Irakischer Zentralbankchef: Der Aufräumer
Nazar Nasser Hussein soll die Geschicke der irakischen Zentralbank leiten. Er gilt als Experte im Kampf gegen Geldwäsche und Korruption.
Iraks Zentralbank war 2003 Ort des größten Bankraubs weltweit. Drei Traktoren fuhren damals Bargeldnoten im Wert von 900 Millionen US-Dollar, verpackt in Metallkoffern, aus dem Bankgebäude – einen Tag vor dem Irakkrieg wollte Saddam Hussein damals mit dem Geld seine Flucht finanzieren.
2022 wiederum fuhren wochenlang gepanzerte Fahrzeuge vor die Filiale der staatlichen Rafidain-Bank in Bagdad, bewaffnete Sicherheitsleute luden Säcke mit Bargeld auf. Rund 2,5 Milliarden Dollar nahmen die Diebe mit – vermeintlich legal, denn korrupte Politiker, Wirtschaftsbosse und Behörden hatten es möglich gemacht, das Geld einfach bei Tageslicht aus der Bank zu fahren.
Diese Zeiten in Irak sollen vorbei sein. An der Spitze der Zentralbank sitzt nun ein Mann, der Experte im Kampf gegen Korruption und Geldwäsche ist. Nazar Nasser Hussein, der bereits 25 Jahre für die Institution gearbeitet hat, zuletzt als Leiter der Abteilung zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, hat in der vergangenen Woche die Leitung übernommen.
Als eine der ersten Amtshandlungen empfing er den US-Chargé d’Affaires Joshua Harris. Sie besprachen, wie die USA bei der wirtschaftlichen Stabilität helfen kann. Als Teil neuer Bankenreformen möchte Hussein Auslandsüberweisungen an internationale Standards anpassen. Verkäufe von US-Dollar-Scheinen sollen reguliert werden. Harris erklärte, die USA seien zufrieden mit den von der Zentralbank umgesetzten Reformen und der guten Beziehungen zum US-Finanzministerium und zur Federal Reserve.
Nicht selbstverständlich: Seit 2022 beobachtet das US-Finanzministerium die irakischen Banken streng. Es wirft ihnen Geldwäsche vor. Irakische Banken sollen dabei geholfen haben, dass mit US-Sanktionen belegte Länder wie Iran die Sanktionen umgehen können und an US-Dollar Scheine kommen.
Mehr Überwachung auf Druck der USA
Durch den Druck der USA hatte die vorherige Regierung unter Mohammed Schia Al Sudani Finanzreformen angestoßen. Auslandstransaktionen in US-Dollar sollen streng überwacht werden, Händler müssen genaue Listen der Güter und ihrer Empfänger vorlegen. Weil in Irak nur mit Bargeld bezahlt wird, hatte die Regierung ein elektronisches Bezahlsystem einführen lassen, damit Menschen mehr Bankaccounts eröffnen.
Die Korruption ist längst nicht eingedämmt. Fast zeitgleich mit Husseins Ernennung setzte das internationale Gremium zur Bekämpfung von Geldwäsche (FATF) Irak auf die Liste der Länder mit erhöhtem Überwachungsbedarf. Das schreckt ausländische Banken und Händler ab. Hussein will, gemeinsam mit Finanz- und Justizministerium, einen Aktionsplan umsetzen, der die FATF-Vorgaben erfüllt. Man wird sehen, ob er ihn umsetzen kann.
Ziel: Stabilisierung der Währung
Hussein muss nicht nur die Korruption eindämmen. Er muss sich darum kümmern, die Währung zu stabilisieren. Durch den Irak-USA-Krieg ab 2003 sind die Ölexporte Iraks drastisch eingebrochen. Diese machen 90 Prozent der Staatseinnahmen aus – und sind nötig für Gehälter im öffentlichen Dienst.
Die Zentralbank löste das Problem, in dem sie mehr Geld druckte. Staatsgehälter werden zurzeit durch indirekte Kredite aus Devisenreserven der Zentralbank bezahlt. Hinzu kommt politischer Stillstand, neun Ministerposten sind noch immer nicht besetzt. Irak muss nicht nur Staatsausgaben drastisch drosseln, sondern bald auch den Internationalen Währungsfonds nach Geld fragen, um weiter Gehälter zahlen zu können.
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