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Zellulosewerk in GalicienUmweltschützer feiern das Aus des Megaprojekts

Das Unternehmen Altri wollte im spanischen Ulloa im großen Stil Zellstoffe für die Textilindustrie produzieren. Warum das nun vom Tisch ist – erst mal.

Reiner Wandler

Aus Madrid

Reiner Wandler

Die Umweltbewegung im nordwestspanischen Galicien kann sich einen wichtigen Sieg auf die Fahne schreiben. Der konservative Chef der Regionalregierung, Alfonso Rueda, bestätigt, dass das Genehmigungsverfahren für ein riesiges Zellulosewerk im kleinen Ort Palas de Rei in der Provinz Lugo zu den Akten gelegt wird. Diese Entscheidung kommt nach jahrelangen Protesten für ein „Ulloa Viva“ – ein „Lebendiges Ulloa“. Ulloa lautet der Name der Region, wo das Werk entstehen sollte.

Das portugiesische Unternehmen Altri „erhält keine Entschädigung“, sagte der Regionalpräsident. In den vergangenen Jahren pries er das Werk, das er jetzt nicht genehmigt, immer wieder als „strategisch wichtig“ an. Die Schuld an der Ablehnung habe, so Rueda, die spanische Zentralregierung. Der öffentliche Netzbetreiber Red Eléctrica Española (REE) würde Altri keinen Anschluss legen. Ein Netzausbau für die Provinz Lugo sei bis mindestens 2030 nicht vorgesehen. Die Altri-Geschäftsführung habe, trotz Aufforderung, keinen Plan B vorgelegt.

Das Werk, das von Greenfiber, einer Tochter des Zellstoffkonzerns Altri, betrieben werden sollte, war für eine Jahresproduktion von 200.000 Tonnen Lyocell, einer Naturfaser aus Zellstoff, konzipiert. Diese Fasern sollten an die Textilindustrie geliefert werden. Zusätzlich sollten 200.000 Tonnen unverarbeiteter Zellstoff produziert werden. Galicien und das angrenzende Portugal weisen riesige Eukaplyptus-Monokulturen auf, die einheimische Wälder verdrängt haben. Auch Greenfiber wollte dieses Holz verarbeiten.

„Die Ankündigung der galicischen Regierung ist ein großer Erfolg, den wir feiern müssen“, heißt es in einer Erklärung der Umweltorganisation Ecologistas en Acción. Seit 2022, als die Pläne bekannt wurden, kam es immer wieder zu großen Protesten – auch entlang des Flusses Ulla, eines Nebenfluss des Arosa, der in den Atlantik fließt. Dort machten auch Fischer und Muschelsammlerinnen gegen Altri mobil.

Altri versprach 2.500 Arbeitsplätze

Das Unternehmen wollte jährlich 46 Millionen Liter Wasser aus dem Ulla entnehmen. 30 Millionen Liter sollen nach der Produktion in den Fluss zurückgeleitet werden. Über einen 75 Meter hohen Schornstein sollten Abgase des Werkes ausgestoßen werden. Diese hätten – das gestand sogar Altri ein – trotz Reinigung Reste an Schwefel, Stickoxiden und Kohlenmonoxid sowie Staub enthalten.

Die Ankündigung der galicischen Regierung ist ein großer Erfolg, den wir feiern müssen

Erklärung der Umweltorganisation Ecologistas en Acción

Altri, das unweit der Grenze in Portugal bereits ein großes Zellulosewerk unterhält, versprach 2.500 Arbeitsplätze für die Region Ulloa. Doch auch das beendete die Proteste nicht. Denn Arbeitsplätze braucht es keine. Die Region widmet sich vor allem der Viehzucht und Landwirtschaft. Viele Betriebe sind Ökobetriebe. Außerdem führt der Jakobsweg durch Ulloa, Pilger und andere Touristen bringen Einnahmen. Und in den letzten Jahren haben sich einige junge Familien niedergelassen, die ihren Lebensunterhalt im Homeoffice verdienen.

Die Sprecherin der Bürgerinitiative Ulloa Viva, Marta Gontá, zeigt sich zufrieden, warnt aber: „Das ist noch nicht vorbei.“ Die Regionalregierung habe den Antrag zwar zu den Akten gelegt, aber die Möglichkeit für einen neuen Antrag offen gelassen.

Ulloa Viva, die die Proteste gegen die Pläne anführte, will die Gerichtsverfahren gegen ein positives Umweltgutachten weiterführen, das die galicische Regionalregierung ausgestellt hatte. Dabei geht es vor allem um die Frage der Wasserentnahme für die Zellstoffproduktion. Das Ziel von Ulloa Viva: jegliche Möglichkeit einer Wiederaufnahme dieses Projekts zu verhindern. „Altri wird in Ulloa nie Realität werden. Denn so haben wir es alle gemeinsam beschlossen“, zeigt sich Gontá in einem Beitrag in der Tageszeitung El País kämpferisch.

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