China und künstliche Intelligenz : Keine Macht für niemand
China versucht, sich gegen die US-Tech-Szene zu inszenieren. Aber das ist eine Show, der man nicht glauben sollte.
Foto: Ng Han Guan/Pool/ap
E s ist jedes Mal furchteinflößend, wenn man daran denkt, über wie viel Macht eine Handvoll Tech-Bros aus dem Silicon Valley verfügen. Sie kontrollieren große Teile jener Technologie, die das Potenzial hat, die Menschheit existenziell zu bedrohen. Auf der anderen Seite steht die zweite KI-Weltmacht: die Volksrepublik China. Staatschef Xi Jinping bemüht sich sehr, sein Land als Gegenthese zur Profitgier der US-Tech-Branche zu inszenieren. Als Xi im Juli die „World AI Conference“ in Shanghai eröffnete, sprach er davon, künstliche Intelligenz „zum Wohle der Menschheit“ weiterentwickeln zu wollen. Es ist ein Angebot an die Welt, das zu schön klingt, um wahr zu sein.
Insbesondere Europäer sollten sich von solch luftiger Rhetorik nicht blenden lassen. Zwar stehen bei Pekings KI-Geschäftsmodell tatsächlich weniger die wirtschaftlichen Renditen im Vordergrund. Umso stärker geht es der Staatsführung um politische Kontrolle. Insofern käme es einer Orwell’schen Dystopie gleich, setzten sich die chinesischen KI-Entwickler weltweit durch. In allen Themenfeldern, die Peking für sensibel erachtet, sind DeepSeek, Moonshot AI und Co nicht der Wahrheit verpflichtet, sondern den „sozialistischen Werten“ der Partei. Das bedeutet eine politische Kontrolle darüber, welche Informationen überhaupt zugelassen werden.
In einer idealen Welt müsste die Europäische Union eine dritte KI-Alternative erschaffen und auch mit einem ethischen Regelwerk vorpreschen. Doch angesichts des derzeitigen technologischen Rückstands Europas erscheint ein solches Szenario geradezu utopisch. Doch Südkorea versucht sich tatsächlich, als dritte KI-Macht zu präsentieren: ein demokratischer Staat, der über eine potente Chipindustrie und viel Soft Power verfügt. Vielleicht wäre dies ein Ansatz, der die Dichotomie zwischen den USA und China mittelfristig durchbrechen könnte.
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Denn auch wenn es keineswegs wünschenswert ist, dass eine Handvoll Tech-Bros erschreckend viel Macht anhäuft: Die Alternative kann nicht darin bestehen, diese Macht einfach einem Parteistaat zu überlassen.
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