Väter kennen diesen Trick: Heute ist es ein Schnitzel
Auf dem Spielplatz lässt sich beim Trockenwerden gut orakeln. Vor allem wenn zur Belohnung „Lambada“ erklingt.
W as hast du da eigentlich Sperriges in deinem Rucksack?“, frage ich Cedric. Wir sind auf dem Spielplatz im Krausnickpark in Mitte. Anouk schaukelt. „Anouks Töpfchen.“ „Du schleppst ihr Töpfchen durch Berlin?“ „Sie wird gerade trocken. Sie trägt keine Windel. Da muss ich schnell handeln können. Wechselsachen und eine Notfallwindel habe ich auch dabei.“ „Wenn sie muss, holst du also das Töpfchen raus?“ Cedric nickt.
Es gibt Dinge, die ich bei meinen Töchtern nicht gemacht habe, denke ich. Wie aufs Stichwort kommt Anouk zu uns. „Ich muss kackern“, sagt sie und zieht die Hose runter. Und schon sitzt sie auf ihrem Topf und macht ein angestrengtes Gesicht.
Ich lasse meinen Blick über den Spielplatz wandern. Er ist gut gefüllt. Auf einem Töpfchen sitzt sonst niemand. Es scheint sich aber auch keiner daran zu stören, dass Anouk auf ihrem sitzt.
Ich spitze die Ohren. „Das ist doch der Lambada-Song aus den 80ern. Ist das der Klingelton von einem Handy?“ Ich sehe mich suchend um. Cedric grinst. „Was?“ Er deutet auf Anouk. „Mit meiner Pipi und Kacka kann ich die Musik einschalten“, sagt sie stolz. „Musical potty chair“, sagt Cedric.
„No way“, sage ich. Anouk ist fertig und steht auf. Sie schaut in ihr Töpfchen. Lange. Sehr lange. „Was macht sie da?“, flüstere ich Cedric zu. „Sie betrachtet ihr Werk.“
Jetzt stützt sie die Hände in die Seiten. „Machen ihre Freundinnen im Kindergarten das auch?“ „Keine Ahnung.“ „Ich meine, ist das normal?“ Cedric zuckt mit den Schultern. „Die eine blickt in die Wolken, der andere liest im Kaffeesatz, eine dritte aus der Hand. Und Anouk schaut in ihr Töpfchen.“
„Gestern habe ich eine Blockflöte gekackert“, sagt Anouk. Die Hose hängt ihr noch immer in den Kniekehlen. „Und übergestern einen Tiger.“ „Am Samstag war es eine Prinzessin auf einer Ritterburg“, sagt Cedric. „Ziemlich beeindruckend.“ „Too much information“, sage ich.
Anouk sieht wieder in ihr Töpfchen. „Heute ist es ein Schnitzel“, sagt sie.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert