„Before“-Trilogie bei HBO: Ein wohliges Gefühl der Nostalgie
Wer heute die Liebesfilme mit Ethan Hawke und Julie Delpy guckt, bemerkt schmerzhaft was der heutigen Kinolandschaft fehlt. Nämlich richtig gute RomComs.
Foto: imago
Es passierte nicht mit einem lauten Knall, sondern ganz schleichend: In den letzten Jahren sind RomComs nach und nach aus den Kinos verschwunden. Und ich vermisse sie schmerzlich. Weniges entspannt mich so sehr, wie in das fiktive Gefühlsleben anderer einzutauchen. Wird dann doch noch einmal eine romantische Komödie produziert, ist sie mir oft zu knallig oder zu abgedreht. Einfache Filme zum Schmachten, wie die Klassiker „Notting Hill“, „When Harry Met Sally“ oder „You’ve got Mail“, gibt es nicht mehr.
Ich konnte mein Glück also kaum fassen, als mir HBO vor Kurzem einen Indie-Klassiker vorschlug, von dem ich zwar schon viel gehört, ihn aber noch nie gesehen hatte: „Before Sunrise“. Denn alles, was ein Film heute braucht, um erfolgreich zu sein, hat dieser nicht.
Die Geschichte ist simpel: Der junge US-Amerikaner Jesse (Ethan Hawke) und die französische Studentin Celine (Julie Delpy) lernen sich auf einer Zugfahrt kennen und verstehen sich auf Anhieb so gut, dass Jesse Celine bittet, mit ihm in Wien auszusteigen. Sie sagt zu und die beiden spazieren stundenlang durch die österreichische Hauptstadt – wohl wissend, dass ihre gemeinsame Zeit begrenzt ist.
Die Filme
„Before Sunrise“, „Before Sunset“, „Before Midnight“, bei HBO Max
Alles plätschert vor sich hin
„Before Sunrise“ arbeitet weder mit Cliffhanger noch mit einer tiefen Message, sondern setzt rein auf Dialog. Die beiden unterhalten sich im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt – manchmal hören wir dabei tiefe Lebensweisheiten, manchmal, gerade aus heutiger Sicht, vollkommenen Quatsch. Doch das unterstützt nur das wohlige Gefühl der Nostalgie, das sich beim Gucken einstellt.
Auch die Optik des Filmes ist angenehm zurückhaltend. Obwohl der Film in Wien spielt, wird nicht in jeder Szene ein barockes Kulturerbe eingeblendet, sondern die Stadt bleibt Kulisse für die zwei Verknallten.
Und obwohl die beiden mit ihren Besserwissereien auch mal nerven, habe ich sie schnell in mein Herz geschlossen und bin nicht bereit, sie nach knapp zwei Stunden schon wieder zu verabschieden. Zum Glück hat Regisseur Richard Linklater mit jeweils neun Jahren Abstand noch einen zweiten und dritten Teil geschaffen, und wir dürfen mit dem Paar noch einen Tag durch Paris und ein paar Wochen durch Griechenland spazieren.
Auch hier plätschert die Handlung fröhlich vor sich hin. Genau die richtige Unterhaltung also nach einem langen Sommertag.
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