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Antisemitischer Angriff auf Politiker„Das liegt an den scheiß Juden!“

Der Grünen-Politiker Daniel Eliasson wird Opfer eines antisemitischen Angriffs. Auf einer Demo wird ihm das Mikrofon abgedreht.

Der Grünen-Politiker Daniel Eliasson wurde antisemitisch angegriffen und beleidigt. Der 28-Jährige ist bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl Kandidat für den Wahlkreis Steglitz-Ost und Südende. Am Montagnachmittag habe er vor einem Supermarkt an der Liebenowzeile im Bezirk Steglitz Flyer verteilt, schildert er der taz. Er sei auf einen wütenden Rentner – der sich später als AfD-Wähler zu erkennen gegeben habe – zugegangen und habe mit ihm über Politik diskutiert. Als sie auf die Energiekrise zu sprechen gekommen seien, habe der Rentner mit einer antisemitischen Tirade reagiert: „Das liegt an den scheiß Juden!“

Er habe daraufhin offenbart, dass er selbst Jude sei, so Eliasson, und den Rentner dazu aufgefordert, die Tirade einzustellen. In diesem Moment habe der Mann versucht, ihn zu schlagen, und sein Gesicht nur um wenige Zentimeter verfehlt. „Scheiß Jude“, „Man muss ‚denen‘ den Kopf abschlagen“ und „Dreckspenner“ habe der Antisemit noch gerufen.

Um den Rentner für die Polizei zu identifizieren, habe er ein Foto von dessen Mofa-Kennzeichen machen wollen, berichtet Eliasson. Der Mann habe ihm allerdings bereitwillig seinen Ausweis hingehalten: „Hier, mach doch!“ Als er die Polizei gerufen habe, sei der Mann mit seinem Mofa weggefahren. Eliasson hat den Mann angezeigt.

Polizei ermittelt nun

Die Berliner Polizei teilte mit, der mutmaßliche Angreifer sei ein 68-jähriger Mann. Er müsse sich nun wegen des Verdachts der Körperverletzung, Volksverhetzung und Beleidigung verantworten. Die Ermittlungen dauerten an. Der Kreisvorstand der Grünen Steglitz-Zehlendorf spricht in einer Pressemitteilung Daniel Eliasson sowie allen Jü­d:in­nen in Deutschland, die Opfer antisemitischer Hetze werden, seine Solidarität aus.

Er habe zwar schon online Morddrohungen von Rechtsextremen bekommen, aber in dieser Weise sei er noch nicht angegangen worden, sagt Eliasson. Nach dem Vorfall sei für ihn klar: „Ich mache einfach nicht mehr alleine Wahlkampf.“

Noch am selben Tag sprach Daniel Eliasson auf einer Kundgebung auf dem Hermann-Ehlers-Platz am Rathaus Steglitz. Der Protest richtete sich gegen die CDU-Bildungsstadträtin Malgorzata Sijbrandij, die sich gegen Drag-Lesungen in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek ausgesprochen hatte.

Gegen Ende seiner Rede sprach Eliasson auch den antisemitischen Vorfall an, den er einige Stunden zuvor erlebt hatte. Er sagte am Mikrofon, man müsse beim Thema Antisemitismus auch auf das eigene politische Lager schauen und auch nach Neukölln: Wenn „Yalla Yalla Intifada“ auf einer Veranstaltung der Linken gerufen werde, habe er damit ein Problem, sagte der Grüne.

Kurz darauf drehte ihm eine Person aus dem Veranstaltungsteam das Mikrofon ab. Die Person heißt Nox und möchte nicht mit vollem Namen genannt werden, weil sie/er auf der Arbeit nicht als nonbinär geoutet sei. Sie/Er sagte der taz, das Veranstaltungsteam bestehe aus Queeren aus der Steglitzer Nachbarschaft, nur eine Person habe ein Parteibuch der Linken. Es sei Zufall gewesen, dass sie/er ihm genau in diesem Moment das Wort genommen habe.

Aus Sicht von Nox hat Eliasson die zuvor abgesprochenen Regeln der Veranstalter missachtet. Es habe nur zum Thema der Demo gesprochen werden sollen, keine Wahlkampfreden geben und jede Rede habe maximal fünf Minuten dauern sollen. Eliasson habe alle drei Regeln gebrochen.

Eliasson sagt, die Veranstalter hätten ihn mit einer unliebsamen Meinung zum Schweigen bringen wollen. Die Argumentation der Veranstalter sei an den Haaren herbeigezogen: Er habe nur kurz am Ende seiner Rede von seiner Antisemitismuserfahrung gesprochen und das Zeitlimit nicht überschritten. Ein Video der Rede, das Eliasson der taz zur Verfügung gestellt hat, stützt seine Darstellung.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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