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Klimakonferenz in KolumbienWeil ihnen die Verhandlungen auf UN-Ebene zu langsam sind

Mehr als 50 Länder treffen sich in Kolumbien, um schneller aus Kohle, Öl und Gas auszusteigen. Auch Europa ist noch abhängig von fossilen Importen.

Europa ist vor allem fürs Autofahren und Heizen weiter auf den Import fossiler Brennstoffe angewiesen Foto: Marijan Murat/dpa

afp/taz | Im kolumbianischen Küstenort Santa Marta beginnt am Freitag die erste internationale Konferenz zum Ausstieg aus den fossilen Energien. Nach zunächst viertägigen Beratungen von Vertretern der Zivilgesellschaft tauschen sich dann am kommenden Dienstag und Mittwoch Regierungsvertreter von mehr als 50 Ländern unter dem Eindruck der gegenwärtigen Ölkrise aus.

Konkret geht es darum, wie eine globale Transformation weg von den klimaschädlichen Energieträgern Kohle, Erdöl und Erdgas gelingen kann.

Zu den Teilnehmerstaaten gehören Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer, von denen viele selbst Kohle, Öl oder Gas fördern. Die Bundesregierung wird von Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth vertreten. Die Konferenzausrichter Kolumbien und Niederlande wollen Staaten miteinander vernetzen, die beim Klimaschutz vorangehen wollen.

Die Initiative ist auch eine Reaktion auf die oftmals langwierigen und zähen Verhandlungen auf UN-Ebene, bei denen die mehr als 190 Mitgliedstaaten einen Konsens finden müssen.

„Die Konferenz ist für die am wenigsten entwickelten Staaten von großer Bedeutung“, sagte Sabine Minninger von der Entwicklungsorganisation Brot für die Welt. Obwohl diese Länder am wenigsten zu den globalen Emissionen beitrügen, seien sie am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen.

„Afrika ist reich an erneuerbaren Energiequellen, die bislang jedoch kaum genutzt werden“, sagte Minninger. Millionen Menschen hätten noch immer keinen Zugang zu Elektrizität und sauberen Kochmöglichkeiten. „Die Konferenz in Santa Marta bietet eine entscheidende Gelegenheit, diese Ungerechtigkeit zu korrigieren.“

EU muss viele fossile Brennstoffe importieren

Die Energieversorgung der Europäischen Union ist weiterhin in hohem Maße von Gas- und Ölimporten aus Nicht-EU-Ländern geprägt.

Im Jahr 2024 lag die Importabhängigkeitsquote der EU nach Angaben des Statistikamts Eurostat bei 57 Prozent, die eigene Produktion deckte nur 43 Prozent des Bedarfs. Zugleich waren fast die gesamten Energieimporte fossile Brennstoffe, vor allem Öl und Gas.

Bei der eigenen Energieproduktion dominieren in der EU mittlerweile die erneuerbaren Quellen. 2024 standen sie für 48,1 Prozent der Produktion, gefolgt von der Atomkraft mit 28,2 Prozent und sogenannten festen Brennstoffen – in erster Linie Kohle – mit 15,2 Prozent. Auf der Verbrauchseite standen die Erneuerbaren dennoch nur für rund 25 Prozent.

Zwei Drittel der Energieimporte entfielen 2024 auf Erdöl und Erdölprodukte. Damit war Öl mit 37 Prozent der am meisten verbrauchte Energieträger in der EU, insbesondere im Transportsektor. Erdgas machte 24 Prozent der Importe und 21 Prozent des Verbrauchs aus. Kohleimporte spielten mit 4 Prozent eine untergeordnete Rolle im Importmix, genau wie Energie aus erneuerbaren Quellen.

Russland ist nicht mehr ganz so wichtig für die EU

Die EU hat ihre Lieferquellen inzwischen immerhin diversifiziert. Beim Erdöl waren die USA 2024 der wichtigste Lieferant, standen aber dennoch nur für 16 Prozent der Importe. Norwegen lieferte 12, Kasachstan 9 und Saudi-Arabien 8 Prozent.

Bei Erdgas ist Norwegen mit 30 Prozent der wichtigste Partner, gefolgt von den USA (17 Prozent). Algerien und Russland lieferten jeweils 14 Prozent der Nettoimporte. Importierte Kohle kam vor allem aus Australien und aus den USA.

Die Reduzierung der Importabhängigkeit im Energiebereich ist ein erklärtes politisches Ziel der EU und ihrer Mitgliedstaaten, und es gibt durchaus Fortschritte. So ist der Anteil der Erneuerbaren in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Auch ist der Primärenergieverbrauch in der EU rückläufig. Dennoch besteht eine strukturelle Abhängigkeit von fossilen Importen, insbesondere durch den Erdölbedarf des Verkehrssektors und den Erdgasbedarf von Industrie und Haushalten.

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