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Booker Prize an Autorin Yang Shuang-zi„Unsere Zwei“ gehen leer aus

Mit Yang Shuang-zi und „Taiwan Travelogue“ geht der Booker Prize 2026 erstmals an einen auf Mandarin verfassten Roman. Nominiert waren auch zwei deutsche Autor:innen.

Am Dienstagabend wurde in London die Gewinnerin des International Booker Prize, eines der renommiertesten Literaturpreise überhaupt, bekanntgegeben. Der Preis ging dabei nicht nach Deutschland, wie aufgrund gleich zweifacher Nominierung nicht unwahrscheinlich gewesen wäre, sondern mit Yang Shuang-zi an eine Autorin aus einer von Berlin wie London weit entfernt liegenden Region: nach Taiwan.

„Taiwan Travelogue“ (2020), übersetzt von Lin King, erzählt eine queere Liebesgeschichte vor historischem Hintergrund: Eine japanische Autorin und eine Übersetzerin von vor Ort reisen durch das Taiwan der 1930er Jahre und verlieben sich ineinander. Die Insel, von den früheren Kolonialherren, den Portugiesen, einst „Formosa“ („schöne Insel“) genannt, ist zu der Zeit von Japan besetzt.

Laut New York Times zeigt Yang Shuang-zis Roman, „wie Macht Beziehungen prägt und was das Reisen offenbart und verbirgt“. Auf Deutsch erschienen ist der Roman bislang nicht, in englischsprachigen Social Media tauchte das Taschenbuch im minimalistischen („aesthetically pleasing“) Design von Graywolf Press zuletzt häufig auf, gelobt wurden insbesondere die ausführlichen Beschreibungen von Gerichten der local cuisine.

Erstmals zeichnete die Booker-Prize-Jury in diesem Jahr ein aus dem chinesischen Mandarin übersetztes Buch aus. Die Weltpolitik macht auch vor Literaturpreisen nicht halt; Kolonialismus, Taiwan und auch der aktuell im Fokus stehende Iran ist in Form von Shida Bazyars „Nachts ist es leise in Teheran“ (2016) auf einem Shortlistplatz vertreten. Bazyar ist ebenso wie Daniel Kehlmann, der sich mit „Lichtspiel“ (2023) Hoffnungen auf den Preis machen konnte, ein:e deut­sche:r Schriftsteller:in, was den ein oder anderen Feuilletonisten bereits vorsichtig fragen ließ, ob man denn so langsam nicht von einem Hype um deutschsprachige Literatur reden könne?

Deutsche Au­to­r:in­nen überall

„Unsere Zwei“ für Deutschland, pardon, „beim Booker Prize“ titelte zuletzt die Zeit und auch die Süddeutsche Zeitung stellt fest: Plötzlich seien deutschsprachige Romane überall. Verwiesen wird an letzterer Stelle auf den gern unter Genieverdacht gestellten Jungautor mit Adelshintergrund Nelio Biedermann, dessen Familienepos plötzlich auch in der New York Times und dem New Yorker Berücksichtigung findet.

Und auch Jenny Erpenbeck darf in der Aufzählung nicht fehlen, deren 2024 mit dem Booker Prize ausgezeichneter DDR-Roman „Kairos“ in Deutschland durchaus kontrovers in Bezug auf den Vorwurf der „Ostdeutschtümelei“ diskutiert wurde – was sich in der internationalen Debatte nicht widerspiegelte. Doch genug der Krittelei: Schlecht wäre es ja nicht, wenn deutsche Literatur weltweit auch dann Le­se­r:in­nen findet, wenn nicht groß „Nazi“ auf dem Buchrücken prangt, wie zuletzt der dlf feststellte.

Der Booker Prize ist übrigens mit einem Preisgeld von 50.000 Pfund dotiert, das sich Au­to­r:in und Über­set­ze­r:in teilen. Nominiert waren neben Yang, Bazyar und Kehlmann überdies Marie NDiaye mit ihrem schon 1996 veröffentlichten Roman „Die Hexe“, Rene Karabash mit „She Who Remains“ (2018) und Ana Paula Maia mit „On Earth As It Is Beneath“ (2017). (juhu)

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