Aktionen gegen Rechts in Berlin: „Soziale“ Nazis stoppen

Die neuen Nazis sind mit ihrer vorgeblichen Sorge um die Schwachen nicht harmloser geworden. Hier sind die Termine für Gegenproteste.

Antifa-Protesflagge bei einer Demonstration

Sich den Feschisten entgegenstellen ist Bürger*innenpflicht Foto: Mika Baumeister/Unsplash

„Voll asozial“, „was für ein Assi“: Begriffe, die gerade in Berlin schnell und lustig über die Lippen gehen, die im Dritten Reich aber Zehntausende das Leben kosteten.

Die „Asozialen“, die „Gemeinschaftsfremden“, das konnten für die Nazis Wohnungslose sein, Wanderarbeiter*innen, „selbstverschuldete Fürsorgeempfänger“, Landstreicher*innen, Alkoholiker*innen, Prostituierte, psychisch Beeinträchtigte und viele Individuen und Gruppen mehr. Als ressourcenverbrauchende „Schädlinge“ und „unnütze Esser“ etikettiert, belasteten sie in der NS-Propaganda die fleißige „Volksgemeinschaft“ und sollten deshalb vernichtet werden. „Volkshygiene“ nannte sich diese Denke, die auch nach dem Krieg weiter Opfer fordern sollte.

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Etwa in der Nacht zum 6. Oktober 1999 – diesmal in Lichtenberg. Vier von den neuen alten Nazis traktierten damals den 38-jährigen Sozialhilfeempfänger Kurt Schneider mit Schlägen und Tritten. Sie wollten sein Geld und ließen ihn schwer verletzt in einer Grünanlage am Hoenerweg liegen. Wenig später kamen sie zurück und töten Schneider mit einem Messer und Tritten gegen den Kopf.

„Hammerskins“, Neonazis von altem Schlag waren das damals, die schwächeres, abweichendes Leben auslöschten. Nicht weniger gefährlich aber sind die neuen Neonazis, die gerade mit ihrer vorgeblichen Sorge um die Schwachen punkten wollen. „Deutsche Winterhilfe“ heißt das dann und „soziale Gerechtigkeit für alle Deutschen“. Wo der Sozialdarwinismus in den Hintergrund tritt, kommt der Rassismus und Antisemitismus zum Vorschein. Denn wer deutsch ist, das wollen die Muskelkerlchen vom „Dritten Weg“ natürlich selbst bestimmen.

Dezentrale Blockaden

Zu einem bundesweiten Aufmarsch in Hohenschönhausen ruft diese Kleinstpartei am 3. Oktober auf. Bereits jetzt verbreitet sie ihre Nazipropaganda in verschiedenen Stadtteilen. Einerseits wird zu dezentralen Blockadeaktionen aufgerufen. Das Bündnis für ein weltoffenes und tolerantes Berlin wiederum trifft sich zu einer Auftaktkundgebung am Vorplatz des Bahnhofs Lichtenberg und zieht anschließend gemeinsam nach Hohenschönhausen (Samstag, 3. Oktober, 11.00 Uhr, Weitlingstraße 22).

Die Jusos Lichtenberg starten östlich der S-Bahnstation Hohenschönhausen (11 Uhr, Egon-Erwin-Kisch-Str/Falkenberger Chaussee) und das Berliner Bündnis gegen Rechts am RIZ-Center (11 Uhr, Zingster Straße/Ribnitzer Straße). Das Bündnis Aufstehen gegen Rassismus startet direkt am Sammelpunkt der Neonazis (12 Uhr, Ribnitzer Straße/Wustrower Straße) und der Fahrradkorso von Reclaim Club Culture am Thälmann-Denkmal (12 Uhr, Greifswalder Straße). Der zentrale Gegenprotest unter dem Motto „Bunter Wind“ formiert sich schließlich am Linden-Center (11 Uhr/ab 13 Uhr Bühnenprogramm, Prerower Platz 1).

Erinnerung an Kurt Schneider

Im Anschluss an den Gegenprotest lädt das alternative Jugendprojekt Horte zu einer „Einheitsfeier“ auf seinen Hof in Straußberg ein (Samstag, 3. Oktober, 18.00 Uhr, Peter-Göring-Straße 25).

Auch an Kurt Schneider soll diese Woche erinnert werden. Eine Infoveranstaltung beschäftigt sich mit den Hintergründen des Mordes. Wie war die Situation damals in Lichtenberg? Wie konnte es zum Mord kommen? Was waren die Folgen? Zudem wird über den gegenwärtigen Stand der Gedenkaktivitäten im Bezirk berichtet. (Montag, 5. Oktober, 19 Uhr Magdalenenstraße 19).

Schneiders Anerkennung als Opfer rechter Gewalt hat fast zwanzig Jahre gedauert. Eine Kundgebung soll das würdige Gedenken an ihn etablieren. Nach einer kurzen Kundgebung soll gemeinsam zum Todesort von Schneider gelaufen werden um Blumen abzulegen. (Dienstag, 6. Oktober, 17 Uhr, Möllendorffstraße 6).

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Redakteur der taz Bewegung und im Social Media Team. Autor für Themen queer durch die Kirchenbank. Studierter Religions- und Kulturwissenschaftler.

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