Abiturprüfungen finden doch statt: Das Abi ist gerettet

Der Verzicht auf Prüfungen ist vom Tisch. Ein Abi ohne sie wäre auch ungerecht und ein lebenslanger Minuspunkt.

Ein Duden liegt auf dem Tisch in leerem Klassenzimmer

Der Duden darf doch noch zum Einsatz kommen – die Prüfungen finden statt Foto: Karl-Josef Hilden/dpa

Die Abiturprüfungen sollen dieses Jahr nun doch wie geplant stattfinden, das haben die Kultusminister der Länder am Mittwoch entschieden. Zuvor noch hatte Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien wegen der Coronakrise gefordert, dieses Jahr auf die Prüfungen zu verzichten und stattdessen die Abinote aus den Semesternoten zu errechnen. Wie gut, dass die Schleswig-Holsteiner sich nicht durchgesetzt haben.

Die Schulen sind leer, es ist also genug Platz, um die Schüler:innen auf alle Räume zu verteilen, sodass jede:r genug Sicherheitsabstand halten kann. Mehr Räume bedeutet natürlich auch, mehr Lehrer zur Aufsicht einzusetzen – dieses zusätzliche Engagement muss wohl aufgebracht werden, um die Abiturprüfungen in diesem Jahr zu retten. Auch eine zeitliche Entzerrung ist denkbar. Wenn es geht (und es geht ja), dann muss das Abitur geschrieben werden, und zwar bundesweit. Natürlich unter den notwendigen Sicherheitsvorkehrungen. In Rheinland-Pfalz und Hessen passiert das jetzt schon.

Klar: Abiprüfungen sind grauenhaft – zumindest denken das die unmittelbar Betroffenen häufig. Es wäre aber unfair, sie jetzt in einem oder mehreren Bundesländern abzusagen. Unfair für die Schüler:innen, die dennoch antanzen müssten. Unfair gegenüber anderen, früheren Jahrgängen: Der Bildungsforscher Olaf Köller sagte der Zeit, man würde ohne Prüfungen „einen Abijahrgang mit dem besten Schnitt seit langem bekommen“. Die Semesternoten fielen in der Regel besser aus als die Prüfungsnoten. Unfair wäre es aber auch für den Jahrgang 2020. Diejenigen, die in den Semestern schlechte Noten hatten und in den Prüfungen noch mal alles rausholen wollen, stünden nun dumm da. Oder jene, die mit der Prüfung den Schnitt noch um eine Kommastelle pushen wollen, um den NC fürs Wunschfach zu erreichen.

Das Zentral-Abi war immer das Versprechen zumindest annähernd gleicher Chancen, egal an welcher Schule in welchem Bundesland die Prüfung abgelegt wird. Jetzt einfach die Startvoraussetzungen ändern, das geht nicht. Verschieben? Schwierig, denn dann würde man den Jahrgang 2020 noch ein Jahr lang bei Laune halten müssen und 2021 hätte man doppelt so viele Abiturienten – ein organisatorischer Albtraum.

Und schließlich: Es wäre für die Abiturienten des Jahrgangs 2020 ein Leben lang blöd, dass sie immer diejenigen wären, die nur das „Corona-Abi“ gemacht haben.

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