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Mehr Kontrolle über EigenversorgungBelgien stoppt Rückbau aller seiner Atomreaktoren

Nach der Atomausstieg-Kehrtwende stoppt Belgien nun den Reaktor-Rückbau. Regierungschef De Wever nennt das eine Entscheidung für nachhaltige Energie.

Das Kernkraftwerk Tihange bei Lüttich sollte 2025 abgeschaltet werden Foto: imago

afp | Belgien stoppt den Rückbau aller Atomreaktoren im Land. Die belgische Regierung und der bisherige Betreiber Engie würden über eine Übernahme der Reaktoren durch den belgischen Staat verhandeln und für diesen Zeitraum den Rückbau stoppen, damit „alle Optionen offenstehen“. Das teilten beide Seiten am Donnerstag mit. Das belgische Parlament hatte im vergangenen Jahr den Atomausstieg des Landes rückgängig gemacht.

„Diese Regierung entscheidet sich für sichere, bezahlbare und nachhaltige Energie“, begründete Belgiens Regierungschef Bart De Wever die Pläne. „Mit weniger Abhängigkeit von fossilen Importen und mehr Kontrolle über unsere eigene Versorgung.“

Die angestrebte staatliche Übernahme umfasst der gemeinsamen Erklärung zufolge „den gesamten Kernkraftwerksparks mit sieben Reaktoren, das betroffene Personal, alle nuklearen Tochtergesellschaften sowie sämtliche zugehörige Vermögenswerte und Verbindlichkeiten, einschließlich der Abbau- und Stilllegungspflichten“.

Der französische Betreiber Engie will sich damit aus der Atomkraft in Belgien zurückziehen. Beide Seiten wollen bis zum 1. Oktober die Rahmenbedingungen für die staatliche Übernahme festlegen.

In Belgien sind derzeit zwei Reaktoren in Betrieb: einer im Kraftwerk Doel an der niederländischen Grenze und einer im AKW Tihange bei Lüttich, rund 50 Kilometer Luftlinie von der deutschen Grenze entfernt. Ursprünglich sollten beide Reaktoren im vergangenen Jahr abgeschaltet werden, ihre Laufzeiten wurden jedoch bereits infolge der Energiekrise 2022 bis 2035 verlängert.

Daneben gibt es fünf stillgelegte Reaktoren, drei in der Anlage Doel und zwei in Tihange. Darunter ist der umstrittene Reaktor Tihange 2, der 2023 abgeschaltet wurde. Deutsche Politiker und Atomkraftgegner hatten sich jahrelang dafür eingesetzt, nachdem Experten 2012 tausende kleine Risse im Reaktordruckbehälter entdeckt hatten. Alle Reaktoren stammen aus den 1970er und 1980er Jahren.

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