+++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Tusk steht zur Ukraine-Hilfe trotz des Streits
An diesem Donnerstag beginnt in Danzig eine Aufbaukonferenz für die Ukraine. Diese kann auch bei Selenskyjs Fehlen weiter mit Hilfe aus Europa rechnen.
Drohnentrümmer lösen Brand in russischem Öldepot aus
Durch eine Drohne ist in einem Öldepot im Südwesten Russlands ein Feuer ausgebrochen. Der Brand im Öldepot Poltawskaja in der Region Krasnodar sei von herabstürzenden Trümmern einer Drohne verursacht worden, teilte der Behördenchef im Bezirk Krasnoarmeisk, Aleksander Charitonow, am Donnerstag im staatlichen Onlinedienst Max mit. Zur Herkunft der Drohne machte er keine Angaben.
Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren nahezu täglich mit Luftangriffen. Zuletzt hatte die Ukraine ihre Gegenangriffe verstärkt. Sie greift nach Angaben Kyjiws neben militärischen Zielen vor allem die russische Öl- und Energieinfrastruktur an, um Russlands Kriegskasse zu schwächen.
In der Ukraine verursachte ein russischer Angriff am Donnerstag ein Feuer in einer Industrieanlage. Wie der ukrainische Rettungsdienst mitteilte, war die Feuerwehr im Einsatz, um den Brand zu löschen. Tote oder Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet. (afp)
Wiederaufbaukonferenz: Tusk steht zu Hilfe für die Ukraine
Überschattet vom Geschichtsstreit zwischen Warschau und Kyjiw beraten internationale Geber ab diesem Donnerstag in Danzig über den Wiederaufbau der von Russland angegriffenen Ukraine. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj lässt sich bei der zweitägigen Konferenz von Regierungschefin Julia Swyrydenko vertreten. Co-Gastgeber auf polnischer Seite ist Ministerpräsident Donald Tusk. Für Deutschland reisen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) nach Danzig (Gdańsk). Tusk und Merz haben sich erst wenige Stunden vorher beim Treffen von fünf großen europäischen Staaten (E5) am Mittwochabend in Berlin gesehen.
Wie in den Jahren zuvor geht es bei der Ukraine Recovery Conference (URC) darum, wie Kriegsschäden an der ukrainischen Infrastruktur repariert werden können und wie der künftige Wiederaufbau aussehen soll. Ein Bericht der Weltbank, der ukrainischen Regierung und der EU hat die Zerstörungen nach vier Jahren Krieg seit 2022 auf 195 Milliarden US-Dollar geschätzt, die wirtschaftlichen und sozialen Schäden und Ausfälle auf 666 Milliarden Dollar. Für den Wiederaufbau seien in den kommenden zehn Jahren 587 Milliarden US-Dollar nötig, hieß es im Bericht.
Tusk sprach von 200 Verträgen im Milliardenwert für den Wiederaufbau. Am Vorabend in Berlin sicherte er der Ukraine ungeachtet des aktuellen Geschichtsstreits anhaltende Unterstützung zu. Trotz der Emotionen stehe man für die Ukraine in deren Konfrontation mit Russland ein, sagte er. Der liberale Ministerpräsident bemüht sich seit Tagen, den Streit mit Kyjiw zu beruhigen, während der rechtskonservative Präsident Karol Nawrocki ihn verschärft hat: Er hat Selenskyj einen hohen polnischen Orden aberkannt. (dpa)
Selenskyj kündigt Präventivschläge an
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigt Präventivschläge gegen russische Einrichtungen an. Er habe die Geheimdienste und das Militär angewiesen, präventiv gegen Anlagen vorzugehen, die Russland für den Krieg nutze, sagt Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Unterdessen fällt die Moskauer Ölraffinerie Insidern zufolge nach schweren Schäden durch ukrainische Drohnenangriffe für mindestens sechs Monate aus. Die russische Produktion von Erdölprodukten sinkt laut offiziellen Daten im Mai im Jahresvergleich um 13,5 Prozent. (rtr)
FIFA lässt Russland zur Jugend-WM in Aserbaidschan zu
Der Fußball-Weltverband Fifa lässt Russland und Belarus wieder zu einem internationalen Turnier zu – vorerst aber nur im Juniorenbereich. An der neuen U15-Weltmeisterschaft vom 22. bis 31. Oktober in Aserbaidschan dürfen alle Fifa-Mitgliedsverbände teilnehmen, wie der Weltverband mitteilte. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur schließt diese Formulierung Russland und Belarus ein. Infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine im März 2022 waren sämtliche russischen Mannschaften von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen worden, diese Entscheidung traf sowohl die Fifa als auch die Europäische Fußball-Union Uefa. (dpa)
Trump kritisiert Merz und lobt Selenskyj
Knapp zwei Wochen vor dem Nato-Gipfel hat US-Präsident Donald Trump seine Kritik an Deutschland erneuert. Er sei „enttäuscht über Deutschland“ und die Haltung der Bundesregierung im Irankrieg, sagte Trump am Mittwoch bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte im Weißen Haus in Washington. Ungewohntes Lob zollte Trump dagegen dem ukrainischen Präsidenten, nachdem der US-Präsident bei einem Treffen im Weißen Haus im Februar 2025 Selenskyj noch öffentlich gedemütigt hatte. Auf die Frage eines Journalisten, ob Selenskyj den Krieg gegen Russland gewinne, sagte Trump: „Er schlägt sich ziemlich gut.“ Trump fügte hinzu: „Man muss sagen, er ist mutig. Er hat eine großartige Ausrüstung. Er hat großartige Männer, er hat Kämpfer.“
Trumps Kurswechsel gegenüber der Ukraine hatte sich beim G7-Gipfel im französischen Évian Mitte Juni angedeutet, wo er Selenskyj persönlich traf. Als Zeichen des Erfolgs werteten Merz und andere, dass der US-Präsident verschärften Sanktionen gegen Russland zustimmte und Moskau aufrief, ein Friedensabkommen mit Kyjiw zu schließen. Zuvor hatte Trump immer wieder Sympathien für den russischen Präsidenten Wladimir Putin gezeigt. (dpa)
Russland: Sieben Jahre Haft wegen Post zu Kriegsopfern
Knapp drei Monate vor der Parlamentswahl in Russland hat ein Gericht in Moskau den Oppositionspolitiker Maxim Kruglow wegen des Vorwurfs der Verbreitung von Unwahrheiten über die Armee zu sieben Jahren Strafkolonie verurteilt. Das meldeten mehrere russische Medien übereinstimmend.
Vorgeworfen wurden dem Vizevorsitzenden der Oppositionspartei Jabloko zwei Posts in sozialen Medien von 2022. Darin hatte Kruglow demnach geschrieben, dass er sich auf Angaben der Vereinten Nationen beziehe, und eine Zahl getöteter Zivilisten in der Ukraine genannt, im anderen ging es um Butscha. Russische Truppen hatten die ukrainische Stadt in den ersten Kriegstagen besetzt, sie wurde nach ihrer Befreiung zu einem Symbol für russische Kriegsverbrechen.
Kruglow war von 2019 bis 2024 Abgeordneter im Moskauer Stadtparlament und seit Ende 2023 ein Co-Vorsitzender der Partei. Anfang Oktober 2025 wurde er demnach festgenommen. Auch gegen andere Politiker der Partei ging die russische Justiz bereits vor. (dpa)
Zwei Minenräumer bei Angriff in der Ukraine getötet
Durch russischen Beschuss im südukrainischen Gebiet Cherson sind nach Behördenangaben mindestens zwei Mitarbeiter einer humanitären Minenräummission getötet worden. Ein 24-jähriger Mitarbeiter der Organisation Norwegian People’s Aid (NPA) kam laut Militärgouverneur Olexander Prokudin bei dem Angriff ums Leben, ein 25-Jähriger erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Vier weitere Spezialisten seien verletzt worden.
NPA bestätigte die Opfer. Es handele sich bei den Getöteten und Verletzten um ukrainische Mitarbeiter. Nach dem Angriff seien alle Minenräummaßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter ausgesetzt worden. NPA ist nach eigenen Angaben seit 2022 in der Ukraine aktiv und hat dort 475 Mitarbeiter. Im September waren bereits zwei Mitarbeiter einer humanitären Minenräummission des Dänischen Flüchtlingsrats in Tschernihiw ums Leben gekommen. (dpa)
Selenskyj: Signalverstärker in Belarus sind außer Betrieb
Nach einem Ultimatum Kyjiws an Belarus zum Abbau von Signalverstärkern für russische Drohnen ist die Technik ukrainischen Angaben zufolge abgeschaltet worden. Sie hätten am 22. Juni ihren Betrieb eingestellt, sagte Selenskyj laut ukrainischen Medien. Er wisse nicht, ob die Signalverstärker abgebaut worden seien, aber sie arbeiteten nicht mehr.
Selenskyj hatte am Freitag Vorwürfe gegen Minsk erhoben und vom belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko den Abbau gefordert. „Wenn er das nicht macht, machen wir es“, sagte Selenskyj. Er warnt Belarus seit Wochen vor einer Beteiligung am russischen Krieg gegen die Ukraine. Lukaschenko gilt als engster Verbündeter von Kremlchef Wladimir Putin. Bei ihrem Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 stieß die russische Armee auch vom Gebiet ihres Verbündeten Belarus in Richtung der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw vor. Der Vorstoß scheiterte jedoch. (dpa)
Ukraine lässt Gebiet an der Grenze zu Belarus räumen
Das ukrainische Militär hat die Evakuierung von Ortschaften an der Grenze zu Belarus angeordnet. Die Räumung in der Region Tschernihiw sollte in einer Woche beginnen, teilte der Leiter der regionalen Militärverwaltung, Wjatscheslaw Tschaus, am Mittwoch über Telegram mit. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte im Mai erklärt, die ukrainischen Geheimdienste hätten erfahren, dass Russland seine Bemühungen verstärke, „Belarus viel tiefer in den Krieg hineinzuziehen“ und Operationen von belarussischem Territorium aus zu starten. Er habe das Militär und die Sicherheitsbehörden angewiesen, eine Reaktion vorzubereiten und die Verteidigung in der Nordukraine zu verstärken. Belarus und Russland wiesen das zurück.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf Kyjiw am Dienstag seinerseits vor, Belarus in den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hineinziehen zu wollen. Russland sei bereit, Belarus vor Angriffen zu schützen, sagte Lawrow. (ap)
Europäer sichern der Ukraine anhaltende Unterstützung zu
Die führenden europäischen Nato-Staaten wollen beim Gipfel der transatlantischen Allianz in Ankara ein starkes Signal für die weitere Unterstützung der Ukraine setzen. „Die Botschaft an Russland lautet: Die Ukraine bleibt stark“, sagte Kanzler Friedrich Merz beim Gipfeltreffen von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen – der sogenannten E5 – in Berlin. Er hoffe, dass Russland aus der Stärke der Ukraine und seiner Verbündeten den Schluss ziehe, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Der Nato-Gipfel in Ankara findet am 7. und 8. Juli statt. (dpa)
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