Dating Ü40: Heißes Date, feuriger Sex
Hitze wallt, Funken sprühen, aber am Ende ist alles mehr Performance als echte Leidenschaft. Lachen können unsere Kolumnistin und ihr Date beide darüber.
A ls C. klingelt, trage ich nichts als sein Hemd, das er beim letzten Mal bei mir vergessen hatte. Nachtblau, schmal geschnitten, gerade lang genug, um nur meine Beine zu zeigen. Ich hatte es vor ein paar Tagen schon anprobiert, Fotos von mir gemacht und C. geschickt. „Steht dir gut“, schrieb er, „das Ausleihen kostet dich aber was.“ – „Ich würde eher sagen, du kannst dir überlegen, gegen was du es eintauschen möchtest“, antwortete ich. „Geht es in Naturalien?“, fragte er zurück. „Darauf könnte ich mich ausnahmsweise mal einlassen“, gebe ich zurück.
Nun hat C. kaum meine Wohnungstür hinter sich geschlossen, schon finden wir uns in der Küche wieder. Teelichter flackern, wir knutschen. Ich stütze mich auf der Anrichte hinter mir ab, schiebe mich hoch. Im Sitzen ist mein Gesicht jetzt auf der Höhe von C.s. Ich schlinge meine Beine um ihn, er öffnet meine Knöpfe, entblößt meine Brüste, ich schlüpfe aus den Ärmeln und lasse das Hemd zur Seite fallen.
Aus dem Augenwinkel sehe ich einen Schein, zu groß für das Teelicht. Mit einem Ruck schiebe ich C. von mir und springe auf. Das Hemd brennt. Ich wische es von der Holzplatte auf den Steinboden, C. hebt es am bisher verschont gebliebenen Kragen auf, wirft es ins Waschbecken und lässt Wasser drüberlaufen – alles gut. Ich greife den Kragen, halte das Hemd in die Luft und schaue den verkohlten Saum an. „Tut mir leid“, sage ich zerknirscht. C. lacht und zuckt mit den Schultern. „Macht nichts. Das war eh schon alt.“
Ich ziehe mir ein Sweatshirt und eine Hose über, und wir trinken erst einmal einen Wein. Wir reden über unsere Arbeit, seine Kinder, was wir in den letzten Tagen gemacht haben. C. fängt wieder an zu lachen und blickt in Richtung Hemd, das über einer Stuhllehne hängt zum Trocknen. „Du hast sexy darin ausgesehen.“
Ich denke übers Putzen nach
Er steht auf, geht um den Tisch herum auf meine Seite, beugt sich zu mir herunter und küsst mich, seine Hand gleitet unter mein Sweatshirt. Er zieht mich nach oben, knutschend stolpern wir in Richtung meines Schlafzimmers, C. zieht mir das Sweatshirt über den Kopf und sieht sich im Schlafzimmer um, sein Blick bleibt an meinem Spiegelschrank hängen, er grinst und steuert uns darauf zu. Wir ziehen uns aus, er dreht mich um, sodass ich in den Spiegel schaue.
Darin sehe ich meinen nackten Körper, seinen, der sich an mich drängt, seine Hände, die meine Brüste umfassen, seine Lippen, die meinen Hals küssen. Es ist, als betrachtete ich uns von außen, wie wir eine kitschige Sexfantasie ausprobieren.
Ich habe wie schon die vergangenen Male mit ihm den Eindruck, Sex mehr zu performen, als mich von Leidenschaft geritten kopflos hineinzubegeben. Wir hatten schon Sex an die Wohnungstür gelehnt, im Türrahmen, auf der Küchenanrichte, im Bett, zwischen Kinderspielzeug und unter Beobachtung seiner Katzen. Jetzt also vor dem Spiegel. Das gibt Fingerabdrücke.
Während ich nackt übers Putzen nachdenke, holt C. ein Kondom. Mit einem Finger testet er, ob ich feucht bin – das bin ich, trotz allem. Er gleitet in mich hinein. Durch den Spiegel schaue ich dabei zu, wie er sich vor und zurück bewegt und sich dabei an mir festhält, während ich mich mit den Händen am Spiegel abstütze und aufpasse, nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Ich muss lachen. Erst fängt das Hemd Feuer, dann diese Spiegel-Performance hier – ein heißes Date stelle ich mir anders vor. C. lacht auch, wir gehen ins Bett.
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