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FußballbundesligaÜberall die Münchnerinnen

Im deutschen Frauenfußball haben große Umbrüche stattgefunden. Andere, noch größere, stehen an. Eine Saisonbilanz.

Deutschlands Fußball wird vom FC Bayern dominiert. Am Donnerstag gewann der Club auch das DFB-Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg Foto: Imago/STEINSIEK.CH

D ie Bundesliga der Frauen startete 2025/26 erstmals mit vierzehn Teams. Die Aufstockung sollte mehr Spielzeit zur Vermarktung bringen und die zum Teil langen Spielplanpausen reduzieren. Die Ergebnisse sind durchwachsen: Lange Unterbrechungen gab es durch die Uefa trotzdem und im Winter ausgefallene Partien konnten zum Teil monatelang nicht neu angesetzt werden. Außerdem überlagerte der Richtungsstreit zwischen Vereinen und DFB vieles.

Sportlich setzte sich Bayern München nach anfänglicher Eingewöhnungsphase unter Neutrainer José Barcala so deutlich ab wie erwartet, war ab dem sechsten Spieltag Tabellenführer und vier Wochen vor Schluss Meister. Statistisch bewegen sich die Münchenerinnen national in einer eigenen Liga.

Wolfsburg rutschte nicht so stark ab wie gedacht, aber ob der aktuell zementierte zweite Platz in Zukunft gehalten werden kann? Das Gesamtkonstrukt ist in der Krise, mit Ralf Kellermann gehen der langjährige Architekt des Erfolgs und erneut Leistungsträgerinnen, wie Vivien Endemann und Lineth Beerensteyn.

Der FC Union Berlin knackte als erster Klub die Marke von über 100.000 Sta­di­on­be­su­che­r:in­nen in einer Saison.

Um Platz drei ist es enger geworden, aber so richtig scheint aus Leverkusen, Hoffenheim und Frankfurt niemand in die Spitze vorstoßen zu wollen, weil das noch größere Investitionen erfordern würde, allein um eigene Leistungsträgerinnen wie Katharina Piljić oder Selina Cerci auch mal zu halten. Bei Eintracht Frankfurt gehen mit Géraldine Reuteler, Nicole Anyomi und Elisa Senß drei der wichtigsten Spielerinnen.

Der Konkurrenzkampf um Spielerinnen und Trai­ne­r:in­nen ist deutlich gestiegen. Viele der aufstrebenden Frauenabteilungen der Lizenzvereine existieren noch nicht lange genug, um durch ihre Nachwuchsprogramme zum Personalpool im Fußball der Frauen beizutragen. Auch deswegen war die Saison im Tabellenmittelfeld und im Abstiegskampf tatsächlich dichter als in Vorjahren. So konnte sich Union Berlin mit ambitionierten Transfers gleich ins Mittelfeld katapultieren, vermutlich versucht Aufsteiger VfB Stuttgart bald ähnliches. Union knackte zudem als erster Klub überhaupt die Marke von über 100.000 Sta­di­on­be­su­che­r:in­nen in einer Saison.

Das internationale Abschneiden der Bundesligateams sieht auf dem Papier gut aus: Bayern stand im Halbfinale der Champions League gegen Barcelona, Wolfsburg im Viertelfinale gegen Lyon und Frankfurt im neuen Europa Cup im Halbfinale gegen BK Häcken. Aber spätestens ab da wurde deutlich, dass zur Spitze technisch und taktisch noch einiges fehlt, einen durchweg souveränen Auftritt gab es nicht. Besonders das Abschneiden Frankfurts enttäuscht, der erste Titel seit Übernahme des Spielrechts vom 1. FFC war möglich gewesen.

Die weitere Entwicklung hängt vom nachhaltigen Willen einzelner Vereine ab sowie der strukturellen Organisation in der Liga, und die hängt aktuell noch in der Luft. Gerade verhandeln DFB und der von den Klubs neu gegründete Ligaverband FBL e. V. den Grundlagenvertrag, der ab 2027/28 gelten soll, bis dahin organisiert der DFB die Bundesliga weiter wie gehabt. Der Vertrag regelt u. a. den eigenständigen Spielbetrieb durch die FBL ab Sommer 2027 und das Recht zur Vergabe der dann auslaufenden TV-Verträge. Verabschiedet werden muss das Ganze bei einer Einigung auf einem außerordentlichen DFB-Bundestag in der zweiten Jahreshälfte. Wahrscheinlich folgt auf die letzten beiden Übergangssaisons also mindestens eine Dritte. Annika Becker

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