Aktuelle Nachrichten in der Coronakrise: EMA empfiehlt AstraZeneca weiter

Die EMA erkennt Gefahren für Blutgerinnsel, doch die Vorteile des Vakzins seien größer. Großbritannien ändert die Empfehlung.

Eine Person mit Schutzhandschuhen hält eine Ampulle des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca

EMA empfiehlt weiterhin uneingeschränkt die Anwendung des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca Foto: Christophe Gateau/dpa

Großbritannien: AstraZeneca nur noch für über 30-Jährige

Die britische Impfkommission hat ihre Empfehlung für den AstraZeneca-Impfstoff geändert. Das Präparat soll künftig möglichst nur noch Erwachsenen über 30 Jahren verabreicht werden, wie die Kommission am Mittwoch mitteilte. Grund sind Berichte über seltene Fälle von Blutgerinnseln im Zusammenhang mit einer Impfung mit dem Vakzin.

EMA: AstraZeneca-Impfstoff weiter benutzen

Trotz sehr seltener Fälle von Hirnthrombosen empfiehlt die EU-Arzneimittelbehörde EMA uneingeschränkt die Anwendung des Corona-Impfstoffes von AstraZeneca. Der Nutzen des Wirkstoffes sei höher zu bewerten als die Risiken, erklärte die EMA am Mittwoch in Amsterdam. Es sei aber ein möglicher Zusammenhang zwischen dem Wirkstoff und seltenen Thrombose-Fällen festgestellt worden. Diese Thrombosen seien vor allem bei Frauen im Alter von unter 60 Jahren binnen zwei Wochen nach der Impfung aufgetreten. Spezifische Risikofaktoren seien nach den bisherigen Erkenntnissen nicht bestätigt worden. Die EMA gab zunächst keine Einschränkungen für den Einsatz des Mittels bekannt.

AstraZeneca hat immer wieder erklärt, Studien hätten keine erhöhte Thrombose-Gefahr gezeigt. Die EMA geht nach eigenen Angaben derzeit mehr als 60 Berichten zu Gehirn-Thrombosen – also Blutgerinnseln – nach. Einige verliefen tödlich. Mehrere Länder – darunter Deutschland – empfehlen die Impfung mit AstraZenca inzwischen nicht mehr für jüngere Menschen. (rtr/dpa)

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Söder glaubt nicht an vorgezogene Coronarunde

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder rechnet in dieser Woche nicht mehr mit einer Konferenz von Bund und Ländern um den weiteren Coronakurs. Es werde wohl keine vorgezogene Mi­nis­ter­prä­si­den­t:in­nen­kon­fe­renz geben, sagte der CSU-Chef am Mittwoch nach der Sitzung des bayerischen Kabinetts in München.

Er begründete dies mit den unterschiedlichen Meinungen unter den Ländern bezüglich eines einheitlichen Vorgehens etwa für einen erneuten harten Lockdown. Derzeit sehe es leider nicht nach der Einheitlichkeit aus, die für den härteren Kurs notwendig sei. „Ich halte die Idee für sinnvoll“, betonte Söder, aber im Moment gebe es dafür von den SPD-Ländern und auch unter den CDU-Ländern keine „große Unterstützung“.

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Ein „genereller Lockdown“ könne aber nur einheitlich von Bund und Ländern beschlossen werden, ansonsten drohe ein erneuter Flickenteppich. Für die regionalen Lösungen gebe die „Notbremse“ schon jetzt ein Instrument, hier sei aber zu überlegen, ob diese nicht in einem Bundesgesetz verankert werden könne, „damit sie für alle greift“. Söder kritisierte erneut, dass die in der „Notbremse“ hinterlegten Maßnahmen wie eine Ausgangssperre nicht einheitlich umgesetzt würden. Auch dies müsse bei der nächsten Mi­nis­ter­prä­si­den­t:in­nen­kon­fe­renz entschieden werden. (dpa)

Antisemitismus wächst in der Pandemie

Die Coronapandemie hat im vergangenen Jahr antisemitische Hassgefühle ins Internet verschoben. Forscher der Universität von Tel Aviv erklärten in einem am Mittwoch veröffentlichen Bericht, die Zahl der gewaltsamen Übergriffe auf Jü­d:in­nen sei 2020 in rund 40 Ländern zurückgegangen. Online hätten jedoch Verschwörungstheorien starke Verbreitung gefunden, was die Sorge auslöse, dass es nach dem Ende der Einschränkungen vermehrt zu Gewalt gegen Jü­d:in­nen kommen könne.

„Antijüdischer Hass im Netz bleibt nie im Netz“, erklärte der Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses, Mosche Kantor. „Wir müssen darauf vorbereitet sein, dass antisemitische Verschwörungstheorien zu körperlichen Angriffen auf Juden führen, wenn die Lockdowns zu Ende gehen.“

Die Wissenschaftler des Kantor-Zentrums zur Studie des Zeitgenössischen Judentums erklärten, antisemitisches Gedankengut sei im Internet mit Beginn der Corona-Pandemie im Februar 2020 vermehrt geteilt worden. Auch andere ethnische und religiöse Gruppen seien für die Ausbreitung des Virus verantwortlich gemacht worden. Häufig sei aber geäußert worden, dass Juden und Israelis das Coronavirus erschaffen und verbreitet hätten, um dann mit Impfstoffen Geld zu verdienen. Konkret verantwortlich gemacht wurden zum Beispiel die Familie Rothschild und der Milliardär George Soros.

Die Forscher verwiesen darauf, dass Verschwörungstheoretiker auch immer wieder falsche Vergleiche zwischen den Restriktionen zur Eindämmung der Pandemie und dem Holocaust zogen. Die antisemitischen Botschaften seien nicht nur von Extremisten weiterverbreitet worden, sondern auch von Menschen ohne genau definierte politische oder ideologische Identität, hieß es in den Bericht, der jährlich veröffentlicht wird.

Die Zahl der körperlichen Verletzungen bei antisemitischen Zwischenfällen ging laut dem Bericht 2020 um 37 Prozent zurück. Sachschäden fielen um 35 Prozent. Es gebe allerdings Hinweise, dass die Hassgefühle durchaus uneingeschränkt existierten. Darauf deuteten unter anderem eine Zunahme gewaltsamer Übergriffe in den USA und ein deutlicher Anstieg in Deutschland hin. In beiden Ländern habe Vandalismus einen Großteil der Fälle ausgemacht. Auch die Schändung von jüdischen Friedhöfen und anderen Orten des Gedenkens sei um ein Viertel gestiegen. Es haben 19 Prozent mehr Fälle von Vandalismus an Synagogen gegeben.

Große Plattformen wie Twitter und Facebook seien stärker gegen rassistische und antisemitische Postings vorgegangen, erklärten die Forscher. Damit hätten sie Verschwörungstheoretiker aber nur in die dunkleren Ecken des Internets gedrängt, wo sie nur schwer zu ermitteln seien.

Das Zentrum berichtet von einer zunehmenden Aggressivität bei Angriffen und verbalen Attacken. Als Beispiel wurde das sogenannte Zoom-Bombing genannt. Dabei hacken sich Extremisten in Videokonferenzen von jüdischen Gemeinden und Organisationen und posten Hakenkreuze und antisemitische Beschimpfungen. (ap)

Bundesregierung für einheitlichen, kurzen Lockdown

Bundeskanzlerin Angela Merkel plädiert für kurze, aber verschärfte Einschränkungen angesichts der Infektionslage. „Deswegen ist jede Forderung nach einem kurzen, einheitlichen Lockdown richtig“, sagte ihre Vize-Sprecherin Ulrike Demmer am Mittwoch in Berlin auf eine Frage zur Position der Kanzlerin. Die Infektionszahlen seien zwar wegen der Ostertage nicht verlässlich. Die wachsende Zahl der belegten Intensivbetten spreche aber eine klare Sprache.

Die Bundesregierung unterstützt damit indirekt die Idee eines „Brücken-Lockdowns“ von CDU-Chef Armin Laschet. Demmer sagte: „Deswegen ist auch jede Forderung nach einem kurzen einheitlichen Lockdown richtig. Auch ein gemeinsames bundeseinheitliches Vorgehen wäre hier wichtig.“

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Demmer fügte hinzu: „Die Vielfalt der beschlossenen Regeln trägt im Moment nicht zur Sicherheit und zur Akzeptanz bei.“ Für vorgezogene Beratungen der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin, wie von Laschet ebenfalls vorgeschlagen, gibt es nach ihren Worten im Moment aber „erkennbar keine Mehrheit“. Die nächsten Beratungen der Kanzlerin mit den Länderchefs sind für Montag geplant. (dpa/rtr)

Alkohol- und Tabakkonsum bei Jüngeren steigt

Viele junge Menschen konsumieren einer aktuellen Studie zufolge seit Beginn der Coronapandemie mehr Tabak und Alkohol als vorher. Die Entwicklung sei besorgniserregend, sagte Michael Falkenstein von der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) am Mittwoch in Hannover. Auf den Alkohol- und Tabakkonsum älterer Menschen wirke sich die Pandemie weniger stark aus.

Für die Studie hatte das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag der KKH 1.005 Menschen online repräsentativ zu ihrem Alkohol- und Tabakkonsum befragt. Jeder achte 16- bis 29-Jährige trinkt den Angaben der Kasse zufolge seit Beginn der Pandemie mehr Alkohol, unter den 50- bis 69-Jährigen ist jeder Zehnte betroffen. Unter den jüngeren Rauchern gab jeder dritte in der Befragung an, öfter zur Zigarette zu greifen als vorher. In der älteren Vergleichsgruppe sagte das jeder Vierzehnte.

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Falkenstein bezeichnete die Entwicklung als Rückschritt: In den vergangenen zehn Jahren seien Diagnosen von Alkoholmissbrauch bei 15- bis 19-Jährigen um 10 Prozent zurückgegangen, die Diagnosen von Tabakmissbrauch um knapp 15 Prozent. Der Konsum steige offenbar auch aus Langeweile, Frust und Perspektivlosigkeit an. Falkenstein forderte, nicht den Alkohol- und Tabakverbrauch selbst, sondern dessen Ursachen zu bekämpfen – etwa Depressionen und Angststörungen. Diese könnten sich in Krisensituationen verschärfen. (epd)

Studie: Psychiatrische Spätfolgen von Covid-19

Einer Studie zufolge leidet ein Drittel der Menschen nach überstandener Covid-19-Erkrankung unter neurologischen oder psychiatrischen Störungen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Hirnleistungs- und psychiatrische Störungen nach Covid-19 häufiger auftreten als nach Grippe oder anderen Infektionen der Atemwege“, erklärt Max Taquet, Psychiater an der britischen Universität Oxford und einer der Studienleiter.

Forscher, die die Symptome bei 230.000 überwiegend amerikanischen Pa­ti­en­t:in­nen analysierten, sagten, es sei nicht klar, wie das Virus mit Erkrankungen wie Angstzuständen und Depressionen zusammenhänge. Aber es seien die häufigsten Diagnosen unter den 14 untersuchten Erkrankungen. Post-Covid-Fälle wie Schlaganfall, Demenz und andere neurologische Störungen seien seltener, aber immer noch signifikant, insbesondere bei Pa­ti­en­t:in­nen mit schwerem Covid-19-Verlauf. (rtr)

Fast 10.000 Neuinfektionen gemeldet

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 9.677 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 298 neue Todesfälle verzeichnet.

Nach RKI-Annahmen werden derzeit aufgrund von Urlaub und geschlossenen Praxen gegebenenfalls noch etwas weniger Tests als vor den Ferien durchgeführt. Das RKI geht davon aus, dass die Testhäufigkeit erst nach den Osterferien, also in den meisten Bundesländern nach dem kommenden Wochenende, wieder auf einem mit den Vorwochen vergleichbaren Niveau liegt. (dpa)

Spahn fordert erneut einheitliches Vorgehen

Im Kampf gegen die Coronapandemie hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ein deutschlandweit einheitliches Vorgehen angemahnt. Nötig sei eine „möglichst große Einheitlichkeit und Einigkeit“ zwischen dem Bund und „möglichst allen 16 Ländern“, sagte Spahn am Dienstagabend in der ARD. Insbesondere müsse klar sein, dass die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz nicht über 100 steigen dürfe. Sollte dies doch geschehen, müsse „sehr stark“ reagiert werden.

Spahn sprach sich angesichts der aktuellen Infektionslage für weitere Kontaktbeschränkungen aus. Impfen und Tests allein würden die dritte Infektionswelle nicht brechen, warnte er. „Es geht um einen Lockdown, der die Welle so bricht, dass wir anschließend mit viel mehr Tests, mit mehr Sicherheit bestimmte Bereiche öffnen können“. In einem nächsten Schritt könne dann mit dem Impfen „der entscheidende Unterschied“ gemacht werden.

Der Start der Impfkampagne in den Haus­ärz­t:in­nen­pra­xen sei ein wichtiger Schritt, der dazu beitragen werde, dass die „Zahl der Impfungen im zweiten Quartal stark steigen wird“, betonte Spahn weiter.

Im Online-Dienst Twitter gab Spahn unterdessen bekannt, dass seine über 60-jährigen Eltern inzwischen im Westmünsterland mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft worden seien. Dabei sei alles „reibungslos und fürsorgend“ verlaufen. Er danke allen, „die jeden Tag bei unserer Impfkampagne mithelfen“. (afp)

USA: Impfungen bald für alle

Impfen ohne „verwirrende Einschränkungen“: In den USA sollen alle Erwachsenen schon in weniger als zwei Wochen einen Termin für eine Corona-Impfung vereinbaren können. „Wir machen unglaubliche Fortschritte“, sagte US-Präsident Joe Biden am Dienstag (Ortszeit) im Weißen Haus. „Vom 19. April an ist jeder Erwachsene in jedem Staat, jeder Erwachsene in diesem Land berechtigt, sich in die Schlange zu stellen, um eine Corona-Impfung zu bekommen.“ Vom Impferfolg der Ame­ri­ka­ne­r:in­nen sollen auch andere Länder profitieren, wie Biden deutlich machte. Das dürfte aber erst in einigen Monaten soweit sein.

Mit der baldigen landesweiten Aufhebung der Staffelung der Impfberechtigten sendet Biden ein weiteres Zeichen an die Bevölkerung, dass die USA in der Pandemie auf dem richtigen Weg seien. Die guten Neuigkeiten verknüpfte er aber wie gewohnt mit einer Warnung. Das Virus breite sich weiter aus, weil zu viele Menschen der Annahme seien, dass man die Ziellinie schon erreicht habe.

„Lassen Sie mich todernst mit Ihnen sein: Wir sind nicht an der Ziellinie“, sagte Biden. Neue Varianten des Coronavirus verbreiteten sich schnell, die Zahl der Neuinfektionen gehe wieder nach oben und auch die Zahl der Neueinlieferungen in Krankenhäuser sei nicht mehr rückläufig. Auch wenn immer mehr Impfungen verfügbar und mehr Menschen geimpft seien, brauche es Zeit, bis der komplette Schutz eintrete. (dpa)

Söder springt Laschet bei – zumindest ein bisschen

Der CDU-Vorsitzende und nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet hat für seinen Vorstoß zu einem zwei- bis dreiwöchigen harten Lockdown doch noch Unterstützung aus der CSU erhalten. Allerdings ordnete Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Laschets Äußerung zugleich als Anschluss an eigene Positionen ein. Beide gelten als Konkurrenten um die Kanzlerkandidatur der Unionsparteien.

Es sei wichtig, durch ein sehr konsequentes Management bei der Bekämpfung der Coronapandemie aus der Endlosschleife herauszukommen, sagte CSU-Chef Söder am Dienstagabend in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“. „Ich habe diese These eigentlich, wenn ich das so sagen darf, immer vertreten, die Kanzlerin auch. Und jeder, der mitmacht – finde ich super, weil es verstärkt die Basis jener, die für Umsicht und Vorsicht eintreten.“

Laschet hatte am Ostermontag vorgeschlagen, im Kampf gegen die dritte Coronawelle einen „Brücken-Lockdown“ zu beschließen. Damit solle die Zeit überbrückt werden, bis viele Menschen geimpft seien. Nötig sei es, in einer nochmaligen „Kraftanstrengung“ die Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 Neuinfektionen je 100.000 Ein­woh­ne­r:in­nen zu drücken. „Da geht es um zwei, drei Wochen“, hatte er gesagt.

Söders Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hatte Laschets Vorstoß zunächst noch als unausgegoren bewertet. Die Richtung befand er zwar für richtig, nötig seien aber „konkrete Konzepte, die mit wissenschaftlichen Daten untermauert sind“. (dpa)

Mehr als 4.000 neue Todesfälle in Brasilien

Die Zahl der bestätigten Todesopfer in Verbindung mit dem Coronavirus binnen 24 Stunden hat in Brasilien erstmals die Marke von 4.000 überschritten. Das Land ist nach den USA und Peru das dritte weltweit, das diesen Schwellenwert übertroffen hat. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Dienstag wurden innerhalb eines Tages 4.195 Tote registriert. Die Zahl der Coronatoten seit Beginn der Pandemie steuert in Brasilien auf 340.000 zu, weltweit sind es nur in den USA noch mehr.

Obwohl das Gesundheitssystem in Teilen des Landes zusammengebrochen ist, fahren viele Gouverneure, Bürgermeister und Richter die Wirtschaft teilweise wieder hoch. Präsident Jair Bolsonaro, der die Risiken der Pandemie lange heruntergespielt hat, ist ein strikter Gegner von Lockdown-Maßnahmen, weil sie der Wirtschaft schadeten. (ap)

Lambrecht für Privilegien für Geimpfte

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) schließt sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an und plädiert dafür, gegen Corona Geimpfte mit Menschen gleichzustellen, die negativ auf das Virus getestet wurden. Das sei „ein logischer Schritt“ angesichts der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse, wonach von Geimpften kaum mehr ein Infektionsrisiko ausgeht, sagte Lambrecht. Auch der Berliner Staatsrechtler Ulrich Battis teilt diese Ansicht und hält es für möglich, dass Geimpfte erfolgreich gegen eine weitere Einschränkung ihrer Grundrechte klagen.

Die SPD-Politikerin Lambrecht führte in der Bild-Zeitung (Mittwoch) zur Begründung aus: „Wir leben in keinem Obrigkeitsstaat, der Grundrechte nach Belieben einschränken oder zurückgeben kann.“ Wenn von Geimpften keine höhere Gefahr für andere ausgeht als von negativ getesteten Personen, entfalle eine wichtige Begründung für die Einschränkung ihrer Grundrechte. Das müsse dann selbstverständlich berücksichtigt werden.

Aktuell gehe es darum, die dritte Welle der Pandemie zu brechen. Tests würden bei den kommenden Öffnungsschritten eine wichtige Rolle spielen, sagte Lambrecht: „Dann sollte auch die Impfung berücksichtigt werden.“ Die Justizministerin folgt damit einer Argumentation von Gesundheitsminister Spahn. Er hatte am Wochenende angekündigt, Erkenntnisse des Robert-Koch-Instituts zur Infektiösität Geimpfter in Gespräche mit den Bundesländern einzubringen, die entsprechend ihre Coronaverordnungen anpassen müssten. (epd)

Amnesty: Corona verschlechtert Menschenrechtslage

Die Menschenrechtslage hat sich wegen der Coronakrise für Millionen Menschen weltweit verschlechtert. Das geht aus dem Jahresbericht von Amnesty International hervor, der am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde. In vielen Teilen der Welt verstärke die Pandemie bestehende Ungleichheit, Diskriminierung und Unterdrückung.

Dabei litten vorerkrankte Menschen, Geflüchtete, Beschäftigte im Gesundheitswesen, Minderheiten sowie Frauen und Mädchen am meisten unter den Folgen der Covid-19-Krise. Autoritäre Regierungen gingen oft mit Gewalt gegen die Zivilgesellschaft vor, während die internationale Zusammenarbeit versage, etwa beim Zugang zu Corona-Impfstoff.

„Millionen von Menschen waren im letzten Jahr massiv der Pandemie und ihren Folgen ausgesetzt, ohne dass Regierungen weltweit ihrer menschenrechtlichen Schutzpflicht ausreichend nachgekommen wären“, kritisierte der Generalsekretär von Amnesty Deutschland, Markus N. Beeko. „Zahlreiche Staaten missbrauchten die Gesundheitskrise, um weiter rechtsstaatliche Prinzipien aufzulösen und Rechte einzuschränken, oder nahmen billigend den Tod von Menschen aus Risikogruppen oder dem Gesundheitssektor in Kauf.“

Kritische Stimmen, die auf Missstände aufmerksam machten, seien vielerorts gezielt verfolgt und unterdrückt worden. Auch bewaffnete Gruppen nutzten verstärkt Gewalt in politischen Konflikten. Der Bericht analysiert die Menschenrechtslage in 149 Ländern.

Besonders in Afrika südlich der Sahara sei die verheerenden Auswirkungen gewalttätiger Konflikte durch die Coronakrise verstärkt worden, wie in Äthiopien, Mosambik, Kamerun und Nigeria, hieß in dem Bericht. In Ländern wie Angola, Guinea und Uganda sei der Pandemieschutz als Ausrede genutzt worden, um gegen Oppositionelle, Men­schen­recht­le­r:in­nen und Ak­ti­vis­t:in­nen vorzugehen. Dabei seien Zivilisten getötet worden.

Alarmierend sei auch die Lage der Beschäftigten im Gesundheitswesen. Weltweit seien mindestens 17.000 von ihnen im vergangenen Jahr gestorben, ein Großteil in Südamerika. Sie arbeiteten oftmals ohne grundlegende Schutzvorkehrungen, und in mehr als einem Viertel der Länder seien zudem staatliche Repressionen gegen medizinisches Personal dokumentiert worden.

Auch die katastrophalen Lebensumstände von Geflohenen habe die Pandemie verschärft. Viele seien ohne Grundversorgung festgesetzt worden, an vielen Grenzen wurden sie rechtswidrig zurückgedrängt und misshandelt. Der Bericht stellt außerdem in vielen Regionen einen erheblichen Anstieg von häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt fest. Für Frauen sowie Homo- und Transsexuelle seien viele Hilfsangebote nicht mehr verfügbar gewesen. (epd)

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