Alkoholverbote in Hamburg: Das Flutlicht bleibt aus

Der erste Abend mit Alkoholverbot im Stadtpark war am Freitag ruhig. Zuvor hatten sich hier Tausende versammelt. Gefeiert wird nun offenbar anderswo.

Polizisten patroullieren auf einer Wieser im Stadtpark

Nicht viel los: Der Hamburger Stadtpark am Freitagabend Foto: Jonas Walzberg/dpa

Die Sonne steht am Freitagabend schon tief über dem Stadtpark und der kühle Wind zieht durch die Bäume. Am Horizont, am Ende des knöchelhohen Rasens, stehen acht weiß-blaue Polizeitransporter in zwei Kolonnen, ordentlich aneinandergereiht. Dutzende Po­li­zis­t:in­nen schlendern herum, massive Flutlichtstrahler samt Stromaggregat stehen bereit: Mit Einbruch der Dunkelheit will die Hamburger Polizei mit großem Aufwand junge Menschen vom Feiern abhalten. So wie schon in den vergangenen Wochen. Doch heute wird das Flutlicht ausgeschaltet bleiben.

Seit Freitag gilt im Stadtpark an den Wochenende ab 21 Uhr ein Alkoholverbot. Beschlossen hatte es der Senat Anfang vergangener Woche. Tausende, meist Jugendliche, hatten sich an den Wochenenden zuvor dort versammelt, ehe die Polizei den Park mehrfach räumte. Es sei laut Innensenator Andy Grote (SPD) nicht nur zu Verstößen gegen die Coronaregeln gekommen, sondern auch zu Straftaten wie Körperverletzungen und Landfriedensbruch. „Es waren vorbereitete und verabredete Eskalationen“, sagte Grote. Au­gen­zeu­g:­in­nen wiederum schilderten, dass die Eskalationen erst begannen, als die Polizei mit massivem Aufgebot aufzog und die Menschen kreuz und quer über die Wiese trieb.

Am Freitagabend – wie auch am darauffolgenden Tag – ist von den jugendlichen Massen kaum etwas zu sehen. Die größte Menschentraube besteht aus zehn jungen Leuten, die im Kreis sitzen und Musik hören. Das Fernsehen ist auch hier. Junge Frauen geben kichernd ein Interview. Die Po­li­zis­t:in­nen stehen derweil an ihren Wagen herum und stemmen die Hände in die Hüfte.

„Ich find sie unnötig“, sagt ein junger Mann mit orangenem Pullover über die anwesenden Beamt:innen. Er sitzt mit zwei Freunden auf einer Parkbank am Rande der großen Wiese. Er zeigt mit offener Handfläche in die Richtung der Be­am­t:in­nen: „Das ist doch lächerlich“, sagt er. Ihm sei zwar klar, dass das Coronavirus gefährlich ist, aber er könne nicht verstehen, wieso man jetzt gar keinen Spaß mehr haben dürfe.

Verdächtige Tetrapacks

Dass die Polizei kaum Interesse haben würde zu diskutieren, hatte Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer schon zuvor klargemacht. Man wolle „klare Kante gegen die Krawallmacher“ zeigen. Als das Alkoholverbot um 21 Uhr in Kraft tritt, ziehen die Po­li­zis­t:in­nen über die Wiese. Ein junger Mann bespritzt, offenbar aus Spaß, seinen Kumpel mit dem Inhalt eines blauen Tetrapacks. Der Freund lacht, die Polizei guckt ernst. Der Geruchstest eines Beamten bringt eine Vermutung: Ist etwa Alkohol im Pfirsicheistee? Eine Gruppe von Einsatzkräften schirmen den Mann ab. Er kriegt einen Platzverweis und läuft zu seinen Freunden. Das Tetrapack wird vorschriftsgemäß entsorgt.

Ansonsten aber bleibt es entspannt: Später bilanziert die Polizei die Lage als „auffällig ruhig“. Die Jugendlichen verbringen also den Wochenendabend woanders. Dass sie nun in den nächsten Park ausweichen, glaubte Innensenator Grote Anfang letzter Woche allerdings nicht. Gegen die Vermutung sprach: Der Stadtpark hatte sich als großer Treffpunkt der Jugendlichen erst entwickelt, als der Senat ein Alkoholverbot für den Kiez und die Sternschanze erlassen hatte.

Und nun, am ersten Abend mit Alkoholverbot im Stadtpark, sind in den sozialen Medien immer wieder Nachrichten von kleineren Feiern und Raves an anderen Plätzen und Parks in der Stadt zu lesen. Meist entstehen sie spontan und lösen sich auch kurze Zeit später wieder auf.

Doch davon ist nach Sonnenuntergang im Stadtpark nichts zu hören. Auch der polizeiliche Flutlichstrahler bleibt aus. Nur fernes Gegröle zieht ab und zu durch den Stadtpark, weil in einem angrenzenden Biergarten dreißig Personen die Fußball-EM verfolgen – dort darf schließlich vorschriftsmäßig gesoffen werden.

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