Abriss von Mehrfamilienhaus in Hamburg: Eigentümer ließ Haus verfallen
In der Holstenstraße wurden Mieter:innen eines Mehrfamilienhauses plötzlich wegen Einsturzgefahr evakuiert. Jetzt wird ein Teil ihres Zuhauses abgerissen.
Zwei haushohe Kräne ragen am Dienstagvormittag über das Dach der Holstenstraße 195 und 197 in Altona hinaus. Unter den Kränen befindet sich der Eingang zum Hinterhof des Hauses. Der Zugang zum Hof ist mit Absperrgittern versperrt. Mehrere Polizist:innen und Baggerfahrer in Warnwesten und Helmen stehen davor und unterhalten sich. Es haben sich Medienvertreter:innen und Interessierte eingefunden.
Im Juli war das fünfstöckige Mehrfamilienhaus wegen akuter Einsturzgefahr geräumt worden. Die Bewohner:innen mussten ihr Zuhause innerhalb kürzester Zeit verlassen. Einige berichten, dass sie nur 10 Minuten hatten, um ihre Sachen zu packen. Zwei Nachbarhäuser wurden ebenfalls evakuiert.
Die Mieter:innen hatten zuvor Risse in den Wänden ihres Wohnhauses bemerkt und die Feuerwehr gerufen. Eine Prüfung des Hauses zeigte später, dass der hintere Teil des Gebäudes nicht mehr genutzt werden kann. Laut dem Bezirksamt Altona muss dieser Teil deswegen abgerissen werden. An diesem Dienstag soll das passieren.
Wenige Meter von dem Zugang zum Hinterhof entfernt steht eine ehemalige Bewohnerin des Hauses. Mit Tränen in den Augen schaut sie zu den Kränen hinauf, die hinter dem Dach ihres einstigen Zuhauses verschwinden. „Es wird gleich hinter mir ein Teil meines Hauses abgerissen. Es macht mich fassungslos“, sagt sie der taz. Sie und die anderen ehemaligen Mieter:innen hätten große Angst, dass es nicht beim hinteren Teil bleibt und alles abgerissen wird, erzählt sie.
Wer zahlt für das Hotel?
Bevor die Abrissarbeiten beginnen, bittet die Polizei alle Zuschauer:innen, sich hinter eine weiträumigere Absperrung zu stellen, die einige Häuser weiter aufgestellt wurde.
Eine ehemalige Bewohnerin der Holstenstraße
In der Nähe steht ein Polizist, der sich den Fragen der Betroffenen stellt. Er erklärt: „Die Kacke ist am Dampfen. Wir versuchen, den Personenschaden zu minimieren.“
Hinter der Absperrung steht auch Rechtsanwalt Marc Meyer. Er arbeitet als Rechtsberater beim Mieterverein „Mieter helfen Mietern“ und unterstützt die betroffenen Mieter:innen in der Holstenstraße. Er tauscht sich mit ehemaligen Bewohner:innen des Wohnhauses aus.
Die Anwohner:innen berichten, dass sie hoffen, dass der hintere Teil neu aufgebaut wird und sie vom Eigentümer des Gebäudes eine Entschädigung erhalten. „Wir erwarten, dass sich Eigentümer, die Häuser besitzen, auch um die Häuser kümmern“, erzählt die Bewohnerin der taz. „Wir hoffen, dass der Teil, der abgerissen wird, wieder aufgebaut wird“, fügt sie hinzu.
Die Bewohnerin erzählt, dass sie sich privat eine andere Unterkunft gesucht hat, andere Bewohner:innen seien in Hotels untergebracht. Aktuell ist nicht klar, wer für die entstandenen Schäden und den Verlust der Mieter:innen aufkommen muss.
Rechtsanwalt Marc Meyer fordert, dass der Eigentümer zur Verantwortung gezogen wird: „Der Bezirk muss ihm Daumenschrauben anlegen. Der Typ hat Asche ohne Ende“, sagt er der taz.
Zunächst gehe es darum, dass den Mieter:innen die entstandenen Kosten für Hotels und andere alternative Unterkünfte erstattet werden. Langfristig sei das Ziel, dass der Eigentümer dafür aufkommt, dass der hintere Teil des Hauses wieder aufgebaut wird. Meyer betont, dass der Schutz von Wohngebäuden ein bundesweites Thema sei. „Es braucht einen Wohnhaus-TÜV“, erklärt er.
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