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US-Zwischenwahlen in AlaskaKandidatin zwischen Lachs und Öl

Mary Peltola will als erste Indigene in den US-Senat einziehen. Dabei vertritt sie Ansichten, die in ihrer Partei für Unmut sorgen könnten.

Sebastian Moll

Aus New York

Sebastian Moll

Im November zeigt sich, ob Donald Trumps Republikaner ihre Mehrheit im Senat von Washington verteidigen. Diesmal könnte auch Alaska eine entscheidende Rolle spielen. Dort fordert die Demokratin Mary Peltola den republikanischen Amtsinhaber Dan Sullivan heraus.

Peltola hatte 2022 bei einer Sonderwahl für Alaskas einzigen Sitz im Repräsentantenhaus unter anderem die frühere Gouverneurin Sarah Palin geschlagen. Nun versucht sie, erstmals einen Senatssitz für die Demokraten in dem republikanisch geprägten Bundesstaat zu gewinnen.

Peltolas Wahl wäre in mehrfacher Hinsicht eine Sensation. Alaska gilt als solide republikanisch. Seit 1960 wählte der Staat bei Präsidentschaftswahlen nur ein einziges Mal rot. Auf dem Senatssitz, den Peltola 2026 anstrebt. Auch im Senat dominieren seit Jahrzehnten die Republikaner. Den Senatssitz, den Peltola anstrebt, gewann nur ein einziges Mal eine Demokratin oder ein Demokrat, 2008. Noch bedeutsamer wäre Peltolas Wahl für die indigene Bevölkerung Alaskas. Seit Alaska 1959 Bundesstaat wurde, wäre Peltola die erste indigene Senatorin in Washington. Dabei sind rund 20 Prozent der Wähler in Alaska indigener Herkunft.

Peltola, deren Vater weiß ist, trägt ihre indigene Identität mit Stolz. Als sie 2022 bereits ins Abgeordnetenhaus einzog, trug sie bei ihrer Vereidigung die traditionellen Stiefel ihres Volkes, der Yu’pik, und einen Ohrring in Form eines Lachses. Die Bedrohung der Lachsbestände ist für sie eines der wichtigsten politischen Themen. Für die traditionelle Lebensweise der indigenen Nationen Alaskas ist der Lachs entscheidend. Mit dem Thema befasst sie sich, seit sie Ende der 90er Jahre in das Repräsentantenhaus von Alaska gewählt wurde. Dort galt sie als Teil der „Busch-Fraktion“, also jener Politiker, die sich um die Belange der Menschen im schier endlosen Hinterland Alaskas kümmern.

Täglich gab es Elchfleisch bei den Eltern zu essen

Die Betonung ihrer indigenen Identität wirkt glaubwürdig. Peltola wuchs in dem 500-Seelen-Ort Kwethluk am Kuskokwim-Fluss auf, rund 700 Kilometer nordwestlich von Anchorage. Elchfleisch und Seehund gehörten in ihrem Elternhaus zur täglichen Kost. Die Sommer verbrachte sie auf dem Fluss. Sie half Lachsfischern, die Fische auszunehmen, zu trocknen und zu räuchern. Jugendfreunde bezeichnen sie als selbstbewusst und robust. „Sie hat nicht auf die Männer gewartet, um das Boot anzudocken, sie hat es selbst gemacht.“

Während des Colleges trat sie mit einem Kopfschmuck aus Wolfsfell in traditionellen Tanzdisziplinen bei der Eskimo-Indianer-Olympiade an und wurde Zweite. Als Staatssenatorin engagierte sie sich neben Fischereirechten und Artenschutz auch für Probleme in den Reservaten wie Alkoholmissbrauch und Jugendschwangerschaften.

Ihre Bodenständigkeit und ihre Verbundenheit mit dem Land und der Natur machen sie für viele Alaskaner wählbar. Sie kann ein Wasserflugzeug fliegen und geht auf Elchjagd. Im Wahlkampf fährt sie bisweilen selbst mit einem Vierradantrieb in Dörfer, zu denen keine Straße führt. Die nationalen Medien meidet sie.

Zugleich vertritt sie Positionen, die manchen demokratischen Parteifreunden gegen den Strich gehen. Sie kennt die Bedeutung der Öl- und Gasbranche für Alaska und steht ihr offen gegenüber. Gleichzeitig setzt sie sich für Natur- und Artenschutz ein. Man sagt ihr nach, sie könne zwischen beiden Welten wandeln: zwischen der indigenen und der weißen, der ländlich-entlegenen und der urbanen, der kommerziellen Fischer und der Subsistenzfischer, zwischen Washington und Anchorage. Das ist gewiss eine Fähigkeit, die ihr im zutiefst polarisierten Washington zugutekommt.

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