piwik no script img

Anklage wegen sexuellen ÜbergriffsKevin Spacey gibt sich selbstbewusst

Sowohl Gegner als auch Unterstützer Spaceys wünschen sich klare Verhältnisse. Aber die wird der Missbrauchs-Prozess nicht bieten können.

Spacey vor dem Gericht von Nantucket Foto: reuters

Berlin taz | Der Schauspieler Kevin Spacey ist am Montag formell des sexuellen Übergriffs beschuldigt worden. Der 59-Jährige betrat das Gebäude des US-Bezirksgerichts auf der Ostküsteninsel Nantucket um 11 Uhr Ortszeit umringt von Kameraleuten. Damit beginnt der Strafprozess für einen der prominentesten Beschuldigten im Zusammenhang mit #MeToo. Spacey soll im Jahr 2016 einen 18 Jahre alten Kellner auf der Ferieninsel körperlich bedrängt haben, der Schauspieler bestreitet das.

Für #MeToo beginnt damit die Phase der Faktensicherung und der Strafprozesse. Die kommenden Verhandlungen werden zu einer Blaupause für den juristischen Umgang mit prominenten Fällen werden. Denn es ist davon auszugehen, dass die Verteidigung sich die exzessive Berichterstattung über das Thema zunutze machen wird.

Anzeichen dafür gibt es bereits: Spaceys Anwälte wollen darauf abheben, dass das mutmaßliche Opfer, der Sohn einer Journalistin, den Vorfall nicht umgehend angezeigt hat, und dass er erst ein Jahr später dazu befragt worden ist. Das hat der Boston Globe herausgefunden. In der Zwischenzeit ist im Zusammenhang mit #MeToo viel über Spacey berichtet worden. Die Verteidigung könnte versuchen, zu argumentieren, dass dies die Erinnerung des Klägers verzerrt haben könnte.

Überraschend äußerte sich Spacey am Montag nicht darüber, ob er auf schuldig oder unschuldig plädiert, obwohl dies bei dem Termin der Anklage-Verlesung eigentlich vorgesehen ist

Kevin Spacey ist nach Hollywoodproduzent Harvey Weinstein einer der prominentesten Beschuldigten im Zusammenhang mit #MeToo. Im Fall einer Verurteilung wegen Körperverletzung und unsittlichem Verhalten drohen Spacey bis zu fünf Jahre Haft und ein Eintrag im Verzeichnis der Sexualstraftäter. Seit Oktober 2017 gibt es eine Reihe von Vorwürfen gegen Spacey wegen sexueller Belästigung. Spacey hat deswegen mittlerweile seinen Platz in der Erfolgsserie „House of Cards“ verloren und ist aus dem Ridley-Scott-Film „Alles Geld der Welt“ herausgeschnitten worden.

Überraschend äußerte sich Spacey am Montag nicht dazu, ob er auf schuldig oder unschuldig plädiert, obwohl dies bei dem Termin der Anklage-Verlesung eigentlich vorgesehen ist. Der Richter setzte den nächsten Termin für den 4. März an und wies den Angeklagten an, jede Kontaktaufnahme mit dem mutmaßlichen Opfer zu unterlassen.

Irritierendes Video

Da für den Prozess gegen Harvey Weinstein noch kein Termin feststeht, dürfte der Spacey-Prozess viel beachtet werden. Es ist davon auszugehen, dass nie vollständig rekonstruiert werden kann, was im Einzelnen vorgefallen ist. Die klaren Verhältnisse, die sich sowohl Gegner*innen als auch Unterstützer*innen Spaceys wünschen, wird ein solcher Prozess nicht schaffen. Die Geschworenen können nur entscheiden, ob ihnen die Beweislage genügt oder nicht. Die Verteidigung dürfte Versuchen, bei ihnen Zweifel zu sähen, weil mediale Berichterstattung die Wahrnehmung von Vorgängen beeinflussen kann.

Spacey gab sich zuletzt selbstbewusst. An Weihnachten irritierte der Schauspieler mit einem Video, das ihn mit Nikolausschürze in einer Küche zeigt. Dort geht er auf die Anschuldigungen ein – ausgerechnet in der Stimme seiner Figur Frank Underwood: einem US-Politiker, der es mit Durchtriebenheit, brutalsten Verbrechen und Verschleierung bis ins Amt des US-Präsidenten schafft. Und die aus „House of Cards“, also ebenjener Erfolgsserie stammt, die Spacey nach diversen Vorwürfen der sexuellen Belästigung verlassen musste.

„Sie würden doch sicher keine Schlussfolgerungen ziehen, ohne die Fakten zu kennen?“, sagt Spacey im Video: „Oder haben Sie das etwa schon?“ Hier präsentiert sich kein Kevin Spacey, der vorsichtig in Deckung bleibt, sondern einer, der in die Offensive geht.

Links lesen, Rechts bekämpfen

Gerade jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt, braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit Polylux. Das Netzwerk engagiert sich seit 2018 gegen den Rechtsruck in Ostdeutschland und unterstützt Projekte, die sich für Demokratie und Toleranz einsetzen. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Noch bis zum 31. Oktober gehen 50 Prozent aller Einnahmen aus den Anmeldungen bei taz zahl ich an das Netzwerk gegen Rechts. In Zeiten wie diesen brauchen alle, die für eine offene Gesellschaft eintreten, unsere Unterstützung. Sind Sie dabei? Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare

  • Noch keine Kommentare vorhanden.
    Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!