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Auswirkungen der Serbien-Wahl Die Karten werden neu gemischt

Erich Rathfelder

Kommentar von

Erich Rathfelder

Dass die serbische Jugend Vučić gestürzt hat, hat in den Nachbarländern viele überrascht. Nun gibt es Hoffnung auf eine Entspannung der Beziehungen.

E s war ein Paukenschlag, auch für die Menschen in den Nachbarländern Serbiens: Dass die serbische Jugend selbstorganisiert den scheinbar fest im Sattel sitzenden Autokraten Alexandar Vučić stürzen könnte, hatten zwar einige erhofft, doch nicht damit gerechnet. Jetzt ist es passiert. Und die Karten werden neu gemischt.

Milorad Dodik, dem starken Mann der serbischen Nationalisten in Bosnien und Herzegowina, einem der umstrittensten und einflussreichsten Politiker auf dem Balkan, schwimmen dadurch die Felle davon. Erst verlor er mit Viktor Orbán den wichtigen Verbündeten in Budapest, jetzt sein Trumpf-Ass in Belgrad. Alexandar Vučić stand hinter seinen Ambitionen, Bosnien und Herzegowina in Stücke zu schlagen und die „serbische Welt“, sprich Großserbien, zu bauen. Ohne Vučić verliert Dodik an Macht und Einfluss.

Ob die neuen Machthaber in Belgrad nationalistisch gepolt sind oder nicht, ist noch nicht ganz klar. Wer jedoch Rechtsstaatlichkeit im Inneren anstrebt, wird auch außenpolitisch daran gemessen und wird einen neuen Kurs anstreben. Das sind Hoffnungszeichen für Bosnien. Die neue Führung wird Milorad Dodik über kurz oder lang fallen lassen müssen.

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Ob aber durch den Machtwechsel in Serbien ein Friedensprozess in Kosovo folgt, bleibt offen. Auch die erfolgreichen Studenten waren jahrzehntelang der Propaganda ausgesetzt, dass die abtrünnige Region eigentlich zu Serbien gehört. Das Land wird für die neue Führung ein dickes Brett, zumal sie in Premier Albin Kurti einen Gegenspieler hat, der zwar diplomatisch elastisch, aber im Kern hart und prinzipienfest ist.

Wie die neue Führung in Belgrad ihr Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump definieren wird, dessen Freunde in der Region allesamt gestürzt wurden, ist unklar. Am Verhältnis zu Russland und Kremlchef Wladimir Putin wollen die Studenten hingegen nicht rütteln. Und die EU? Die hatte trotz aller Warnungen mit Vučić an einem Deal über seltene Erden gebastelt, obwohl genau diese Abkommen Anlass für die Protestbewegung in Serbien waren. Kein gutes Zeichen.

Erich Rathfelder

Erich Rathfelder Auslandskorrespondent Balkanstaaten

Erich Rathfelder ist taz-Korrespondent in Südosteuropa, wohnt in Sarajevo und in Split. Nach dem Studium der Geschichte und Politik in München und Berlin und Forschungaufenthalten in Lateinamerika kam er 1983 als West- und Osteuroparedakteur zur taz. Ab 1991 als Kriegsreporter im ehemaligen Jugoslawien tätig, versucht er heute als Korrespondent, Publizist und Filmemacher zur Verständigung der Menschen in diesem Raum beizutragen. Letzte Bücher: Kosovo- die Geschichte eines Konflikts, Suhrkamp 2010, Bosnien im Fokus, Berlin 2010, 2014 Doku Film über die Überlebenden der KZs in Prijedor 1992.
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2 Kommentare

  • Wunderwelt

    *Offenheit* gehört zu den Stärken junger Menschen. Weswegen der Sieg in Serbien eine große Chance darstellt, auch jahrelange Propaganda zu überwinden.







    Wer immer dieser neuen und jungen demokratischen Bewegung mit Wohlwollen, Erfahrung und Weisheit beiseite steht, kann nicht von ihr lernen, sondern sie auch für sich gewinnen..







    Ich denke Europa (EU) wird hier das richtige tun.

  • warum_denkt_keiner_nach?

    "Ob die neuen Machthaber in Belgrad nationalistisch gepolt sind oder nicht, ist noch nicht ganz klar."

    Ein Blick ins Wahlprogramm der Sieger schafft Klarheit. Außenpolitisch unterscheiden sie sich kaum von Vučić. Wenn das, was da steht, umgesetzt wird, können die Nachbarn froh sein, wenn das Schlimmste nicht eintritt.