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Angeblicher Genozid am sowjetischen VolkKreml schafft Gulag-Museum ab

Nur wenige Orte in Russland erinnern an die Opfer der Stalin-Herrschaft. Ein Museum soll künftig an den „Völkermord am sowjetischen Volk“ erinnern.

Die Eröffnung des Gulag History Museum in Moskau am 30. Oktober 2015 Foto: Maxim Shipenkov/epa

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Das Gulag-Museum in Moskau galt lange Zeit als eine der wenigen institutionellen Zufluchtsstätten, die an die Opfer Stalins erinnern. Künftig soll es abgeschafft und in ein „Museum der Erinnerung“ umgewandelt werden. Im Mittelpunkt soll dann nicht mehr die Erinnerung an die Verbrechen des Stalinismus stehen, sondern der vom Kreml sogenannte „Völkermord am sowjetischen Volk“ durch Nazi-Deutschland.

Die Umgestaltung ist kein Zufall, sondern Teil eines größeren Projekts. Statt die historische Erinnerung zu verdrängen, will der Kremls sie vollständig durch eine konkurrierende Erzählung ersetzen, analysiert „Meduza“. Eine Erzählung, die politisch anschlussfähig ist und den mittlerweile seit mehr als vier Jahren andauernden Krieg gegen die Ukraine ideologisch stützt.

Das „Museum der Erinnerung“ soll in jenes Gebäude ziehen, in dem sich bis zur Schließung im November 2024 das Gulag-Geschichtsmuseum befand. Offiziell wurde es wegen „Verstößen gegen Brandschutzvorschriften“ geschlossen. Erste Repressionen begannen, nachdem der Direktor, Roman Romanov, sich geweigert hatte, eine Ausstellung über sowjetische Repressionen zu zensieren, berichtet „Meduza“.

Die Sammlungen der alten Einrichtung sollen eingelagert werden. Die neue „Genozid-Ausstellung“ soll sich Berichten zufolge auf Archive aus dem Projekt „No Statute of Limitations“ stützen, das bereits in russischen Klassenzimmern angekommen ist. Dort haben Schulen inszenierte Gedenkfeiern organisiert, bei denen Schü­le­r:in­nen auch für die Opfer der Nazis niederknien mussten.

Putin schafft sich seine eigene Geschichtsschreibung

Das Konzept des „Völkermords am sowjetischen Volk“ entbehrt in der offiziellen Geschichtsschreibung über die Sowjetzeit und im etablierten Völkerrecht jeglicher Grundlage. Im Juli 2020 führte Wladimir Putin ihn willkürlich in den öffentlichen Diskurs ein. Die Verbrechen der Nazis gegen sowjetische Bür­ge­r:in­nen hätten, so sagte er in einer Rede, „keine Verjährungsfrist“. Sie sollten sowohl im Inland als auch weltweit als Genozid anerkannt werden.

Die russischen Gerichte handelten prompt: Noch im Oktober 2020 erkannte ein Gericht die Massenmorde während des Zweiten Weltkriegs erstmals als Völkermord an. Zwei Jahre später erhielt auch die Belagerung von Leningrad diese Einstufung. Im April 2025 folgte schließlich das Gesetz zur „Bewahrung der Erinnerung an die Opfer des Völkermords am sowjetischen Volk“. Seitdem haben Abgeordnete der Staatsduma strafrechtliche Sanktionen für die „Leugnung des Völkermords“ vorgeschlagen.

Natalja Kalaschnikowa wird die Leitung des neuen Museums übernehmen. In Russland gilt sie als Kriegsveteranin; sie trägt mehrere Medaillen, weil sie an der „militärischen Spezialoperation“ in der Ukraine teilnimmt. Fast monatlich reist sie an die Front in dem überfallenen Land. Was sie dort genau macht, ist unbekannt.

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9 Kommentare

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  • "Natalja Kalaschnikowa (...) als Kriegsveteranin; sie trägt mehrere Medaillen, weil sie an der „militärischen Spezialoperation“ in der Ukraine teilnimmt. Fast monatlich reist sie an die Front in dem überfallenen Land."



    Was steht am Ende der neuen Erzählung? Erneut die Begründung für einen Überfall, um in anderen Staaten eine "(Neo)Nazi-Herrschaft" zu beenden?



    2022 nordkurier.de



    "Mit einer großen Militärparade in Moskau feiert Kremlchef Putin den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg und schlägt einen Bogen zum Krieg gegen die Ukraine."



    Dann wären wir im Visier für Vollinvasion?



    "Am 24. Februar hatte der Kremlchef einen Einmarsch in der Ukraine befohlen – unter anderem mit der Begründung, dass die in die Nato strebende Ex-Sowjetrepublik „entmilitarisiert” werden müsse. Alles habe darauf hingewiesen, dass eine Konfrontation mit den „Neonazis” in Kiew, auf die die USA gesetzt hätten, unausweichlich gewesen sei, meinte er. Putin behauptete, ein Angriff von ukrainischer Seite auf die prorussischen Separatistengebiete in den Regionen Luhansk und Donezk habe unmittelbar bevorgestanden – auch auf die Schwarzmeer-Halbinsel Krim, die Russland 2014 annektiert hatte."

  • „Das Konzept des „Völkermords am sowjetischen Volk“ entbehrt in der offiziellen Geschichtsschreibung über die Sowjetzeit und im etablierten Völkerrecht jeglicher Grundlage.“



    Das stimmt so nicht: es ist weitgehend unbestritten, dass die deutsche Kriegsführung im Krieg gegen die SU genozidal war – in der Planung („Hungerplan“) wie in der Praxis (man denke nur an die Blockade von Leningrad). Bei aller berechtigten Kritik an Russland sollte man sich davor hüten, den deutschen Vernichtungskrieg zu relativieren.

    • @O.F.:

      Wer ist „man“ mit dem Sie sich weitgehend einig sind?

  • Ich meine ein Bild der Kalaschnikowa entdeckt zu haben. Einfach den Namen eintippen und auf Bilder zeigen klicken:



    NATALIA KALASHNIKOVA: FOCUS ON THE FUTURE THROUGH HISTORY.

  • War da nicht so etwas Ähnliches auch in einem anderen Staat?? Ach ja, in den USA werden ebenfalls Museen geschreddert, die an die unrühmliche Geschichte erinnern. Was für Parallelen....

    • @Perkele:

      Diktator gegen scheiternden möchtegern Diktator.

      • @Horst Sörens:

        Scheiternd? Hoffentlich!!

  • Einfach nur grotesk. Wer gedenkt jetzt an die Toten der Stalin-Ära: Die Gesamtzahl der Opfer ist nicht bekannt und schwer zu verifizieren. Schätzungen von Historikern reichen von einer Million bis zu 22 Millionen Toten.

  • Nomen est Omen - möchte man meinen, bei dem Namen der Direktorin.