ZDF-Krimi „Ein starkes Team“: Ostdeutsche Popkultur im Zweiten

Seit der Wende war Peter Kniesbeck hinter Gittern und kaum ist er frei, muss die Polizei sein Leben schützen – im ZDF-Krimi „Ein starkes Team“.

Ein Filmausschnitt zeigt zwei Männer auf einer Straße in Berlin. Einer kniet am Boden, der andere steht schützend über ihm.

Das war knapp: Kniesbeck (André Hennicke, r.) entgeht einem zweiten Mordanschlag Foto: Katrin Knoke/ZDF

Ist ja schon ein bisschen dicke, den Film zum Sound von „Wenn ein Mensch lebt“ von den Puhdys beginnen zu lassen – und anderthalb Minuten später ist einer tot. Direkt vor dem Gefängnis. Nur leider der Falsche. Der Bewährungshelfer musste dran glauben. Gemeint war Peter Kniesbeck (herrlich aus der Zeit gefallen: André Hennicke), nach 30 Jahren frisch entlassen, die Zeit nach der Wiedervereinigung kennt er nur hinter Mauern.

Das Berliner „Starke Team“ aus Garber (Florian Martens) und Wachow (Stefanie Stappenbeck) hat nun die doppelte Aufgabe, Kniesbeck zu schützen und herauszufinden, wer ihn umbringen will – und wo die Beute von damals landete.

Wegen Kniesbecks Vorgeschichte haben die beiden gleich jede Menge Verdächtige: die ganze Bande, die 1990 einen der Geldtransporter überfiel, der frische D-Mark zwecks Währungsunion geladen hatte. Und dabei einen Unbeteiligten umbrachte. Dazu kommt eine dubiose Berliner Grundstücksspekulation und eine, die 1990 für die Staatsbank der DDR gearbeitet hat.

Also eine rundum sehr berlinerische Geschichte. Gut, die Dialoge sind bisschen hölzern. Viele Sätze der Kategorie: „Wir gehen hier jetzt lang und sagen dabei, dass wir hier langgehen – sicherheitshalber.“

Aber Dauer-TV-Krimiautor mit irrwitzigem Pseudonym Leo P. Ard und Dauer-TV-Krimiregisseur Ulrich Zrenner erzählen diese Wendezeitgeschichte überraschend aufmerksam. Man muss schon dankbar sein, wenn ein DDR-Sozialisierter wie Otto Garber im Hauptprogramm sagen darf, als Kind wollte er „Kosmonaut“ werden.

Dazu kommt hierbei ein unaufdringlich passender Soundtrack, auch das lange unvorstellbar: vom „Solo Sunny“-Titelsong, den Renate Krößner zur Stimme von Regine Dobberschütz mimte, über „Come Between Delights“, auch von Dobberschütz, „Leine los“ von Gundermann und Seilschaft, „Alt wie ein Baum“ von den Puhdys bis hin zu „Mein alter Freund“ von City und ja: „Sandmann, lieber Sandmann“. Der Folgentitel entpuppt sich nur als falscher BAP-Alarm.

Ein starkes Team: „Verdammt lang her“, Sa., 20.15 Uhr, ZDF und in der ZDF-Mediathek

Überhaupt verändert sich in den ÖR-Filmen gerade etwas, mehr Sensibilität für ostdeutsche Popkultur: zuletzt etwa in der „Theresa Wolff“-Folge „Home Sweet Home“ in der ZDF-Mediathek (danke, Kollege Weissenburger!) und in der famosen Brandenburger ARD-Miniserie „Tina mobil“ mit Gabriela Maria Schmeide.

Ja, wir sind ein bisschen vom ZDF-Krimi weggerutscht (Fall wird gelöst!), aber Jegliches hat seine Zeit, Leben und Sterben und Streit.

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