1,5-Grad-Grenze in 5 Jahren erreicht: Die kritische Hitze naht
Die Erderhitzung schreitet rapide voran. UN-Chef António Guterres mahnt ein Werbeverbot für fossile Industrien an.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass schon eines der nächsten fünf Jahre im Schnitt über der gefürchteten 1,5-Grad-Erderhitzungsgrenze liegt. Das zeigt eine Prognose der Weltorganisation für Meteorologie vom Mittwoch. Die Chance, dass es nicht so kommt, liegt demnach nur noch bei 20 Prozent.
Um die Erde als sicheren Lebensraum zu erhalten, haben die Regierungen im Pariser Weltklimaabkommen vereinbart, die Erderhitzung möglichst bei 1,5 Grad zu stoppen. Dafür müssen die wärmenden Treibhausgasemissionen rapide sinken, sich zum Beispiel laut Weltklimarat IPCC bis 2030 etwa halbieren.
UN-Chef António Guterres appellierte am Mittwochnachmittag an Regierungen, ein Werbeverbot für Kohle, Öl und Gas zu erlassen. Die Nutzung fossiler Energieträger ist die Hauptursache der klimaschädlichen Emissionen. „Viele in der fossilen Industrie haben schamlos Greenwashing betrieben und versucht, Klimaschutz hinauszuzögern – mit Lobbyismus, juristischen Drohungen und gigantischen Werbekampagnen“, so Guterres.
Die Erde erhitzt sich mit zunehmender Geschwindigkeit: Der Mai war der zwölfte Monat in Folge, in dem die globale Durchschnittstemperatur einen Rekordwert für den jeweiligen Monat erreichte, wie der EU-Klimawandeldienst Copernicus im Bericht „Indicators of Global Climate Change“ (IGCC) am Mittwoch mitteilte.
Auch El Niño spielt eine Rolle
Allein im vergangenen Jahrzehnt (2014 bis 2023) stieg die Temperatur durch Aktivitäten des Menschen demnach um rund 0,26 Grad. Das sei ein Rekord bei der Aufzeichnung mit Messgeräten, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreiche, berichtet die Gruppe um Piers Forster von der Universität Leeds im Journal „Earth System Science Data“. Ein Jahrzehnt zuvor (2004 bis 2013) waren es nach Angaben der Universität rund 0,20 Grad Erwärmung.
Zu berücksichtigen ist bei den Rekordwerten, dass zuletzt Sondereffekte wie das erwärmend wirkende natürliche Klimaphänomen El Niño eine größere Rolle spielten.
Im IGCC-Bericht heißt es, der Anstieg sei einerseits auf den hohen Treibhausgas-Ausstoß zurückzuführen, andererseits sei die Menge an kühlenden Aerosolen in der Atmosphäre gesunken. Beispielsweise war infolge einer neuen Verordnung für sauberere Schiffskraftstoffe der Gehalt an Sulfat-Aerosolen stark zurückgegangen.
Im Vergleich zum Zeitraum 1850 bis 1900, der vorindustriellen Referenzperiode, war der Mai den Copernicus-Daten zufolge 1,52 Grad wärmer. Die gemittelte globale Temperatur der vergangenen zwölf Monate – von Juni 2023 bis Mai 2024 – erreichte ebenfalls einen Höchstwert: Sie lag 1,63 Grad über dem vorindustriellen Niveau.
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