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Klimakiller Methan Lecks stopfen, Erderhitzung abbremsen

Kai Schöneberg

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Kai Schöneberg

Methan ist ein Fluch für das Klima. Aber seine Vermeidung ist relativ leicht. Doch Wirtschaftsministerin Reiche blockiert mal wieder.

E s ist ein enorm potenter, aber auch relativ schnell flüchtiger Klimakiller: CH4. Methan heizt die Atmosphäre in den ersten 20 Jahren rund 80 Mal stärker auf als CO₂, baut sich aber auch nach etwa 12 Jahren wieder ab. Der Weltklimarat rechnet Methan rund ein halbes Grad der bisherigen Erwärmung zu. Das ist etwa ein Drittel der Gesamterhitzung seit der Industriellen Revolution. Methan ist also ein Fluch. Aber die Vermeidung von Methan-Emissionen kann zum Segen werden.

Denn das ist vergleichsweise leicht – und gilt deshalb als einer der wenigen Wege, wie die Menschheit relativ schnell und günstig die Klimakrise verzögern kann. Wer Methanlecks stopft, bremst die Erderhitzung schnell – und verschafft der Welt wertvolle Zeit. Deshalb ist es einerseits unverantwortlich, dass bei fast einem Drittel aller deutschen LNG-Terminals, Gasspeicher und Raffinerien Erdgas mit seinem wichtigen Bestandteil Methan entweicht, wie die Deutsche Umwelthilfe mit Spezialkameras messen konnte.

Das Klimagas entweicht entweder einfach unkontrolliert aus morschen Anlagen oder wird aus technischen Gründen abgefackelt oder abgelassen, was fahrlässig ist, dramatisch für die Erderwärmung und schlecht für die Energieversorgung. Deutschland hinkt bei der Umsetzung der EU-Methanverordnung hinterher, die den Betreibern der Gas-Infrastruktur vorschreibt, ihre Emissionen zu reduzieren. Bis heute fehlen auf Landesebene vielerorts die zuständigen Behörden und so finden auch keine Inspektionen statt, um eventuelle Gaslecks zu entdecken.

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Erschwerend dazu kommt die Rolle der Bundesregierung beim Streit über einen weiteren Teil der EU-Methanverordnung, der Öl- und Gashändler verpflichtet, bei Importen auf den Methanausstoß zu achten. Verantwortlich dafür, dass diese Regeln erst in drei Jahren, am besten nie in Kraft treten, ist nämlich Katherina Reiche. Die CDU-Ministerin zeigt sich hier erneut als oberste Lobbyistin der Gasindustrie.

Kai Schöneberg

Kai Schöneberg Redakteur

Wirtschaftshistoriker, Ausbildung bei der Burda Journalistenschule. Von 2001 bis 2009 Redakteur in Bremen und Niedersachsen-Korrespondent der taz. Dann Financial Times Deutschland, unter anderem als Redakteur der Seite 1. Von 2012 bis 2024 Leiter des Ressorts Wirtschaft und Umwelt.
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2 Kommentare

  • Goldi

    Danke, sehr guter Kommentar.

    Das extrem große Ausmaß der Methan-Problematik insgesamt wird noch klarer beim zusätzlichen Blick auf die Landwirtschaft.

    Die Rinder-Massentierhaltung ist mit Abstand die größte Quelle für Methan-Emissionen:

    Das Umweltbundesamt hat die neuesten Zahlen im Juli veröffentlicht:

    www.umweltbundesam...issionsentwicklung

    Wir müßten als Gesellschaft also nicht nur Methan-Gaslecks stopfen, sondern auch aufhören Rinder zu essen/als Nutztiere (Milchlieferanten) auszubeuten.

    ...

    Mir fällt es (als Milch- und Fleischfan) auch schwer, das zu denken, doch der nächste Dürresommer mit 42 Grad wird kommen und sowieso viele Rinder sterben lassen.

  • Perkele

    Es macht wütend, dass außer der TAZ offenbar keine anderen Medien diesen Verrat an der Bevölkerung und des Klimas von dieser skrupellosen Lobbyistin Reiche darstellen. Weder in den TV Nachrichten oder einer anderen Zeitung als TAZ habe ich je ein Wort darüber erfahren - abgesehen von beschönigenden Schwätzereien. Es ist Verrat, es ist ein Bruch des Amtseides! Warum regt sich darüber kaum jemand auf? Wir sollten allesamt auf die Straße gehen.