Potsdam-Institut über Klimafolgen: Sieben von neun Öko-Grenzen überschritten
Dem Planeten geht es so schlecht wie noch nie. Eigentlich sind Lösungen aber bekannt, sagen Klimaforscher:innen. Man müsse nur handeln.
Foto: 2026 Planet Labs PBC/ Handout
afp | Die Gesundheit unseres Planeten ist zunehmend in Gefahr: Wie aus dem am Montag vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) veröffentlichten Planetaren Gesundheitscheck für 2026 hervorgeht, nimmt bei allen sieben bereits überschrittenen planetaren Belastungsgrenzen die Belastung weiter zu. „Rekordtemperaturen in den Ozeanen, schwere Dürren, Überschwemmungen, Waldbrände und extreme Hitze zeigen, dass das Erdsystem zunehmend unter Druck steht“, warnen die Autorinnen und Autoren.
Als planetare Grenzen werden miteinander verbundene Erdsystem-Prozesse definiert, die sich innerhalb sicherer Grenzen bewegen müssen, um die Stabilität und Widerstandsfähigkeit unseres Planeten zu erhalten. Sieben der neun planetaren Grenzen liegen den Angaben zufolge inzwischen außerhalb des sicheren Bereichs. Zuletzt war 2025 auch die planetare Grenze für Ozeanversauerung überschritten worden.
So schlimm wie nie
Alle sieben Grenzen – Klimawandel, Integrität der Biosphäre, Veränderung der Landnutzung, Veränderung des Süßwasserkreislaufs, Veränderung der biogeochemischen Kreisläufe, Eintrag menschengemachter Substanzen und Ozeanversauerung – sind dem aktuellen Planetaren Gesundheitscheck zufolge mittlerweile so stark überschritten wie nie zuvor.
Nur bei der Ozonschicht und der globalen Aerosolbelastung der Atmosphäre habe sich die Lage im vergangenen Jahrzehnt verbessert, erklärten die Autorinnen und Autoren. Bei den Aerosolen liege die Belastung trotz globaler Fortschritte in einigen Regionen aber weiterhin außerhalb des sicheren Bereichs.
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„Die Diagnose ist eindeutig: Der Druck auf alle planetaren Grenzen, die bereits außerhalb des sicheren Handlungsraums liegen, nimmt weiter zu“, erklärte PIK-Forscher Boris Sakschewski, der Leitautor des Berichts. Damit steige das Risiko „großräumiger, langfristiger und potenziell unumkehrbarer Veränderungen“. „Gleichzeitig wird unser Spielraum, diesen Problemen wirksam zu begegnen, immer kleiner“, warnte Sakschewski.
Eigentlich gibt es Lösungen
„Wir wissen, was zu tun ist, und haben die Möglichkeiten und Lösungen, um gegenzusteuern“, fügte PIK-Direktor und Co-Autor Johan Rockström hinzu. Wichtig sei jetzt, schnell zu handeln, „um bei allen planetaren Grenzen in den sicheren Handlungsraum zurückzukehren“. „Nur so können wir unser Leben und unsere Lebensgrundlagen schützen und Wohlstand für alle auch in Zukunft sichern“, erklärte Rockström.
In diesem Jahr nahm der Bericht vor allem natürliche Kohlenstoffsenken in den Blick: Vegetation und Böden nehmen einen erheblichen Teil der vom Menschen verursachten Kohlendioxid-Emissionen auf. Wiederholte Hitze, Dürren, Brände und die Schädigung von Ökosystemen können diese Aufnahme jedoch verringern und Ökosysteme können sich auf diese Weise in einigen Regionen von CO2-Speichern zu CO2-Quellen entwickeln.
Die Autorinnen und Autoren gingen daher der Frage nach, ob Modelle, mit denen die Kohlendioxidaufnahme an Land berechnet wird, deren Widerstandsfähigkeit möglicherweise überschätzen. „Unser Weg zu Netto-Null-Emissionen ist auf funktionierende Kohlenstoffsenken angewiesen“, führte Sakschewski aus. „Aktuelle Beobachtungen sind ein Warnsignal dafür, dass unser Planet möglicherweise einen Teil seiner Fähigkeit verliert, die zunehmenden, von uns verursachten Belastungen abzupuffern.“
Umverteilung gegen rechts
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