Anstehende Intendanten-Wahl: Flaschengeister beim ZDF

Am Freitag wählt das ZDF eine neue Intendantin oder einen neuen Intendanten. Was das mit Parteifarben und alten Ritualen zu tun hat.

Portraits Tina Hassel und Norbert Himmler nebeneinander

Tina Hassel, Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios und ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler Foto: Christoph Soeder/Jan Woitas/dpa

Beim ZDF wird am Freitag einE neueR IntendantIn gewählt. Solche Wahlen um den höchsten Posten in Mainz sind eine heikel. Weshalb das ZDF wahrscheinlich ganz froh ist, dass es nicht so viele mitkriegen und die Berichterstattung eher dünne ist.

Eigentlich schien die Sache so haus- wie ausgemacht. Wie im Märchen soll in anstalts­dynastischer Folge Programmdirektor Norbert Himmler neuer Chef werden. Schließlich war schon der amtierende Thomas Bellut, bevor er Intendant wurde, Programmdirektor und bei seinem Vorgänger Markus Schächter wiederum war es auch schon so.

Das ZDF als gelebtes Erbkaisertum mit dem Fernsehrat als Senat, der den Cäsaren kürt. „Doch das von Männern regierte Römische Reich ist längst untergegangen!“, verkündet die Mitbewohnerin. Wenn das mal kein Omen ist. Und schon das Märchen um den tapferen Ritter Markus Schächter war eher von der traurigen Gestalt. Schächter schaffte es erst im fünften Wahlgang. Denn er ritt auf einem CDU-Ticket, wurde von seiner eigenen Partei aber gar nicht gewollt.

Womit wir bei Tina Hassel wären. Die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios tritt am Freitag gegen den Favoriten Himmler an. Sie kam wie der Geist aus der Flasche, an der der SPD-nahe Freundeskreis im ZDF-Fernsehrat rieb. Doch auch bei der SPD gibt es prompt Gemurre. Hassel sei ja eher grün, heißt es zum ­Beispiel. Außerdem ist noch zu hören, dass sie ja gerne noch andere KandidatInnen präsentiert hätten. Die wären aber nur bei Gewinngarantie angetreten. Ansonsten bleibt alles schön intransparent.

Wie im Märchen

Drüben beim WDR-Rundfunkrat übrigens wollten einige Mitglieder diese Woche genau damit aufräumen. Sie hatten am Dienstag eine Sondersitzung durchgesetzt, über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und seinen Auftrag. Sondersitzungen sind sehr ungewöhnlich in dieser Gremienwelt. Sie bedeuten eigentlich immer, dass es gewaltig knirscht.

Die InitiatorInnen der Veranstaltung stehen weder dem CDU- noch dem SPD-Freundeskreis im Rundfunkrat nah, sondern wenn schon, dann den Grünen. Und haben harsche Kritik am – nach ihrer Sicht – zu sehr auf schnellen Netzerfolg schielenden digitalen Kurs von WDR-Chef Tom Buhrow. Doch der Hofstaat der CDU- und SPD-nahen Truppen hielten der Chefetage die Treue. Die Debatte wurde eher abgeblockt. Doch der Geist ist aus der Flasche, und das ganz öffentlich.

Womit wir wieder bei Tina Hassel wären. Sie soll beim ZDF vor allem antreten, um zu zeigen, dass sie der Intendantinnen-Krone würdig ist. Um dann 2025 beim WDR Tom Buhrow abzulösen. „Abgekartete Sache“, meint die Mitbewohnerin, „ganz wie im Märchen.“

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2000-2012 Medienredakteur der taz, dann Redakteur bei "ZAPP" (NDR), Leiter des Grimme-Preises, 2016/17 Sprecher der ARD-Vorsitzenden Karola Wille, seit 2018 freier Autor, u.a. beim MDR Medienportal MEDIEN360G. Schreibt jede Woche die Medienkolumne "Flimmern und rauschen"

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