Antisemitismus bei der Documenta: Kunstschau auf der Kippe
Die Findungskommission für die kommende Documenta ist gescheitert. Die Union sollte aber mit Schuldzuweisungen vorsichtig sein.
E s war einmal eine Kunstausstellung, auf der Werke mit antisemitischem Inhalt gezeigt wurden. Dafür wollte niemand verantwortlich sein. Doch die Unverantwortlichen gelobten alsbald Besserung. Das macht man in Deutschland am besten, indem man möglichst schöne Gremien einsetzt. Eines dieser Gremien hieß bis vor Kurzem „Findungskommission“.
Aber jetzt, huch, gibt es diese Kommission nicht mehr. Ein Mitglied dieses weisen Gremiums, das antisemitische Inhalte auf der nächsten, für das Jahr 2027 vorgesehenen Kunstschau verhindern sollte, hatte einen offen antisemitischen Brief unterzeichnet. Ein weiteres mochte angesichts des Hamas-Terrors in Israel nicht mehr mitmachen. Nun haben auch die restlichen vier das Handtuch geworfen. Die allgemeine Lage wird als verheerend beschrieben.
Aus diesen Bestandteilen ließe sich gewiss ein hervorragendes dramatisches Gedicht machen, vorgetragen am Staatstheater Kassel. Aber ob daraus noch einmal eine Kunstausstellung wird, steht in den Sternen. Die Kräfte der Documenta samt ihren externen Beratern sind offenbar mit der Aufgabe überfordert, eine Kunstausstellung ohne Judenhass zu organisieren. Dann sollten sie es vielleicht einfach besser ganz lassen.
Die politisch Verantwortlichen für die Documenta scheinen lange gehofft zu haben, die ganze Chose würde sich schon irgendwie von selbst richten. Das hat sich als Wunschdenken entpuppt. Nun glauben einige CDU/CSU-Politiker in Berlin, aus dem Desaster ein wenig Popularität gewinnen zu können. Die Schau sei „in rot-grüner Verantwortung kaputt gemacht worden“, klagt Fraktionsvize Dorothee Bär und verlangt, dass Kulturstaatsministerin Claudia Roth durchgreifen müsse (die tatsächlich lange geschwiegen hat).
Leider hat Bär nicht darauf hingewiesen, wer als Träger der Veranstaltung in Kassel fungiert – es ist neben der Stadt Kassel das Land Hessen. Dort regiert die CDU. Und deshalb eignet sich die nicht enden wollende Documenta-Affäre zwar als Vorlage für dramatische Dichtung, aber nicht für politische Profilierungsversuche von rechts.
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