petition der woche

Dieses Land ist Müll und gehört weggeräumt

Anlass der Petition Etwa 150 Millionen Tonnen Plastikmüll schwimmen in den Ozeanen.

Das wollen die Initiatoren Die Trash Isles als Nation anerkennen lassen.

Das wollen sie wirklichPlastikmüll aus den Meeren verbannen.

Für den sonnenhungrigen Reisenden, dies gleich vorweg, bieten diese Inseln nur wenige Annehmlichkeiten eines typischen Südsee-Urlaubs. Zwar ist die Küste erfreulich unverbaut, das Wetter subtropisch warm und der Ansturm von Pauschaltouristen bleibt bisher aus. Der Nachteil: Wenn man hier seinen Liegestuhl aufstellt, geht er unter. Willkommen auf den Trash Isles – der inzwischen größten Ansammlung von Plastikmüll in den Weltmeeren.

Riesige, kreisförmige Strömungswirbel in den Ozeanen treiben hier alles zusammen, was an schwimmenden Abfällen ins Meer gelangt. Plastiktüten, Fischernetze, Kanister, verlorene Flipflops und alles andere, was unsere Zivilisation an Abfall hinterlässt, verdichten sich zu einem Teppich. Der kompakteste Kern dieses Great Pacific Garbage Patch zwischen Mexiko und Hawaii ist inzwischen größer als das gesamte Staatsgebiet von Frankreich, Tendenz steigend.

Die Plastic Oceans Foundation will dies ändern, zusammen mit den Social-Media-Publi­shern ­LADbible, die sich auf die Herstellung von viralen Videos verstehen. Sie wollen die Trash ­Isles als eigenen Staat von den Vereinten Nationen anerkennen lassen und so die Anrainerstaaten nach internationalem Recht zum Aufräumen verpflichten. Denn nach der Deklaration der Vereinten Nationen von Rio aus dem Jahr 1992 verbietet das Prinzip der Souveränität allen Staaten, Umweltschäden auf dem Gebiet anderer Staaten zu verursachen.

Die Idee scheint zunächst weit hergeholt, zumal es mit einer elementaren Voraussetzung für eine Staatsgründung – dem festen Staatsgebiet – bei den sogenannten Müllinseln nicht weit her ist. Tatsächlich, so die Ozeanografin Angelique White von der University of Oregon, handele es sich eher um eine „diffuse Suppe“ von Plastikteilen verschiedener Größen. Aber die Ausmaße der Umweltkatastrophe sind deswegen nicht weniger bestürzend. Im Jahr 2050, schätzt die Ellen MacArthur Foundation für nachhaltige Wirtschaft, wird die Masse an Plastik im Meer größer sein als die Masse an Fisch.

Das liegt zum einen daran, dass der Plastikmüll stetig zunimmt – etwa 8 Millionen Tonnen davon landen jedes Jahr im Meer. Gleichzeitig werden durch die Umweltverschmutzung auch die Meerestiere weniger. Fische, Seevögel und Säugetiere verfangen sich in den Netzen und Folien und ersticken, oder sie verhungern, weil sie den Magen voll mit Plastik haben. Plastik wird kaum biologisch abgebaut. Und durch das Reiben der Wellen werden die Teilchen zwar kleiner, die Probleme aber größer. Gesundheitsschädliches Mikroplastik durchzieht inzwischen die gesamte Nahrungskette: es steckt in Plankton, Fischstäbchen und in Menschen.

Immerhin, weitere Voraussetzungen für eine Staatsgründung der Trash Isles haben die Initiatoren auf den Weg gebracht: Schauspielerin Judy Dench schwingt als Monarchin ihr wohlwollendes Zepter über der Insel, und der ehemalige US-Vizepräsident und bekennende Naturfreund Al Gore ist der erste Ehrenbürger des Landes. Auch eine Landesflagge und eine Währung, den „Debris“ (Trümmer), gibt es schon. Und die Bevölkerung erfreut sich eines gesunden Wachstums: Über 190.000 Menschen haben die Petition bis Redaktionsschluss unterzeichnet und sind somit nach Landessitte Staatsbürger. Niklas Vogel