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Anlegen nach dem CrashRuhe bewahren oder umschichten

Nach dem extremen Anstieg der Börsenkurse in den vergangenen zwei Jahren geht es nun bergab. Doch wer langfristig anlegt, muss nicht verzweifeln.

Kommen bärige Zeiten für Anleger? Foto: Schoening/imago

Berlin taz | Der Blick auf die Wirtschaftsnachrichten verheißt in diesen Tagen nichts Gutes. Die angedrohten Zölle auf US-Importe haben nach Ansicht fast aller Ökonomen für alle Beteiligten Nachteile. Verbraucher in den USA müssen sich zum Beispiel auf stark steigende Preise einstellen, wenn Unternehmen die durch Zölle steigenden Kosten an die Verbraucher weitergeben. Das trifft gerade Unternehmen wie Apple, denn der US-Konzern produziert viel im Ausland. Wenn sich die Konsumenten Iphones oder Mac-Computer nicht mehr leisten können, leidet die Apple-Bilanz darunter deutlich.

Dieser Zusammenhang verdeutlicht die Gründe für die Reaktion an den Börsen. Sinken die Gewinnaussichten der Unternehmen, verlieren ihre Aktien an Wert. So erklärt sich die Abwärtsfahrt bei den großen Aktienindizes rund um den Erdball.

Dazu kommt, dass die Kurse zuvor ein ungewöhnlich hohes Kursniveau erreicht hatten. 2023 legte zum Beispiel der Index MSCI World um 20 Prozent zu, und stieg im vergangenen Jahr noch einmal um 27 Prozent. Insofern ist der aktuelle Kurseinbruch womöglich auch Zeichen einer notwendigen Korrektur. Der MSCI World ist deshalb besonders interessant, weil auch viele Anleger in Deutschland auf börsengehandelte Fonds (ETF) setzen, die den Index nachbilden. Viele stehen nun vor der Frage, ob sie aus dem Aktienmarkt aussteigen oder eher abwarten sollten.

Raus, rein oder drinnen bleiben? Darauf lässt sich keine verlässliche Antwort für jeden finden. Der Kölner Vermögensverwalter David Bienbeck rät zu Gelassenheit. „Alle Korrekturen sind irgendwann vorbei“, erläutert er. Danach würden die Höchststände meist in wenigen Monaten wieder erreicht. Ob dieser Optimismus gerechtfertigt ist, wird allerdings von vielen Faktoren abhängen, etwa ob der Handelskrieg anhält und die Wirtschaft in eine Rezession treibt.

Die Stiftung Warentest ist hinsichtlich der ETF zwar auch grundsätzlich zuversichtlich, unterscheidet jedoch unter verschiedenen Typen von Anlegern. „Es ist klar, dass es nach Superjahren mal nicht so gut läuft“, beruhigt die Aktienexpertin der Stiftung, Karin Baur, „wir empfehlen weltweite Aktienanlagen nach wie vor.“ Sie verweist auch auf die Entwicklung der deutschen Aktien. Das Börsenbarometer Dax mit den 40 größten deutschen Börsenunternehmen hat zwar gerade auch kräftig eingebüßt, liegt aber immer noch rund vier Prozent höher als zu Jahresbeginn.

Die Mischung macht's

Für Anleger, die unsicher sind oder gar von großen Verlustängsten geplagt werden, hat Baur einen Rat: „Sie sollten ihr Depot so mischen, dass sie ruhig schlafen können“. Eine Strategie dafür kann in einem geringeren Anteil an Aktien im Portfolio sein. Statt wie oft üblich, die Hälfte des Geldes in Aktien und die andere in sicheren Zinsanlagen unterzubringen, kann der Zinsanteil erhöht werden. In Frage kommen Tages- oder Festgeldanlagen, die allerdings nur geringe Zinserträge abwerfen. Das ist der Preis der Sicherheit. Eine Alternative sind auch Geldmarktfonds. Diese investieren in Staatsanleihen.

In Frage kommt hier zum Beispiel der ETF Amundi EUR Overnight Return UCITS ETF Acc. Der Fonds setzt Anleihen mit kurzer Laufzeit und kann jederzeit ge- oder verkauft werden. Auch Sparpläne sind möglich. Staatsanleihen sind zwar eine recht sichere Sache. Doch sollten Sparer darauf achten, dass sie in Euro notiert sind. Anleihen aus anderen Staaten oder den USA bringen zwar zunächst mehr Zinsen ein. Doch besteht das Risiko, dass es fallender US-Dollar den Vorteil mehr als auffrisst. Geldmarktfonds auf US-Anleihen seien eher etwas für Spekulanten, warnt Baur.

Während es an den Aktienbörsen abwärts geht, eilt der Goldpreis von einem Rekordhoch zum nächsten. Fast 3.200 US-Dollar kostete eine Unze, als gut 31 Gramm des Edelmetalls in der Spitze. Gold gilt in unsicheren Zeiten als sicherer Hafen. Ob sich der Einstieg jetzt noch lohnt, ist nicht gesagt. „Gold ist schon teuer“, befindet Baur. Allerdings bringe es auch eine langfristige Stabilität in ein Portfolio. Von Goldsparplänen rät die Expertin ab. Eine Einmalanlage sei besser. Ohnehin ist das Edelmetall eher als Beimischung zu anderen Geldanlagen geeignet.

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14 Kommentare

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  • Taz gibt Investment Tipps? Soweit ist es schon gekommen...

  • Ja genau, und gegen Speiseröhrenkrebs hilft Brennesselsaft!

  • Einen Crash hat nur erlebt wer sein Depot nicht pflegt 🤷‍♂️



    Heutzutage ist das ja alles super leicht, man setzt ein unteres Limit, bei Erreichen werden die Titel automatisch verkauft.



    Wer da beispielsweise Amazon-Aktien bei einem Limit von 10% oder 15% hielt und vor 2 Jahren eingestiegen ist, der startete bei 90€, erlebte um den Jahreswechsel den Peak und ist irgendwann im Januar Februar bei knapp unter 200€ automatisch ausgestiegen.



    110€ Gewinn pro Aktie in 2 Jahren, die leidigen 26,375% Steuern on top, egal, nun geruhsam abwarten bis sich der Boden ausbildet und dann geht der Zug wieder los 🤷‍♂️



    Die Gewinnspanne mit Aktien erhöht sich ungemein wenn man regelmäßig auch verkauft - es heißt ja Aktienhandel, nicht Aktien halten 😉



    Ein Crash ist wie ein Waldbrand - es scheint wie ein Unglück, aber eigentlich ist es ein sehr fruchtbares Ereignis, du musst nur vom Baum runter sein bevor er brennt...

  • Einzigartige Empfehlung vom Profi: "Sie sollten ihr Depot so mischen, dass sie ruhig schlafen können“.

    Danke

  • Das soll schon ein Crash ein?



    Nächste Woche hat es sich der Herr Präsident wieder anders überlegt und alles schießt nach oben.

  • Die Neoliberalen in diesem Land, die den Bürgern einreden wollen, dass das Absenken der staatlichen Rente mit der Anlage in Aktien versüßt werden soll, empfiehlt sich ein Blick in die USA. Ein Nebeneffekt der Trumpchen Zollpolitik sind beispiellose Einbrüche im dortigen Aktienmarkt und somit die Vernichtung großer Teile der Altersvorsorge von Millionen Amerikanern.

    • @Thomas Müller:

      Aha, Sie wissen also, wie die Aktien übermorgen, nächste Woche oder Ende des Jahres stehen, soso. Mit diesem Wissen wären Sie weltweit der einzige. Sie sollten überlegen, ob Sie dieses KnowHow nicht vermarkten sollten, ich garantiere Ihnen eine großartige, finanziell unabhängige Zukunft! Ich habe aber eher den Verdacht, dass Sie die Börse gar nicht verstehen.

      • @Demokratischer Segler:

        Die Aktien werden sicher irgendwann wieder erholen. Vielleicht aber auch nicht. Derzeitigen Rentnern nützt das wenig. Aktien sind ein volatiles Anlagegut und für die Altersvorsorge langfristig nicht berechenbar. Das könnten Sie schon im ersten Semester VWL hören.

        • @Thomas Müller:

          Ich möchte Ihnen nicht zu nahetreten, aber Sie bestätigen gerade meinen Verdacht. Hätten Sie das erste Semester VWL (Grundlagen Finanzmathematik) ernst genommen, dann hätten Sie sich nicht allein auf die Rente verlassen, sondern mit Beginn Ihres Semesters, spätestens mit Eintritt in Ihr Arbeitsleben an der Börse investiert. Dann wären Sie heute, bei einer überschaubaren monatlichen Sparrate, ein gemachter Rentner. Und wenn dann mal, so wie jetzt (und wie es immer mal wieder vorkommt) am Ende 10% wegen doofer Börsenkurse (vorrübergehend) fehlen …. so what.

  • Muss man die Aufregung jetzt verstehen? Die alten einfachen Weisheiten alter Börsenlegenden wie Kostolany u.a., dürften doch weiter funktionieren. Langfristig handeln und es wird immer wieder Auf und Ab gehen.

  • Bei seiner letzten Amtszeit hat er schon in gewisser Weise dem Dollar und damit dem klassischen Finanzsystem geschadet als er die druckerpressen für die corona Hilfen startete (in der Zeit wurde mehr gedruckt als in 100 Jahren davor insgesamt). Und jetzt geht die Reise eben weiter mit den Zöllen und so.



    Ich finde das passt alles gut in schema an deren Ende dann auch die hasszerfressensten und größten Empörungs Schreier aus der rechten blase erkennen müssen das sie einen idioten an die Spitze gewählt haben.

    Das alles ist doch super. Wenn der Faschismus schon von sich aus zeigt wie dumm es ist auf seinen Zug aufzuspringen, braucht man ihn nicht mal mehr aktiv bekämpfen.

    • @Rikard Dobos:

      Möglich und sogar wünschenswert wäre es ja.



      Aber ich fürchte, dass die US-Oligarchen halt auf maximales Chaos setzen in der Hoffnung, dann nach der Zerschlagung jedweder staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung noch ungehemmter ihrem Ausbeutungsgeschäft nachgehen zu können.



      Leider spricht viel dafür, dass Trump und seine Konsorten mit den vielen, teilweise vollkommen sinnbefreiten Aktionen einfach nur einen Bürgerkrieg provozieren wollen, der alle Ordnung zunichte macht.



      Wie unwichtig ihnen die herrschende Realität ist, zeigt z.B. so ein kleines Detail wie Trumps Behauptung gestern, die Börsen würde boomen, während um ihn herum ALLE nur darüber sprechen, dass die Aktien abstürzen. Das setzt einfach nur auf maximale Provokation, um Chaos und Zerstörung zu erzeugen.

    • @Rikard Dobos:

      Erwarten Sie von den Dummen, dass die das merken? Das schlimme ist doch, dass im Faschismus immer die anderen schuld sind und seien es unbewohnte Inseln die mit Zöllen belegt werden. Der dumme Faschist jubelt und macht weiter.

  • „Beimischung“ haha, die TAZ.