenigen Tagen dessen frühe Oper „Rienzi“, die dort zum ersten Mal aufgeführt wurde.

Ein bisschen Wagner findet sich auch in der 4. Sinfonie, ließ sich Bruckner doch von dessen Oper „Lohengrin“ inspirieren. Anders als sein Vorbild tat sich Bruckner nicht mit aggressivem Antisemitismus hervor, was ihn jedoch nicht vor Vereinnahmung im Nationalsozialismus bewahrte.

Bruckner war sehr gläubig, und die mitunter manifeste Schwere seiner Musik bietet eine gute Gelegenheit, um das Adjektiv „erzkatholisch“ einmal buchstäblich anzuwenden. Von dieser Schwere möchte Stutzmann etwas wegkommen, hebt das Tänzerische hervor, wo das Material dies hergibt.

Die Akustik der Atlanta Symphony Hall, in der die Sinfonie live aufgenommen wurde, ist eher hallarm-trocken, was der Dynamik bei Stutzmann andererseits nicht schadet.

Die Wucht der Unsicheren

Bruckners immer wieder durchbrechende Wucht könnte man missverstehen als Ausdruck eines beträchtlichen Egos, das sich um jeden Preis Geltung verschaffen möchte. Dabei war Bruckner ein sehr unsicherer Mensch und Musiker.

Bei seinen Zeitgenossen stießen seine Kompositionen oft auf Unverständnis, eine Ehrung als Komponist erfuhr er erst spät im Leben. So überarbeitete er seine Partituren immer wieder, bei der 4. Sinfonie folgten auf die erste Fassung von 1874 zwei weitere.

Nathalie Stutzmann, die die letzte Fassung verwendet, bringt neben dem Monumentalen zugleich die stilleren Momente mit ihren mehr melodischen Passagen zur Geltung. Dass Stutzmann singen kann, schadet da vermutlich nicht.

Massiv kann sie aber eben auch, wenn es sein muss.

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