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Kinder fragen, die taz antwortetWarum radiert ein Radiergummi?

Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Charlotte, 6 Jahre alt.

Das Gummi zieht stärker an den Stückchen der Bleistiftschrift, als diese am Papier haften Foto: Richard Drury/getty images

Schreibst du manchmal mit einem Bleistift? Wenn dir ein Buchstabe nicht so gut gelungen ist oder du ein Wort nicht richtig geschrieben hast, dann kannst du ein Radiergummi nutzen, um den Fehler zu korrigieren. Auf dem Papier kommt es dann zu einem echten Kräftemessen. Und was genau da passiert, hat viel mit „Adhäsion“ zu tun.

Ein kompliziertes Wort! Es klingt ein wenig, als könnte es eine griechische Sagengestalt sein, „Der tapfere Adhäsion und seine Gefährten“ oder so. Das Wort leitet sich aber ab vom Lateinischen „adhaerere“, und das heißt auf Deutsch „anhaften“. Damit sind wir auf der richtigen Spur: Adhäsion ist, wenn zwei unterschiedliche Stoffe aneinanderzukleben scheinen, ohne dass zum Beispiel Klebstoff im Spiel ist. Adhäsion sorgt dafür, dass du auf dem Fahrrad in der Kurve nicht sofort hinfällst. Oder dass Wassertropfen auf einem Blütenblatt haften bleiben.

Adhäsion ist auch am Werk, wenn du mit dem Bleistift schreibst. Der Strich, den so ein Stift auf dem Papier hinterlässt, besteht aus vielen kleinen Grafitstückchen – aus Grafitstaub, der von der Bleistiftspitze abgerieben wird und am Papier haftet. Schreib mal ein Wort, und schüttle danach das Papier. Natürlich bleibt die Schrift, wo sie ist, sonst dürftest du ja auch kein Schulheft hochkant in die Tasche stecken.

Aber manchmal ist es halt auch lästig. Wenn wir uns verschrieben haben. Das Radiergummi ist die Lösung. Zwischen dem feinen Grafitstaub und dem reibenden Gummi ist die Adhäsion stärker als zwischen Grafit und Papier. Man könnte auch sagen, das Gummi zieht stärker an den Stückchen der Bleistiftschrift, als diese am Papier haften. Dass Gummi diese Eigenschaft hat – oder genauer der Stoff, aus dem Gummi gemacht wird –, das hat im Jahr 1770 ein englischer Optiker und Musikinstrumentenbauer entdeckt. Edward Nairne ist sein Name.

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„Radieren“ stammt übrigens auch von einem lateinischen Verb ab: „radere“, auf Deutsch „kratzen“ oder „schaben“. Vielleicht kennst du Radiergummis mit einer roten und einer blauen Seite? Das blaue ist ein raueres Material, das nicht nur Grafitstaub mitnimmt, sondern auch das Papier darunter abreibt. Auf diese Weise lässt sich auch mit dem Füller Geschriebenes wegradieren. Aber Vorsicht: Ist das Papier sehr dünn, hast du ganz schnell Löcher hineinradiert. Und dann musst du doch alles noch mal ganz von vorne schreiben.

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2 Kommentare

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  • Eine interessante Erklärung, die Wirkung der Adhäsionskräfte, um etwas zum Verschwinden zu bringen.



    "Dass Gummi diese Eigenschaft hat – oder genauer der Stoff, aus dem Gummi gemacht wird –, das hat im Jahr 1770 ein englischer Optiker und Musikinstrumentenbauer entdeckt."



    Um etwas zum Klingen zu bringen, benutzen Musiker*innen Kolophonium, ein Harz. Wenn die Saiten mit dem Bogen aus Rosshaar angestrichen werden, entsteht ein kräftiger Ton. So ist fast ein umgekehrter Effekt wie beim Radieren möglich, wo die Schrift zum Verschwinden kommt.

    • @Martin Rees:

      „zum Verschwinden zu bringen."



      Als (auch) Bleistiftschreiber, der viel radiert stelle ich fest, dass nix verschwindet. Auf meinem Schreibtisch steht darum ein kleiner Sammelbehälter für diese Krümel... 📥😊



      (Dass im Geburtsjahr Beethovens ein Optiker quasi das Kolophonium entdeckte ist bemerkenswert.)