Demos gegen Migration in Polen: Das Volk ist im Urlaub
In 80 polnischen Städten soll „das Volk“ gegen die angebliche „Invasion Polens“ protestiert haben. Mehr als ein paar Tausend kamen nicht zusammen.
I n 80 polnischen Städten soll „das Volk“ gegen die angebliche „Invasion Polens“ durch „Migranten, Kriminelle und Vergewaltiger“ protestiert haben. Am Samstag um Punkt 12 Uhr soll es überall gleichzeitig losgegangen sein, wie die rechtsextreme, antisemitische und ausländerfeindliche Partei Konfederacja verbreitete. Doch das Ganze war lediglich eine gut inszenierte Parteidemonstration. Mehr als ein paar Tausend zumeist halb nackte und muskelbepackte „Hier ist Polen!“-Schreier kamen landesweit kaum zusammen.
Der Grund ist ganz einfach: Das Volk ist im Urlaub. Zwar gab es auch etliche Gegendemos „gegen die Faschisten“, aber innerhalb von gerade mal einer Stunde war auch das vorbei, und alle gingen friedlich zurück an den Strand oder zum Mittagessen nach Hause.
Die Konfederacja wird den angeblichen Volksaufstand gegen die Migranten dennoch als Erfolg für sich verbuchen: Mangels anderer Themen berichteten polnische und internationale Medien breit über die Demos, ließen die Konfederacja-Redner ausführlich zu Wort kommen, zeigten die ausländerfeindlichen Transparente und einen Angriff von Hooligans des Fußballklubs Legia Warszawa auf einige Gegendemonstranten.
Die Partei wird auch in den nächsten Monaten immer wieder mit Ausländerhetze, Judenhass und Angstmache um die Aufmerksamkeit der Medien buhlen. Denn sie hat Mitte Mai bei der ersten Runde der Präsidentenwahlen einen Überraschungssieg eingefahren, mit dem niemand gerechnet hatte: Mehr als eine Million Polen stimmten für Grzegorz Braun, einen notorischen Antisemiten. Diese Wähler sollen bei Laune gehalten werden. Denn die Konfederacja, die schon im polnischen Parlament vertreten ist, will bei den nächsten Parlamentswahlen 2027 den Sprung in die Regierung schaffen.
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Immerhin, die Unterstützung des Noch-Präsidenten Andrzej Duda und des künftigen polnischen Staatsoberhaupts Karol Nawrocki hat die Partei. Deren Beteiligung an den selbst ernannten Bürgerwehren gegen nichtweiße „Illegale“ an der deutsch-polnischen Grenze lobten die beiden Politiker in den höchsten Tönen.
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