Zukunft des RAW-Geländes: Clubkultur gegen Investorenträume
Die Bars, Clubs und Ateliers auf dem RAW-Gelände kämpfen um ihre Existenz. Jetzt starten sie eine Plakataktion – und hoffen auf eine günstige Wendung.
An der unverputzten Wand des Clubs Crack Bellmer auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain sind die Motive schon mal zu sehen. Sie zeigen Impressionen vom Treiben auf dem Areal, etwa Skater, die hier in Berlins einziger Skate-Halle üben, oder Tanzende, die gerade im Cassiopeia feiern.
Bald sollen sie auf Plakaten in der ganzen Stadt hängen. Die Aktion ist Teil der Kampagne „Berlin ist RAW“, die die soziokulturellen Institutionen des Geländes jetzt starten. Am Dienstag wurde sie vorgestellt, der Slogan dazu lautet: „Wenn der Kiez lebt, pulsiert die Stadt.“ Auf diese Weise wolle man die Vielfalt des RAW-Geländes in den Vordergrund stellen und nicht „den Konflikt“, betont Florian Falkenhagen, Betreiber des Clubs Cassiopeia und Sprecher des Zusammenschlusses der Clubs, Bars und anderen Kultureinrichtungen.
Konflikt ist freilich eine milde Formulierung für die verfahrene Situation, in der sich die Akteure des RAW-Geländes befinden. Die meisten von ihnen haben keine laufenden Mietverträge mehr, die weitere Nutzung ihrer Räumlichkeiten wurde ihnen inzwischen seitens des Eigentümers des größten Teils des RAW-Geländes untersagt.
Das Immobilienunternehmen Kurth hat mit diesen Maßnahmen seine Unzufriedenheit mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg auf ziemlich drastische Weise zum Ausdruck gebracht. Kurth will schon lange auf seinem Teil des Geländes bauen, ein gemeinsam mit dem Bezirk erarbeiteter Aufstellungsbeschluss besteht bereits.
Deal einseitig aufgekündigt
Doch seit einer Weile bekundet Geschäftsführer Lauritz Kurth, dass ihm die Ausarbeitung des Bebauungsplans zu lange dauere. Er fühle sich vom Bezirk ausgebremst. Besonders unzufrieden zeigte er sich gegenüber der seiner Meinung nach verschleppten Finalisierung eines ganz besonderen Deals zwischen ihm und dem Bezirk.
Dieser sieht vor, dass Kurth nur dann in großem Stil seinen Teil des RAW-Geländes bebauen darf, wenn er gleichzeitig den bereits ansässigen Einrichtungen für mindestens 30 Jahre weiterhin günstige Mietkonditionen gewährt. So soll nach Wunsch des Grünen-Baustadtrats von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt, die gewachsene Infrastruktur aus Ateliers und Kultureinrichtungen weiterhin erhalten bleiben. Doch genau diesen Deal hat Lauritz Kurth einseitig aufgekündigt.
Man befinde sich also in einer ziemlich diffizilen Lage, räumt Florian Falkenhagen am Dienstag ein. Man betreibe seine Läden gerade ja gewissermaßen illegal. Aber Schwierigkeiten wie diese nehme man gerne hin, wenn am Ende doch noch alles gut wird für die soziokulturellen Einrichtungen. Der Bezirk und Kurth verhandelten gerade wieder – und es sehe ganz gut aus, sagt er optimistisch. Details könne er aktuell nicht nennen, bis Mitte/Ende Mai erwarte man Ergebnisse.
Der Aushandlungsprozess wird damit aber ziemlich sicher noch nicht abgeschlossen sein. Kurth will inzwischen selbst anders bauen, als bislang geplant, weniger Büros, dafür Wohnungen. Für ein derartiges Vorhaben müssten jedoch beispielsweise weitere aufwendige Schallschutzprüfungen vorgenommen werden, damit sich kulturelles Treiben auf dem Gelände und zukünftige Anwohnende nicht in die Quere kommen. Es wird also spannend bleiben bei der Frage, welche Zukunft das RAW-Gelände am Ende wirklich erwartet.
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