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Netflix-Serie „East of Eden“Steinbecks Familienopus in woke

Netflix wagt sich an den nächsten amerikanischen Klassiker heran – sogar mit Frau in der Hauptrolle. Bei den Konservativen schrillen die Alarmglocken.

Vor 71 Jahren wurde James Dean zum Schauspiel-Superstar. Im Hollywoodstreifen „Jenseits von Eden“ spielte er Caleb „Cal“ Trask, der für seinen strengen Vater eine Enttäuschung nach der anderen liefert. Zoe Kazan, die Enkelin des damaligen Regisseurs Elias Kazan, hat den Stoff nun erneut verfilmt, und zwar als Serie für Netflix mit dem Titel „East of Eden“.

In den USA gingen bei Konservativen prompt die Alarmglocken los, Netflix könne schon wieder einen Klassiker „wokifizieren“, wie das zuletzt mit Ronald Reagans angeblicher Lieblingsserie „Unsere kleine Farm“ passierte, die plötzlich einen rassismus- und sozialkritischen Anstrich erhielt. Die literarische Vorlage für „East of Eden“, der gleichnamige Roman von John Steinbeck, gehört in den USA schließlich zu den meistgelesenen Büchern des 20. Jahrhunderts.

Während der Film mit James Dean damals nur das letzte Drittel des Romans adaptierte, setzt der Netflix-Siebenteiler gleich das ganze Buch um und stellt aber Cathy (Florence Pugh), die Mutter Calebs, ins Zentrum der Handlung, die im Kinofilm der 50er nur eine Nebenrolle hatte. Den jungen Caleb gibt übrigens der wenig bekannte Joseph Zada, der im November als Hauptdarsteller im neuen „Tribute von Panem“-Film im Kino zu sehen ist.

Starbesetzt und bildgewaltig

Das mit Bibelverweisen gespickte Werk, eine amerikanische Kain-und-Abel-Geschichte, die an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert angesiedelt ist und von verschiedenen Generationen miteinander streitender Brüder und strafender Väter erzählt, wirkt heute ein wenig aus der Zeit gefallen. Das dürfte der Grund sein, warum Zoe Kazan vor allem die Geschichte von Cathy in den Mittelpunkt rückt.

Die ist zwar die toxische, manipulative, giftmischende Übeltäterin wie in der Romanvorlage, die ihren Mann niederschießt und die Kinder verlässt. Aber die Netflix-Serie betont die patriarchale Gewalt, die Cathy zu erleiden hat und gegen die sie ankämpft. Angefangen vom als Kind erlittenen Missbrauch über die beinahe mörderische Brutalität eines Liebhabers bis hin zur alles erdrückenden Fürsorge ihres moralischen Ehemannes Adam, dem Vater von Caleb.

die serie

„East of Eden“

ab 1.10. auf Netflix

Die Netflix-Serie inszeniert das als starbesetztes, bildgewaltiges, manchmal aber auch fast aseptisches Opus und scheint auf der Erfolgswelle ähnlicher Familienserien wie „Yellowstone“, „1883“ oder „1923“ mitschwimmen zu wollen.

Handlungsstrang über antichinesischen Rassismus

Wer den James-Dean-Klassiker in der Serie sucht, dürfte eher enttäuscht werden, bekommt dafür aber eine aufwändige und handwerklich gut gemachte Literaturverfilmung serviert, die ein familiäres Panorama über mehrere Jahrzehnte von Connecticut bis Kalifornien auffächert.

Die für die Romanvorlage so zentrale Figur des vor sich hin philosophierenden chinesischen Angestellten Lee (Hoon Lee), der in Calebs Familie die soziale Lücke der entflohenen Mutter füllt, kam im Hollywood-Film der 50er gar nicht vor, erhält aber in der Serie viel Raum inklusive eines Handlungsstrangs über antichinesischen Rassismus.

Die Militärkarriere von Calebs Vater im ausgehenden 19. Jahrhundert wird in wenigen knappen Szenen zusammengefasst und deutet ein traumatisierendes Massaker an der indigenen Bevölkerung an. Das konterkariert fast schon John Steinbecks Roman, in dem es einen berüchtigten rassistischen Absatz über indigene Menschen gibt. So ganz kann Netflix das „Wokifizieren“ einfach nicht lassen.

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