Qualifikation zur Fußball-WM: Eine der spannendsten Linksverteidigerinnen der Welt
Franziska Kett hat sich nicht nur beim FC Bayern durchgesetzt. Dank der Nationalelf ist sie auch im internationalen Fußball etabliert.
Franziska Kett muss nicht lange überlegen, warum sich deutsche Nationalspielerinnen dieser Tage in Herzogenaurach so wohlfühlen. „Super Bedingungen, super Wetter“, urteilte die 21-Jährige, die in ihrem niederbayrischen Akzent auch gleich erklärte, warum sie sich auf die beiden WM-Qualifikationsspiele der DFB-Frauen gegen Österreich in Nürnberg (14. April, 18.15 Uhr) und vier Tage später in Ried im österreichischen Innkreis (18. April, 18 Uhr) besonders freut. „Ich wohne sehr nahe an Österreich, auch ein Teil der Familie. Die kommen alle zum Spiel nach Ried, nach Nürnberg sowieso.“ Es sei ihr klarer Anspruch, zwei „spannende und coole Duelle“ zu gewinnen.
Es ist inzwischen gar keine Frage, wer bei den deutschen Fußballerinnen links hinten verteidigt, denn Bundestrainer Christian Wück setzt mit Blickrichtung auf die WM 2027 in Brasilien, aber auch die Heim-EM 2029 voll auf die elffache Nationalspielerin, die noch in der Vorsaison beim FC Bayern einen ziemlich schweren Stand hatte. Es musste erst der Talentförderer Wück kommen, um ihre Qualitäten zu fördern.
„Vor der EM in der Schweiz war ich häufig verletzt und bin selten zum Zug gekommen. Der Bundestrainer hat mir das Vertrauen und die Chance gegeben, mich auf internationaler Ebene zu zeigen“, sagt Kett nun. „Seitdem habe ich mich bei den Bayern und der Nationalmannschaft etabliert. Ich bin Christian Wück und dem ganzen Trainerteam sehr dankbar.“ Ohne die DFB-Auswahl als Karrierebeschleuniger hätte sich Kett kaum zu einer der weltweit spannendsten Linksverteidigerinnen entwickelt.
Bundestrainer Christian Wück über Franziska Kett
Als vor dem EM-Viertelfinale gegen Frankreich die Frage aufkam, ob anstelle der verletzten Sarai Linder auch die Turniernovizin Kett verteidigen könne, zählte der Bundestrainer bloß ihre Vorzüge auf: „Schnelligkeit, linker Fuß, Wille, Einsatzbereitschaft, Zweikampfverhalten“. Jenes Drama mit Happy End im St.-Jakob-Park beschrieb Kett als „besonderen Moment“ ihrer Entwicklung: „Dadurch bin ich selbstbewusster geworden und habe einen Sprung nach vorne gemacht.“
Erfolgreich zurückbeordert
Auch beim bitteren Halbfinalaus gegen Spanien im vergangenen Sommer verteidigten mit Carlotta Wamser rechts und Kett links zwei EM-Entdeckungen, die zuvor keiner wirklich auf dem Zettel hatte – und die weder in München noch in Frankfurt bis dahin wirklich wertgeschätzt wurden. Wamser wie Kett galten in jungen Jahren als klassische Außenangreiferinnen, die mit ihrem Tempo gegnerische Abwehrreihen überlaufen, aber taktisch noch Feinschliff benötigten.
Erst Wück identifizierte beide als mögliche Alternativen in der Viererkette. Dass Kett jüngst bei den Bayern in den Champions-League-Viertelfinals gegen Manchester United (3:2, 2:1) als Linksaußen agierte, lag am verletzungsbedingten Fehlen von Klara Bühl. „Dadurch, dass ich früher oft weiter vorne gespielt habe, weiß ich, wie man als Außenstürmerin vorgeht. Trotzdem sind vorne die Abläufe andere als hinten.“ Immerhin könne sie ihre Schnelligkeit „auf beiden Positionen gut einsetzen“.
Kett geht davon aus, dass sie nach Bühls Rückkehr im Verein wieder „die Rolle hinter ihr einnehmen“ werde. Gegenüber ihrer 33 Jahre alten Konkurrentin Carolin Simon bringt sie deutlich mehr Dynamik ein und hat sich auch im Spielverständnis verbessert. In den Nations-League-Duellen gegen Frankreich und Spanien bot sie teilweise Leistungen nahe an der Weltklasse.
Spannend werden bald die Champions-League-Halbfinals mit den Bayern gegen den FC Barcelona (25. April und 2. Mai). „Wir haben eine Riesenchance, Geschichte zu schreiben und vielleicht ins Finale einzuziehen“, blickt Kett voraus. „Wir wissen, dass eine Weltklassemannschaft auf uns zukommt. Da müssen wir einfach in zwei Spielen mehr als 100 Prozent geben. Aber ich glaube trotzdem, dass wir das Zeug haben, auch Barcelona zu schlagen.“
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