Zeckensaison startet: Aufmarsch der Blutsauger
Darüber freut sich niemand außer den Blutsaugern selbst: Mit dem Frühling ist die Zeckensaison gestartet. Was hat das für Folgen?
980 Fälle von Borreliose, elf von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) bis Mitte April: Wie letztes Jahr auch legen die deutschen Zecken einen besorgniserregenden Saisonstart hin. Das zeigen aktuelle Zahlen des Robert Koch Instituts (RKI).
Die parasitären Blutsauger sorgen in Deutschland jedes Jahr für hunderte Krankenhausaufenthalte und sogar Todesfälle: 2024 starben laut Statistischem Bundesamt 25 Menschen in Deutschland an Folgen eines Zeckenstichs. 15 von ihnen an der bakteriellen Infektionskrankheit Borreliose, neun an der Virus-Infektion FSME.
Mit einer Durchseuchungsquote von 15 bis 25 Prozent kommt Borreliose in heimischen Zecken weitaus häufiger vor als FSME; das Virus tragen nur 0,5 bis 2 Prozent der Spinnentiere in sich. Der entscheidende Unterschied: Bei Borreliose handelt es sich um eine bakterielle, bei FSME um eine Viruserkrankung. „Wenn Sie eine FSME entwickeln und sie sind nicht geimpft, kann das schwerwiegende Folgen haben und sogar zum Tod führen“, erklärt die renommierte Zeckenexpertin Ute Mackenstedt.
Seit 1996 leitet sie das Fachgebiet der Parasitologie an der Universität Hohenheim. Während man gegen Borrelien mit Antibiotika vorgehen kann, lassen sich bei FSME nur die Symptome behandeln. Zwar kann sich jeder, der in einem Hochrisikogebiet lebt, auf Kosten der Krankenkasse gegen FSME impfen lassen. Doch viel zu wenige Menschen nehmen das in Anspruch: „Wir haben in vielen Gebieten zu niedrige Impfquoten. Das reicht eben nicht aus für den Schutz.“
Klimawandel ist schuld
Dass es immer mehr Fälle von FSME in Deutschland gibt, lässt sich laut Expert*innen vor allem auf die Auswirkungen des Klimawandels zurückführen. Dieser wirkt sich gleich mehrfach auf die Zecken aus. Zum einen sorgen die milden Winter dafür, dass die Tiere das ganze Jahr über aktiv sein können. „Wir haben jetzt warme Winter, ohne diese beinharten kalten Wochen, die den Zecken zusetzen können“, so Mackenstedt. Ein weiterer Grund seien die veränderten Migrationsrouten von Vögeln: „Die bringen ihre Zecken samt Untermieter nach Deutschland“. Auf diese Weise können die aus anderen Ländern eingeflogenen Zecken samt Parasiten in Regionen Fuß fassen, die bislang nicht als Risikogebiete für FSME gelten.
Zwar stammen momentan etwa 85 Prozent der bekannten Fälle aus Bayern und Baden-Württemberg, doch FSME trete inzwischen in fast allen Bundesländern auf. „Ich bin nicht alleine, wenn ich ganz Deutschland für ein FSME-Risikogebiet halte“, so Mackenstedt.
Per Zugvogel breiten sich in Deutschland inzwischen auch andere Zeckenarten aus, die an die zukünftig wärmeren und trockenen Klimabedingungen besser angepasst sind. Darunter die Hyalomma, auch Riesenzecke genannt. Wie jede Art hat auch sie ein eigenes Erregerportfolio – sie kann etwa das Krim-Kongo-Fieber (CCHF) übertragen. In Deutschland treten bisher jedoch nur eingeschleppte Einzelfälle auf.
Trotz der steigenden Infektionszahlen betont Mackenstedt, man dürfe sich nicht verrückt machen lassen. „Zecken sind schon seit Millionen von Jahren da, schon viel länger als wir. Die haben schon an den Dinosauriern gesaugt“, erklärt sie. Ein evolutionäres Erfolgsmodell also, das sich mit keinen Mitteln vertreiben lässt. Da bleibt laut Expertin nur eins: „Wir müssen lernen, mit ihnen zu leben.“
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