Die Peinlichkeit der E-Scooter: Im Prinzip sind unsere Rollen klar
Wildes Piepen auf dem Bürgersteig und dysfunktionale QR-Codes können einem schon mal die Schamesröte ins Gesicht treiben.
W ie immer, wenn ich etwas zum ersten Mal mache, überwältigen mich die unbekannten Reize und überbordenden Versagensängste. „Wie machen die ganzen Kids das nur?“, keuche ich, während ich mit schwitzigen Händen versuche, einen QR-Code zu scannen. Meine Aufregung ist lächerlich, übertroffen nur noch davon, mit welcher Peinlichkeit ich hoffe, dass mich niemand in meinem Elend beobachtet.
Ein älterer Mann im Elektromobil bleibt neben mir stehen und schaut grummelig auf die E-Scooter, an denen ich gerade herumhantiere. Meine Ohren werden heiß. Auch das noch. „Ich schwöre, ich bin keiner von denen, die diese Scheißteile überall rumstehen lassen und rücksichtslos fahren!“, möchte ich mich flehend rechtfertigen, stattdessen bringe ich nur einen nutzlosen Kommentar heraus: „Immer stehen die Dinger im Weg, echt mega scheiße.“ Der Mann starrt mich wortlos an und bedeutet mir, dass ich ihm Platz machen soll. Vorbeigekommen wäre er sicher auch so.
Aber es geht ums Prinzip, und im Prinzip sind unsere Rollen klar verteilt. Ich hieve also beschämt die Rollerflotte zur Seite. Mächtig schwere Kolosse, die zu meinem Unglück jetzt auch noch anfangen, laut piepend zu protestieren. Mein Plan, gewissenhaft den Anweisungen der Jelbi-App Folge zu leisten, um möglichst unbemerkt davonzukommen, ist damit endgültig gescheitert.
Es wird den Mitarbeitenden kein Trost sein, aber zumindest eines hat der BVG-Streik gebracht. Denn die App der Berliner Verkehrsbetriebe – als zu teuer kritisiert, trotz Kampagne nie so richtig in Fahrt gekommen – nutze ich, wie die E-Scooter vor mir, zum ersten Mal. Sie ist super. Die App sollte bekannter werden. Ich hoffe trotzdem, sie nie wieder nutzen zu müssen.
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