piwik no script img

Der Kampf um den heiligen FlussWas bleibt von der Taufe, wenn das Wasser verschwindet?

Im Süden Iraks droht der heilige Fluss der Mandäer auszutrocknen. Wie die Erben von Johannes dem Täufer gegen das Verschwinden des Wassers ankämpfen.

Am Ufer des Flusses Schatt al-Arab in der südirakischen Stadt Basra steht der Priester Mazen al-Naif. Seine weiße Baumwollkleidung symbolisiert die Reinheit der Seele von Sünden. In seiner Hand die „Markana“, ein langer Stab aus Olivenholz. Die Taufe der Gläubigen, ebenfalls allesamt in weiße Baumwolle gekleidet, beginnt.

Mazen al-Naif ist der religiöse Führer der Mandäer in Basra, einer Glaubensgemeinschaft, die vor über 2000 Jahren entstanden ist. Sie beten auf Aramäisch, der Sprache von Jesus, ihr Messias aber ist Johannes der Täufer. Mandäer, so will es ihr Glaube, sollen am Ufer von Flüssen leben, das wichtigste Ritual der weltweit rund 60.000 Gläubigen ist die Taufe. Wasser ist für sie die Essenz der Schöpfung, der Geist des Universums und der einzige Vermittler zwischen Mensch und Schöpfer. Nur fließendes lebendiges Wasser, so glauben die Mandäer, kann die Seele und den Körper reinigen.

Das Problem der Mandäer im Süden Iraks: Das Wasser verschwindet, ihr heiliger Fluss trocknet aus oder wird geflutet von schmutzigem Abwasser und Müll. Um ihren Glauben überhaupt noch angemessen praktizieren zu können, haben sie ein künstliches Becken errichtet. Eine Notlösung, mehr nicht. Der Priester Mazen al-Naif beschreibt das Becken als „heiligen Ort zweiter Klasse“ und prophezeit, dass seine Gemeinde sich schon bald in den Nachbarländern auf die Suche nach Wasser machen wird. „Oder wir bohren Brunnen.“ So oder so wird ihr lebendiges Wasser zunehmend rar.

Sonderbeilage der taz panterstiftung

Wie die arabische Welt der Zukunft begegnet

Im Jahr 2050 droht der Region der Klimakollaps. Gibt es nur noch Hitze? Oder auch Hoffnung? 25 Journalistinnen aus 16 arabischsprachigen Ländern haben im Rahmen des zweijährigen Projekts MENA Green Panter (2024–2026) der taz panterstiftung erfrischende Antworten erarbeitet. Am 17. Juni 2026 findet der taz panter talk in Berlin dazu. Eine Podcastfolge dazu gibt es im Format Freie Rede. Alle Texte, die im Rahmen dieses Projektes erschienen sind, können Sie hier lesen.

Der Priester sitzt am Rand seines künstlichen Beckens, die Gläubigen in ihren weißen Gewändern sind getauft, doch das Gefühl völliger Reinheit, das ihm der alte Fluss einst vermittelte, schwebt wie die Erinnerung an ein Gebet über dem Schatt al-Arab.

Nagham Makki Ashour Alajer, Journalistin aus Basra (Irak)

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 180 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare