Erstes deutsches Frauenhaus: Eine Villa für Frauen in Not
Vor 50 Jahren eröffnete das erste deutsche Frauenhaus in Berlin. Heute bieten ähnliche Einrichtungen jährlich Tausenden Frauen und Kindern Schutz.
Foto: Chris Hoffmann/dpa/picture alliance
D ie Feministinnen waren gerade dabei zu überlegen, wie sie Deutschlands erstes Frauenhaus einrichten und ausstatten wollten. Es war der 2. Oktober 1976, ein Monat noch bis zur Eröffnung. Den Oktober wollten sie nutzen, um sich möglichst gut vorzubereiten. Doch bereits an diesem Tag stand die erste Frau vor der Tür der Villa in Berlin-Grunewald. „Wir wurden von Anfang an überrannt und mussten alle organisatorischen Fragen im laufenden Betrieb klären“, erzählt Karin Kaltenberg-Wulf, eine der Gründerinnen, in einem Interview mit dem Verein Frauenhauskoordinierung.
Am 1. November 1976 wurde das erste deutsche Frauenhaus dann auch offiziell eröffnet. 50 Jahre ist das inzwischen her. Auf das erste Frauenhaus folgten weitere: in Köln noch im selben Jahr, im darauffolgenden auch in Hamburg und Bielefeld. Frauenhäuser sind deutschlandweit zu einem Zufluchtsort für diejenigen geworden, die unter häuslicher oder partnerschaftlicher Gewalt leiden oder von ihr bedroht sind.
Die Gründung in Berlin war ein Erfolg der autonomen Frauenhausbewegung. Sie entwickelte sich in vielen Großstädten im Zuge der internationalen Frauenbewegung der 70er Jahre. Karin Kaltenberg-Wulf bezeichnet sich als eine „Frauenbewegungsfrau der ersten Stunde“. Sie hatte mit Soziologinnen, Psychologinnen, Sozialarbeiterinnen und einer Rechtsanwältin mehrere Jahre für das Haus gekämpft. Die Idee kannten sie aus London, wo es 1976 bereits zahlreiche Frauenhäuser gab. Einige Frauen besuchten die Unterkünfte dort, sie berichteten von überfüllten Häusern, der Bedarf war offenbar da.
In der Berliner Villa gab es auf 660 Quadratmetern 12 Zimmer für die Bewohnerinnen mit bis zu 10 Stockbetten. Zu Hochzeiten lebten auch mal um die 15 Personen in einem 20 Quadratmeter großen Zimmer. Für die Kinder gab es einen Raum zum Spielen, einen Schularbeitsraum und einen Kindergarten. Die etwa 20 Mitarbeiterinnen des Hauses leisteten Tag und Nacht Telefondienste. Heute werden die Anschriften von Frauenhäusern geheim gehalten, um die Betroffenen zu schützen. Damals stand die Adresse des Frauenhauses in der Zeitung. Es folgten mehrere Brandanschläge, das Haus musste streng überwacht werden.
Karin Kaltenberg-Wulf erzählt, dass es im Frauenhaus keine Hierarchien geben sollte zwischen den Frauen. Doch die Initiatorinnen selbst hätten unbewusste Vorurteile mitgebracht, etwa dass häusliche Gewalt vor allem ein Problem sogenannter Unterschichtfrauen sei. „Eine der allerersten Bewohnerinnen war aber die Frau eines bekannten Staatsanwalts“, erzählt sie. Das habe gezeigt, „wie wenig wir wussten, was auf uns zukommen würde“.
der anstoß
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Das erste deutsche Frauenhaus gab es bis zum Jahr 2000, dann wurde es geschlossen, unter anderem, weil die Villa renoviert werden musste. 2022 wurde an ihrer Fassade eine Gedenktafel enthüllt. Sie erinnert an die Feministinnen, die das Haus „autonom, solidarisch und hierarchiefrei mit den Bewohnerinnen betrieben“. Tausende Frauen mit ihren Kindern hätten dort „Schutz, Anerkennung, Selbstbestimmung und Perspektive“ gefunden.
Heute gibt es in Berlin 10, bundesweit rund 400 Frauenhäuser. Im Jahr 2025 fanden dort nach Angaben der Frauenhauskoordinierung etwa 13.400 Frauen und 15.300 Kinder Schutz.
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