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Afrikas LuftfahrtprogrammeStartbahn für große Träume

Ugandas Präsident will aus einer Provinzpiste ein globales Drehkreuz machen. Experten warnen vor Prestigeprojekten statt sinnvoller Infrastruktur.

Simone Schlindwein

Aus Kampala

Simone Schlindwein

„Mbarara Airport“ steht in weißen Lettern auf dem Wellblechdach eines einstöckigen Hauses, in dem sich die Abfertigungshalle befindet. Davor eine 1,5 Kilometer lange Landebahn ohne Asphalt, die von einem einfachen Maschendrahtzaun gesichert wird. Das ist es.

Doch wenn es nach den Visionen von Ugandas Präsident Yoweri Museveni geht, dann soll dieser Provinzflughafen in der Nähe der Präsidentenfarm im Westen des Landes bald ein internationales Drehkreuz für den Luftverkehr zwischen Lateinamerika und Asien werden. Neben einer dann 5,5 Kilometer langen Landebahn soll dort dann einer der größten Flughäfen weltweit entstehen, mit einem hochmodernen, gigantischen Terminal.

„Dies alles ist auf den bisher unbekannten Faktor der von Gott geschaffenen Welt und das neue Phänomen des sich entfaltenden globalen Wohlstands zurückzuführen“, erläuterte Ugandas Präsident seine Vision in einem Brief an Premierministerin Robinah Nabbanja im Februar und rechnete vor: Derzeit würden Waren und Passagiere von Südamerika über den Atlantik nach Europa und weiter nach Asien fliegen – eine weite Strecke, auf der man viel umsteigen müsse und bis zu 40 Stunden benötige. Dabei seien es von Brasilien nach Mbarara nur 9 Stunden und weiter nach China 11 Stunden.

Kurzerhand ordnete Museveni, der seit 40 Jahren an der Macht ist, an, dass die Premierministerin zusammen mit den relevanten Ministerien das Projekt bis zum Jahr 2030 schnell vorantreiben soll. Wer Machbarkeitsstudien, öffentliche Ausschreibungen, Expertenmeinungen erwartet – alles Fehlanzeige.

Reine Chefsache

Der 81-jährige Präsident, hat bereits selbst entschieden: Eine ugandische Firma soll gemeinsam mit chinesischen Beratern das Megaprojekt umsetzen; finanziert über ein sogenanntes Betreibermodell, bei dem die Firma über einen festgelegten Zeitraum die Einnahmen aus dem Projekt verwendet, um den Kredit zurückzuzahlen, bevor der Flughafen letztlich dem Staat gehört.

Mit diesem Megaprojekt reiht sich Uganda nun auch noch ein in den teuren Wettlauf um den Ort, an dem in der Zukunft in Afrika die meisten Passagiere abgefertigt werden. Kontinentweit werden derzeit 12 Megafughäfen gebaut oder ausgebaut. Der größte entsteht in Äthiopien, 40 Kilometer südlich der Hauptstadt Addis Abeba nahe der Stadt Bishoftu, wo sich der Luftwaffenstützpunkt der Armee befindet. Ab 2030, so der Plan, sollen dort von der staatlichen Fluggesellschaft Ethiopian Airways 110 Millionen Passagiere jährlich abgefertigt werden. Kostenpunkt: über 12 Milliarden US-Dollar.

In Rwanda gibt es ein ähnliches Vorhaben. Seit 2027 wird in Bugesera, 40 Kilometer südlich der Hauptstadt Kigali, ein nagelneuer Flughafen hochgezogen: ursprünglich ein 800 Millionen US-Dollar teures Public-Private-Partnership-Projekt, finanziert maßgeblich durch Qatar Airways. Die katarische Fluggesellschaft will dort ihren Afrika-Hub ausbauen, Rwandas staatliche Fluggesellschaft Rwanda Air ihr Drehkreuz erweitern. Doch immer wieder verzögert sich der Bau, verteuert sich extrem. Mittlerweile umfassen die Kosten 2 Milliarden US-Dollar, die Eröffnung wurde mehrfach verschoben, zuletzt auf 2028. Der Flughafen soll 14 Millionen Passagiere pro Jahr abfertigen.

Der Klima-Impact ist kein Thema

Ein weiterer Konkurrent soll der Jomo Kenyatta Flughafen (JKIA) in Kenias Hauptstadt Nairobi werden, der für 1,2 Milliarden US-Dollar nun von einer chinesischen Firma mithilfe von Krediten der afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) ausgebaut wird und in Zukunft 25 Millionen Passagiere abfertigen soll.

Es gibt kaum funktionierende Eisenbahnlinien. Fahrten mit dem Bus sind zwar günstig und möglich, aufgrund maroder Straßenverhältnisse aber unbequem und oft gefährlich

„Es gibt einige internationale Eintrittstore, wie Bishoftu, Bugesera und JKIA, die ausgebaut werden müssen“, so der afrikanische Luftfahrtexperte Sean Mendis. „Aber einige dieser Flughäfen sind politische Prestigeprojekte und basieren nicht auf echter Nachfrage.“

Alle 12 aktuellen Vorhaben zusammen würden nach ihrer Fertigstellung Kapazitäten für rund 150 Millionen Passagiere in Afrika haben. Allerdings sagte Abderahmane Berthe, Vorsitzender des Afrikanischen Fluggesellschaft-Verbandes AAA (African Airlines Association) im Mai bei einem Luftfahrtgipfeltreffen in Rwandas Hauptstadt Kigali: „Nur zehn Prozent der Afrikaner können es sich leisten, zu fliegen.“ Aber immerhin gebe dies „genug Raum für Wachstum“. Klimaaspekte spielen bei dieser Diskussion aktuell keine Rolle.

Laut Angaben von AAA umfasste das Passagieraufkommen in Afrika im Jahr 2025 rund 110 Millionen Menschen, gegenüber 98 Millionen im Jahr 2024, mit einer jährlichen Wachstumsprognose von rund 6 Prozent bis zum Jahr 2044 aus.

Zwar bestünden weiterhin Herausforderungen, lenkt Berthe ein, doch die Nachfrage sei hoch: „Mit den richtigen Rahmenbedingungen – verbesserter Infrastruktur, breiterem Zugang zu Finanzmitteln und der vollständigen Umsetzung des einheitlichen afrikanischen Luftverkehrsmarktes (SAATM) – ist das Wachstumspotenzial enorm.“

Alternativen ohne und mit Fliegen

Mittlerweile haben laut Angaben der afrikanischen Luftfahrtkommission (AFCAC) 38 afrikanische Staaten das SAATM-Protokoll unterzeichnet, ein Baustein im Aufbau einer afrikaweiten Freihandelszone, die 2019 im Rahmen der Afrikanischen Union ins Leben gerufen wurde. Gemeinsam wollen sie den Luftfahrtmarkt auf dem Kontinent liberalisieren, hohe Steuern und Gebühren abschaffen und Flugreisen damit langfristiger günstiger machen.

Hintergrund ist, dass es kaum funktionierende Eisenbahnlinien gibt. Fahrten mit dem Bus sind zwar günstig und möglich, sie dauern oftmals die ganze Nacht und sind aufgrund maroder Straßenverhältnisse unbequem und gar gefährlich.

Anstatt jetzt große Prestigeflughäfen zu bauen, die internationale Touristen und Geschäftsleute anlocken, sei der Ausbau kleiner, regionaler Hubs deutlich vielversprechender, so der Luftfahrtexperte Mendis: „Wachstum in Afrikas Luftfahrtbranche kommt von unten“, stellt er klar: Es gebe eine hohe Nachfrage an inländischen und regionalen Flügen – diese müsse man nur bedienen.

Innerafrikanische Flugtickets sind deutlich teurer als woanders auf der Welt, selbst Kurzstreckenflüge. Ein Beispiel: Ein einfacher Flug zwischen den Hauptstädten Rwandas und Ugandas kostet rund 350 Euro, während dieselbe Strecke von Berlin nach Paris gerade einmal 100 Euro kostet. Wer von Westafrika nach Ostafrika reisen möchte, fliegt deutlich billiger über Drehkreuze in Europa, Türkei oder die Emirate statt über die direkte Flugstrecke – falls diese überhaupt bedient wird. In Anbetracht der Tatsache, dass über 40 Prozent der Menschen in Subsahara-Afrika laut Angaben der Weltbank unter der Armutsgrenze liegen, ist ein Flugticket für viele ohnehin unerschwinglich. Die meisten können sich nicht einmal ein Fahrrad leisten.

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