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Spielfilm „Practical Magic 2“Midnight Margarita und Magie

Echtes Hexenwerk: Der 90er-Jahre-Klassiker „Practical Magic“ floppte an den Kinokassen, wurde später aber zum Kult. Ähnlich könnte es Teil 2 ergehen.

Das mit dem Ewige-Jugend-Zauber scheint ja schon mal zu klappen. Denn Fakt ist: Die Gesichter, die einen in der 28 Jahre nach „Practical Magic“ entstandenen Fortsetzung zu Griffin Dunns Hexen-Tragikomödie anschauen, sind fast die gleichen wie 1998.

Da ist einerseits die ernste, brave, brünette Hexe Sally Owens (Sandra Bullock), die sich damals extra einen Zaubertrick gegen das Verlieben ausgedacht hatte, weil die magiekundigen Frauen der Owens-Familie von einem Fluch belegt sind, der jedes Love Interest zu Tode kommen lässt. Geklappt hat das nicht – Sally konnte ihre mittlerweile erwachsenen Töchter Kylie (Joey King) und Antonia (Maisie Williams) zwar vom Zaubern fernhalten, der dazugehörige geliebte Mann ist dagegen aufgrund des ungünstigen Fluchs längst mausetot.

Das andere, ebenso erstaunlich jung gebliebene Gesicht gehört zu Sallys freigeistigen, rothaarigen Hexenschwester Gillian (Nicole Kidman), die dank ihres Mottos „Sex ist eh besser als Liebe“ immerhin ein einigermaßen freudvolles Leben genoss.

Der Film

„Practical Magic 2“. Regie: Susanne Bier. Mit Sandra Bullock, Nicole Kidman u.a. USA 2026, 110 Min.

Die so verwunschene wie wünschenswerte Villa, in der einst Gillians und Sallys Tanten (und somit Kylie und Antonias Großtanten) Franny und Jet Owens (Stockard Channing und Dianne Wiest) in schönster Alte-Jungfer-Manier tags und nachts Kaftans und Turbane trugen, Margaritas tranken und Hexenkräuter anbauten, steht noch immer. In der von Susanne Bier wiederum nach einem Buch von Alice Hoffman inszenierten Fortsetzung wächst sie sich gar zum vorbildlichen Mehr-Generationen-Haus aus: Weil Jet bald stirbt (oder zumindest das tun wird, was mächtige Hexen tun, wenn sie nicht mehr aktiv praktizieren), sammeln sich in gewissen Mondnächten nun sogar sechs Frauen aus drei Generationen der gleichen Familie zum Midnight-Margarita-Ritual.

Der Ursprung des Fluchs

Ähnlich wie im ersten Film braucht auch diese Geschichte einige Zeit, um auf Trab und in die Plot-Spur zu kommen: Kylie und ihr Verlobter gestehen sich gegenseitig ihre Liebe, was gemäß des Owens-Fluchs schlimme Folgen hat – der junge Mann wird Opfer eines Unfalls und fällt ins Koma. Um ihn zu retten, machen sich Kylie, Sally und Gillian auf ins pittoreske England, wo der Ursprung des Fluchs vermutet wird. Hilfe scheinen sie von einem stattlichen, ganzkörpertätowierten Hexenprofessor namens Ian Wright (Lee Pace) zu bekommen, der eines seiner schönen Augen auf Sally geworfen hat. Doch leicht ist die Sache trotzdem nicht.

Es steckt viel Potenzial in Biers Version der modernen, selbst ermächtigten und dennoch rührend klassischen Hexengeschichte: Allein die Kostüme der 78-jährigen Wiest und der 82-jährigen Channing sind ein Augenschmaus – ihre Charaktere stecken in opulenten Gewändern und dicken Klunkern, die obligatorischen Turbane vervollständigen das Outfit.

Auch aus den latenten, durch die unterschiedlichen Lebensentwürfe der Schwestern verursachten Spannungen zwischen Sally und Gillian ließe sich viel ziehen – hier die zurückgezogene, magiefeindliche, in altjüngferliche Zipfelklamotten gekleidete Sally („you are an iceblock in 90s clothing“, faucht ihre Schwester sie an); dort die alterslose, statueske Lebedame, die anscheinend noch immer gern fremde Zaubererstäbe schwingt. Regisseurin Bier und ihre drei Dreh­buch­au­to­r:in­nen Akiva Goldsman, Georgia Pritchett und Kelly Marcel setzen viel auf behauptete Schwestern- und Frauensolidarität, vor allem in der ersten halben Stunde, in der ausschließlich Frauen stolz die Tonspur zuquatschen.

Doch die Ma­che­r:in­nen entscheiden sich für einen Kompromiss aus zu vielen faulen Ingredienzien: Sie würzen ihr Werk mit affig-funkensprühender, unansehnlicher Fernsehästhetik-Magie, ziehen handlungstreibende Figuren aus der Kiste, die urplötzlich wichtige Motive offenbaren; und nutzen die sichtbare Blödelfreudigkeit der Schauspielerinnen Bullock und Kidman kaum aus.

Effektlose Magiedarstellung

Durch den Fokus auf den Handlungsstrang mit Kylie und Antonia, die (wie eins Sally) die Magie als eigene Stärke erkennen müssen, den etwas betulichen, weit vom modernen Wicca-Feminismus angesiedelten Stil und die recht effektlose Magiedarstellung fragt man sich zudem, wer den Film eigentlich schauen soll – jungen Menschen wird er zu zahm sein, alten entweder zu albern oder nicht albern genug.

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Trailer „Practical Magic 2“

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Selbst die Musik ist mutiger als die Bildebene: Neben der Ehrenhexe Stevie Nicks, die mit ihrem Image stets stolz kokettierte, versuchen Miriam Makeba und sogar Harry Nilssons im ersten Film prominent platzierter, legendärer „Coconut“-Song die Atmosphäre zu retten. Doch „Practical Magic 2“ schafft die Loslösung von den 90ern nie wirklich.

Andererseits hatte man es auch bei der Rezeption des ersten Teils eventuell schon mit echtem Hexenwerk zu tun: Der Film floppte damals komplett an den Kinokassen und fand erst über die Jahre seine treue Fanbasis, die ihn schließlich in den Status eines Kultfilms überführte. Hoffentlich ist der alte Zauberspruch noch stark genug für den zweiten Teil.

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