Pahlavi zu Besuch in Schweden: Großer Bahnhof für iranischen „Exil-Prinzen“
Mit großem Getöse wird Reza Pahlavi in Stockholm empfangen. Viele Exil-Iraner*innen jubeln ihm zu. Doch nicht alle empfangen ihn herzlich.
Er kam auf Einladung von Christ- und Schwedendemokraten, sprach wie ein Staatsmann vor dem Reichstag, gab ein Fernsehinterview und Pressekonferenzen: Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schahs von Persien, konnte sich bei seinem Besuch in Stockholm am Montag nicht über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen.
Vor seinem Hotel winkte er in Richtung jubelnder Anhänger. Sie sehen ihn „zu 110 Prozent“ als ihren König, zitierte die Zeitung Dagens ETC zwei Exil-Iraner. „Es gibt nur einen, der das Land retten kann“, sagt einer von ihnen, „und das ist er.“ Applaus für den gefühlten König auch von den Zuschauerrängen im Reichstag. „Wir werden die Revolution durchführen, die Geschichte gibt uns keine andere Wahl“, sagte Pahlavi laut Dagens ETC in seiner Rede.
Ein Grünen-Abgeordneter konstatierte bei der ganzen Veranstaltung einen „ungesunden Personenkult“. Ob kritische Stimmen auch derjenigen in der iranischen Diaspora, die ihn nicht als rechtmäßigen Anführer sehen, zu Pahlavi durchdrangen, weiß man nicht.
Wiederholte Nachfragen von Politikern und Journalisten zu seinem Vater und dessen Herrschaftszeit führten jedenfalls dazu, dass Pahlavi abwehrend eine schwedische „Fixierung“ auf das Thema diagnostizierte, die er nicht verstehe. Er sei stolz auf sein Erbe, hatte er kurz vor seiner Anreise im Interview mit dem Sender SVT gesagt, ohne ins Detail zu gehen.
„Ganz natürlich, dass er hier ist“
„Wir wollen das Regime im Iran ebenfalls zerstören, aber er ist kein Symbol für die Demokratie“: Das sagte eine Teilnehmerin einer Gegendemonstration in Stockholm gegenüber der Zeitung Dagens Nyheter.
Die größere Menschenansammlung machte Medienberichten zufolge aber die Pro-Pahlavi-Fraktion aus. Viele erhofften sich von seinem Besuch, dass auch im Ausland bekannt werde, wie viele Iraner ihn unterstützen.
Aber legitimierte man den sogenannten Exilprinzen mit der Einladung nach Schweden nicht voreilig als Anführer einer künftigen Übergangsregierung? Das sieht Christdemokrat Lars Adaktusson (KD) nicht so.
„Er ist eine zentrale Figur in diesem ganzen Prozess“, sagte der Abgeordnete Dagens ETC. „Er hat eine starke Unterstützung in großen Teilen der Opposition, und deshalb finde ich es ganz natürlich, dass er hier ist.“ Man bekäme so die Möglichkeit, Fragen zu stellen und einen Dialog zu führen.
In diesem Dialog sagte Pahlavi über die seinem Vater angelastete Unterdrückung des iranischen Volkes, man solle aufhören, über Dinge zu reden, die 50 Jahre zurückliegen. Jetzt gehe es um die Zukunft.
„Nicht alles muss man ernst nehmen“
Er wolle diese Zukunft seiner Heimat als Übergangspräsident einleiten, wenn das Mullahregime endlich gestürzt sei. Und das war eine weitere seiner Botschaften an die Welt: Nicht nachlassen jetzt! Das Regime nicht noch mal davonkommen lassen! Er kritisierte Schweden und Europa dafür, gegen das Regime in Iran nicht genug getan zu haben. Angesichts der breiten EU-Unterstützung für die Ukraine fragte er, ob iranisches Leben weniger wert sei.
Dass Donald Trump jüngst drohte, die iranische Zivilisation auszulöschen, nahm der seit seiner Jugend im US-Exil lebende 65-Jährige betont gelassen: Die 2.500 Jahre alte persische Zivilisation sei schon oft angegriffen und bedroht worden, so leicht lösche man die nicht aus, sagte er in dem SVT-Interview. Und man wisse doch, wie schnell der US-Präsident etwas sage, nicht alles müsse man ernst nehmen.
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