Drogenmissbrauch in Deutschland: So viele Tote wie noch nie
Die Zahl der Toten in Deutschland durch eine Überdosis steigt laut Statistik auf ein Rekordhoch. Das Durchschnittsalter liegt bei 41 Jahren.

Blienert schätzt die Lage nach eigenen Worten als „sehr ernst“ ein. „Mit 2.227 Drogentoten haben wir die höchste Zahl, die je registriert wurde – und ich befürchte, dass es in der Realität noch mehr Drogentodesfälle gibt.“ Es gebe „viel zu wenige toxikologische Gutachten und Obduktionen“.
Unter den Toten waren 1.844 Männer und 383 Frauen. Das Durchschnittsalter lag bei 41 Jahren, es stieg damit weiter an. Bei etwa zwei Dritteln der Toten – 1.479 Fälle – sei ein Mischkonsum verschiedener illegaler Substanzen festgestellt worden, 34 Prozent mehr als im Jahr 2022.
Heroin war nach den vorliegenden Daten bei 712 Todesfällen die ursächliche Droge, womit es nach wie vor die am häufigsten mit Todesfällen verbundene Substanz war. Die Tendenz sei aber leicht rückläufig.
Deutliche Anstiege von 507 Fällen auf 610 Fälle gab es im Zusammenhang mit Kokain und Crack. Bei Opiatsubstitutionsmitteln wie zum Beispiel Methadon oder Buprenorphin gab es einen noch deutlicheren Anstieg von 528 auf 654 Todesfälle. Auch die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Metamphetaminkonsum erhöhte sich signifikant von 47 auf 122 Fälle.
Suchtberatungen in Geldnot
Laut Blienert geht der Trend global zu preiswerteren und stärker wirksamen Opioiden und Stimulanzien, die von global agierenden Kartellen in die Märkte gedrückt werden. Gleichzeitig steige das Angebot an Kokain in Deutschland und Europa stark an. Es müssten nun die Präventions-, Beratungs- und Hilfesysteme fit gemacht werden.
Laut Einschätzung von Christina Rummel, Geschäftsführerin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), steht die Suchtberatung in Deutschland finanziell mit dem Rücken zur Wand: „Erste Ergebnisse einer deutschlandweiten Befragung der DHS zeigen, dass Dreiviertel der öffentlich finanzierten Suchtberatungsstellen ihre Kosten in diesem Jahr nicht decken können.“ Beratungsangebote müssten deswegen eingeschränkt oder die Dienste komplett gestrichen werden. „Hilfsbedürftige Menschen mit Suchterkrankungen können somit nicht mehr adäquat versorgt werden.“
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