Aachener Friedenspreis: Kämpfer gegen Zwangsräumung

Der diesjährige Aachener Friedenspreis geht an die brasilianische Organisation Centro Gaspar Garcia. Der Aktivist Benedito Barbosa nimmt ihn entgegen.

Favela im Distrikt Sapopemba, Zona Sudeste, Sao Paulo.

Bewohner*innen von Favelas unterstützt er im Kampf gegen Verdrängung: Benedito Barbosa Foto: Florian Kopp/Misereor

BERLIN taz | Seit Jahren setzt er sich gegen die Verdrängung von Gemeinden und Dörfern ein, jetzt wird er dafür ausgezeichnet: Für seine Organisation Centro Gaspar Garcia (CGC) nimmt der brasilianische Anwalt und Aktivist Benedito Barbosa den diesjährigen Aachener Friedenspreis entgegen.

Unter der Präsidentschaft des rechtsextremen Jair Bolsonaro hatte sich das Problem der Zwangsräumung in Brasilien zuletzt deutlich verschärft: Traditionelle und indigene Gemeinschaften müssen Sojafeldern, Autobahnen und gigantischen Bergbau-Anlagen weichen. Auch in Großstädten werden Menschen aus ihren Wohnplätzen zwangsvertrieben.

Das betrifft insbesondere jene ohne oder mit sehr geringem Einkommen in den sogenannten Favelas, den Slums der brasilianischen Metropolen. Dort, wo Wellblechdächer stehen, werden Baupläne zum Teil mit Gewalt durchgesetzt. Insbesondere in São Paulo nimmt deshalb die ­Disparität zwischen dem Wohlstand im Zentrum und der extremen Armut in der Peripherie stetig zu.

Barbosa, der mit Spitznamen „Dito“ genannt wird, ist Mitglied der Menschenrechtsorganisation Centro Gaspar Garcia (CGC) in São Paolo. Die Organisation gibt juristische Unter­stützung, wenn es etwa um die Durchsetzung von Bleiberechten oder Erkämpfung von Landtiteln geht. Stellvertretend für die Organisation wird der Preis an Barbosa überreicht. Angesichts der angespannten Lage unter Bolsonaro dürfte die Nachricht umso erfreulicher gewesen sein. Als Afrobrasilianer gehört auch Barbosa zu einer marginalisierten Gruppe in Brasilien. Er ist auch Sozialarbeiter und betreut insbesondere Menschen, die einer informellen Arbeit nachgehen.

Benedito Barbosa Foto: Misereor

Organisation will für soziale Inklusion kämpfen

In den vergangenen Jahren habe das Zentrum CGC rund 13.000 Menschen in prekären Wohnverhältnissen vor Zwangsvertreibung bewahrt, lobt die Stiftung des Aachener Friedenspreises. Außerdem bot die Organisation 500 Obdachlosen sozialpsychologische Unterstützung und bietet knapp 2.000 Straßen­händler*innen, insbesondere Frauen, eine Anlaufstelle. Darüber hinaus sensibilisiert CGC öffentliche Entscheidungsträger*innen für die Anliegen von prekär Wohnenden.

Das Centro Gaspar Garcia wurde bereits 1988 gegründet. „Armut wurde von den öffentlichen Organisationen nicht in ihrer gesellschaftspolitischen Dimension anerkannt“, heißt es auf der Webseite der Organisation zur Gründungsgeschichte. Das Problem dauert bis heute fort. Nach eigenen Angaben will die Organisation deshalb für „soziale Inklusion“ kämpfen. Der Namensgeber der Menschenrechtsorganisation, Gaspar Garcia, war Priester im ­Orden der Missionare der heiligen Herzen (MSC).

Auch der andere Träger des Aachener Friedenspreises gehört einer christlichen Organisation an: Antoine Exelmans ist ein katholischer Priester aus der französischen Stadt Rennes. Er hilft Geflüchteten an der Grenze zwischen Marokko und Algerien.

Der Aachener Friedenspreis ist mit 2.000 Euro dotiert und wird am 10. Dezember verliehen.

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