+++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Nächster Großangriff auf Moskau
Die ukrainischen Streitkräfte schicken erneut hunderte Drohnen Richtung Russland. Moskau warnt London vor dem Einsatz britischer Drohnen Kyjiws.
Großangriff auf Moskau mit mehr als 600 Drohnen
Bei einem der bislang schwersten ukrainischen Luftangriffe auf Moskau sind in der Nacht unter anderem mehrere Menschen verletzt und ein Lagerhaus des Online-Händlers Wildberries beschädigt worden. Insgesamt seien zwischen dem Abend und 5.00 Uhr morgens 620 Drohnen im Anflug auf die Region gewesen, teilt Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin auf dem Messenger-Dienst Telegram mit. Die Luftabwehr hat nach eigenen Angaben 180 Drohnen abgefangen. Mindestens drei Menschen seien verletzt worden, darunter ein zehnjähriges Mädchen, erklärt der Bürgermeister weiter.
Nach Angaben des Regionalgouverneurs Andrej Worobjow ist erneut auch ein Lagerhaus des Online-Händlers Wildberries getroffen worden. Der Brand dort sei inzwischen gelöscht. Dem Unternehmen zufolge entstand durch Trümmerteile ein geringer Schaden an einer Wand. Zudem wurde an den Moskauer Flughäfen der Flugbetrieb vorübergehend eingeschränkt. Auch Wohnhäuser, Geschäfte und ein Kraftwerk seien beschädigt worden, erklärt Gouverneur Worobjow.
Begonnen wurde der Angriffskrieg im Februar 2022 von Russland. Neben der Invasion mit Bodentruppen greift das Nachbarland ukrainische Städte seither unablässig mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern, Gleitbomben und Drohnen an. Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe und nutzt für Gegenangriffe auf russisches Gebiet vor allem günstig und schnell herzustellende Drohnen, aber auch immer wieder Marschflugkörper. (rtr)
Bundesumweltminister Schneider reist in die Ukraine
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) beginnt am Dienstag einen mehrtägigen Besuch in der Ukraine. Schneider werde in Kyjiw zusammen mit Verkehrs-Staatssekretär Sören Bartol (SPD) Vertreter der ukrainischen Regierung, der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft treffen, teilte das Umweltministerium mit. Im Zentrum der Gespräche stehe der Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur. Dabei gehe es auch darum, wie „unter Kriegsbedingungen Energie- und Versorgungssicherheit durch erneuerbare Energiekonzepte und Energieeffizienz vorangetrieben wird“.
„Ich bin tief davon beeindruckt, wie die Ukraine trotz des russischen Angriffskriegs an ihrer Zukunft arbeitet und Reformen vorantreibt“, erklärte Schneider. „Kriegsgeschehen, Wiederaufbau und Erneuerung laufen parallel.“
Der Minister wird von einer Wirtschaftsdelegation begleitet. Während der Reise will Schneider zusammen mit seinem ukrainischen Kollegen Oleksandr Krawtschenko ein Investoren-Treffen zum Thema grüne Technologien ausrichten. Die Branche, zu der Unternehmen aus den Bereichen Recycling, Erneuerbare Energien und Umwelttechnik zählen, könne einen „erheblichen Beitrag für die Erneuerung und Sicherung der Infrastruktur in der Ukraine leisten sowie eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung ermöglichen“, erklärte das Umweltministerium.
Schneider will sich bei seinem Ukraine-Besuch den Angaben zufolge auch über die aktuelle Situation an und in den ukrainischen Kernkraftwerken informieren, darunter auch über den zerstörten Reaktor in Tschernobyl, dessen Schutzhülle bei einem Drohneneinschlag im vergangenen Jahr beschädigt worden war.
Moskau droht London nach Bericht über Einsatz britischer Drohnen
Nach einem Bericht über den Einsatz britischer Drohnen bei ukrainischen Angriffen in Russland hat Moskau die Regierung in London vor den „Konsequenzen“ gewarnt. Das Vereinigte Königreich werde sich für die militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine „verantworten“ und einen „Preis“ zahlen müssen, erklärte die russische Botschaft in London. Ein britischer Regierungssprecher wies die Drohungen in der Nacht zum Dienstag zurück und betonte, dass sein Land die Ukraine weiter unterstützen werde.
Vorausgegangen war ein Bericht der Sunday Times, dass die ukrainische Armee britische Drohnen für Angriffe tief im russischen Staatsgebiet eingesetzt habe. Von zwei britischen Unternehmen hergestellte und an die Ukraine gelieferte Drohnen seien bei ukrainischen Angriffen auf militärische und industrielle Ziele innerhalb Russlands zum Einsatz gekommen, berichtete die Zeitung.
Dadurch habe sich Großbritannien zum „Komplizen und Mittäter“ bei diesen Angriffen gemacht und sich „bewusst für eine Eskalation“ des Konflikts entschieden, erklärte die russische Botschaft in London am Montagabend. „Je tiefer die Verstrickung in den Konflikt und je größer die Unterstützung für Kyjiws Terrorapparat, desto höher wird der zu zahlende Preis sein“, hieß es weiter.
Die Regierung in London wies die Erklärung der russischen Botschaft umgehend zurück. Großbritannien bleibe „entschlossen, die Ausrüstung bereitzustellen, welche die Ukraine zur Verteidigung gegen (Wladimir) Putins völkerrechtswidrige Invasion benötigt“, erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. „Russland sollte keinen Zweifel an der Entschlossenheit dieser Regierung haben, der russischen Aggression die Stirn zu bieten.“
Am Montag hatte bereits die Bundesregierung Drohungen aus Russland gegen Unterstützer der Ukraine zurückgewiesen. „Die Drohungen und Äußerungen gegenüber EU- oder Nato-Partnern sind nichts Neues“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts. „Die nehmen wir zur Kenntnis, von denen lassen wir uns nicht einschüchtern – und wir lassen uns auch in unserer Unterstützung für die Ukraine nicht einschüchtern.“
Die Sprecherin bezog sich auf eine Äußerung des russischen Außenministers Sergej Lawrow vom Freitag. Dieser hatte gesagt: „Wir werden unsere Methoden stark verschärfen, um all das zu zerstören, was Kyjiws Kriegsmaschine aus dem Westen speist. Und wir tun dies bereits.“ Lawrows Äußerungen ließen auch im Zusammenhang mit dem jüngsten Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle aufhorchen. (afp)
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