Afrika-Cup: Das Lachen des Salah
Beim FC Liverpool wurde Mo Salah zuletzt kaum noch eingesetzt. Doch für die ägyptische Auswahl spielt er beim Afrika-Cup das Turnier seines Lebens.
Als Mo Salah am vergangenen Samstag ein Tor schoss, sprudelte die Freude nur so heraus aus dem 1,75 Meter großen Ägypter. Der Stürmer sprang seinen herbeieilenden Kollegen des ägyptischen Nationalteams in die Arme. Es war eine Freude, sein befreites Lachen zu sehen.
Der 33 Jahre alte Stürmer des FC Liverpool hatte im Viertelfinalspiel des Afrika-Cups kurz nach der Halbzeit zum scheinbar vorentscheidenden 3:1 gegen die Elfenbeinküste getroffen. Eine gute halbe Stunde später war es geschafft: Der Titelverteidiger war mit 3:2 besiegt. Und Mo Salah stand mit Ägypten im Halbfinale des Wettbewerbs, wo es am Mittwoch gegen Senegal geht.
Salah und sein Lachen. Man kennt es aus der Vergangenheit vor allem im Trikot des FC Liverpool. Zu seinen besseren Zeiten im Norden Englands, als Jürgen Klopp noch Trainer bei den Reds war und Salah mit Kollegen wie Sadio Mané und Roberto Firmino im Angriff die Gegner schwindelig spielte. Das ist nun beinahe zehn Jahre her. Salahs Lächeln im Vereinstrikot ist zuletzt selten geworden. Der Tiefpunkt: Im November wurde der Ägypter nicht mehr aufgestellt, landete in Liverpool auf der Ersatzbank.
Da kam ihm der Afrika-Cup wohl gerade recht. Das Kontinentalturnier, das afrikanischen Spielern regelrecht heilig ist. Ägypten hat das Turnier schon sieben Mal gewonnen. Allein: An Salah ist der Titel bislang jedes Mal vorbeigegangen. Als er 2011 für Ägypten debütierte, waren die großen Zeiten des Nationalteams gerade vorbei. In der Heimat war es im Arabischen Frühling zur politischen Krise gekommen, die auch die „Pharaonen“, wie das Nationalteam genannt wird, in ein Leistungstal führte.
Die Krise des ägyptischen Fußballs
In Folge der politischen Proteste und einer Stadionkatastrophe 2012 in Port Said wurde die ägyptische Liga ausgesetzt. Die Nationalmannschaft konnte sich für die Cups 2012, 2013 und 2015 nicht qualifizieren. Erst 2017 in Gabun waren Salah & Co dabei und schafften es tatsächlich ins Endspiel. Dort aber setzte es eine 1:2-Niederlage gegen Kamerun. Noch näher dran war das Team 2022, als man im Finale gegen Senegal nach einem 0:0 nach Verlängerung ins Elfmeterschießen ging. Mané verwandelte zum entscheidenden 4:2 für Senegal. Salah als letzter vorgesehener ägyptischer Schütze durfte schon gar nicht mehr antreten.
Auf Senegal trifft das Team nun auch bei dem Turnier in Marokko. Es wird ein enges Match zweier gleichwertiger Teams erwartet. Für Salah ist es die Chance, sich für einen weiteren persönlichen Tiefpunkt zu revanchieren. In der WM-Qualifikation 2022, wenige Monate nach der Final-Niederlage vom Afrika-Cup, traf Ägypten erneut auf Senegal. Wieder ging es nach zwei Spielen, die jeweils 1:0 ausgegangen waren, ins Elfmeterschießen. Diesmal trat Salah als erster an – und verschoss. Wieder verlor Ägypten.
Es sind diese Erlebnisse, die bislang von Salah im Nationalteam hängen geblieben sind. Er wirkte im Pharaonen-Trikot nie wirklich glücklich. Flitzte er für den FC Liverpool leichtfüßig und trickreich über den Rasen, hing ihm in den Matches mit Ägypten gefühlt schweres Blei an den Füßen. Die Erwartungen der Fans, der Politiker, einer ganzen Nation – sie schienen ihn zu erdrücken.
Afrika-Cup als unerwartete Wende
Und ausgerechnet jetzt, da sich Salahs Karriere dem Ende zuneigt, bietet sich plötzlich die riesige Chance, den ersehnten Afrika-Cup doch noch zu gewinnen. Nach der Krise in Liverpool fuhr Salah regelrecht trotzig zum Nationalteam – in Marokko wollte er es offenbar all seinen Kritikern noch einmal zeigen. Ägypten, das mit einem scheinbar überalterten Team allenfalls zu den Geheimfavoriten gehörte, spielte sich solide durch die Vorrunde, legte mit dem Eintritt in die K.-o.-Phase aber deutlich zu.
Im Achtelfinale wurde Außenseiter Benin deutlich mit 3:1 bezwungen, im Viertelfinale gegen Titelverteidiger Elfenbeinküste trat das Team auch nicht gerade als Favorit an. Doch Ägypten trat mutig, explosiv und mit einer erstaunlichen Intensität an. Am Ende von 90 packenden Minuten stand ein verdienter 3:2-Sieg für Kapitän Salah & Co. Der Titelverteidiger war ausgeschieden und Salah hatte die beste Partie jemals im Nationaltrikot gezeigt.
Wie entfesselt war er über die gesamte Spielzeit hinweg den Rasen von Agadir rauf und runter gerannt. Hatte die Ivorer mit offensiven Dribblings genervt und sich bei gegnerischem Ballbesitz als erster Abwehrspieler in jedes Zweikampfduell geworfen. So etwas hatte man von ihm zuvor eigentlich noch nie gesehen.
Salahs Freude nach dem Coup war ebenso ansteckend wie ehrlich. Es geht nun im Halbfinale des Turniers wieder einmal gegen Sadio Mané und Senegal. Wie schon so oft. Es wird wieder eng zugehen auf dem Platz. Und vielleicht kommt es wieder zur Verlängerung. Wieder zum Elfmeterschießen gar. Es ist die große Chance für Salah, sich zu revanchieren. Und vielleicht anschließend endlich den Afrika-Cup zu gewinnen.
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