Anführer der Militärjunta in Mali: Ein ganz Spezieller

Assimi Goita ist der Präsident der Militärjunta. Die Karriere des Chefs einer Spezialeinheit ist eng mit dem Krieg gegen Terror verknüpft.

Ein Mann hinter einem Mikrophon sitzend, hinter ihm Männer in Uniform

Malis Juntachef: Oberst Assimi Goita bei seinem ersten Auftritt vor der Presse, Mittwoch Foto: AP / ORTM

BERLIN taz | Wie der geborene Chef sah Oberst Assimi Goita nicht aus, als er am späten Mittwoch in Malis Hauptstadt Bamako vor die Presse trat. „Ich bin Oberst Assimi Goita“, hob er an und erklärte, er sei der Präsident des neugebildeten „Nationalkomitees zur Rettung des Volks“ (CNSP) – des Gremiums hoher Militärs, die am Vortag Malis Präsidenten Ibrahim Boubacar Keïta gestürzt hatten. Mali stecke in der Krise, so der frisch gekürte 40-jährige Juntachef. „Wir haben kein Recht mehr auf Irrtum“, fuhr er fort und schloss mit den Worten: „Mali zuerst.“

Goita war zunächst der unbekannteste der fünf Putschführer gewesen, aber dann machten sie ihn zum Anführer. Denn Goita ist nicht irgendein Soldat. Er kommandiert die wichtigste Eliteeinheit von Malis Armee: das „Autonome Bataillon der Spezialkräfte“ (BAFS).

Laut Gründungsdekret vom Mai 2018 gehören zu den Aufgaben des Bataillons unter anderem „Planung, Koordination und Ausführung von Spezialoperationen“ sowie „Supervision und Koordination der in Operationen engagierten Spezialeinheiten“. Es ist die Spezialeinheit der Spezialeinheiten.

Nach sieben Jahren Krieg gegen den Terror gelten Spezialkräfte heute als effektivstes Mittel gegen islamistische Kampfgruppen in den Savannen und Wüsten von Mali. Die USA verlassen sich ausschließlich auf solche Elitetruppen, Frankreich hat dafür vergangenes Jahr die Operation „Takouba“ ins Leben gerufen und setzt auch seine Fremdenlegion ein. Doch zum effektiven Einsatz benötigen die Ausländer kompetente malische Begleiter – und für die Gewährleistung dessen steht das BAFS.

Oberst Assimi Goita

„Wir haben kein Recht mehr auf Irrtum“

Das Spezialbataillon vertritt Mali auch im US-Training für afrikanische Spezialkräfte im Rahmen der jährlichen Manöver „Flintlock“: 2019 in Burkina Faso, 2020 in Mauretanien. Bei der 2019er Übung stand das malische Bataillon, unterwiesen von tschechischen Spezialkräften, im Fokus, wie ein Bericht des US-Außenministeriums ausführt: „Die Tschechen sagten, dass sie viel lieber mit motivierten Soldaten wie BAFS zusammenarbeiten als mit Soldaten, deren Einstellung gleichgültig ist.“

Auch das Programm „Spirit of America“, in dem US-Veteranen US-Auslandseinsätze begleiten können, war dabei. Sein Westafrika-Projektleiter Andy Duhon veröffentlichte ein Foto von sich mit Goi­ta und schrieb: „Bei Flintlock konnte ich Oberstleutnant Assimi Goita wiedersehen, ein Schlüsselpartner und Freund, an dessen Seite ich seit 2016 arbeiten durfte. Zusammen haben wir gewalttätigen Extremismus in Mali bekämpft.“

Stationiert ist die BAFS in der Region Mopti in Zentralmali, einer besonders von ethnischer Gewalt im Zuge der Bekämpfung islamistischer Milizen durch lokale Gegenmilizen betroffenen Gegend. In ihrem jüngsten Menschenrechtsbericht wirft die UN-Mission in Mali (Minusma) den malischen Streitkräften in Mopti „Racheakte gegen die Zivilbevölkerung“ sowie „extralegale Hinrichtungen“ vor, ohne zu präzisieren, welche Einheiten verantwortlich seien.

Es wäre verkürzt, Malis Putsch als Staatsstreich der Spezialeinheiten zu sehen. Die Putschführer vertreten alle Abteilungen der malischen Streitkräfte. Die Armee insgesamt hat gehandelt. Doch indem sie den Chef der Spezialkräfte an ihre Spitze setzt, stellt sie klar, dass sie in der Terrorbekämpfung ebenso wie in den Staatsgeschäften für größtmögliche Effektivität stehen will.

Goita gehört wie auch andere der Putschisten zu jener Generation malischer Offiziere, die im Krieg gegen Tuareg-Rebellen 2012 ihre ersten Erfahrungen machten. Einem Bericht zufolge wurde er bei der Schlacht von Tessalit, der schwersten Niederlage von Malis Armee gegen die Tuareg-Separatisten, gefangengenommen. Erst der islamische Führer Imam Dicko habe ihn durch Verhandlungen freibekommen. Heute ist Dicko die wichtigste Führungsfigur der zivilen Proteste gegen Malis gestürzte Regierung – und Goita führt die daraus entstandene Militärregierung.

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