Windreich AG vor Gericht: Pionier der Windkraft angeklagt
Insolvenzverschleppung und Betrug: Das wirft die Staatsanwaltschaft Stuttgart dem Öko-Unternehmer Willi Balz vor.
Er sei weder ein Betrüger noch als Unternehmer ein Versager: Mit diesen Worten verteidigte sich Willi Balz via Bild, kurz nachdem die Staatsanwaltschaft Stuttgart am Freitag Anklage gegen ihn und weitere Verantwortliche der Windreich AG erhoben hatte. Insolvenzverschleppung und Betrug lauten die Vorwürfe. Der 56-jährige Balz ist einer der bekanntesten Öko-Unternehmer der Republik.
Windkraft gehörte zu den Pionieren der Energiewende. 1999 als FC Windkraft GmbH gegründete, wurde das Unternehmen 2012 zur Aktiengesellschaft, inklusive neuem Namen. Die Ambitionen waren groß. Die Windreich AG sollte zu einem der größten deutschen Ökostromhersteller und -versorger heranwachsen und investierte in Windparks in der Nord- und Ostsee.
Doch schon damals war ersichtlich, dass es um die Finanzen des Windkraft-Projektentwicklers nicht zum Besten steht. Der Versuch eines Börsengangs scheiterte Ende des Jahres 2012. Wenig später, im September 2013, musste die Windreich AG Insolvenz anmelden.
Zu spät, wie nun die Staatsanwalt Stuttgart sagt. Die hatte bereits sechs Monate vor der offiziellen Insolvenz gegen Balz und 19 weitere Verantwortliche des Konzerns ermittelt. Gegen acht von ihnen erhob die Staatsanwaltschaft nun Anklage. Zu ihnen gehört auch Walter Döring, Vizevorstandschef bei Windreich und ehemaliger Wirtschaftsminister in Baden-Württemberg für die FDP.
Landgericht Stuttgart entscheidet über möglichen Prozess
Neben Betrug und Insolvenzverschleppung lautet die Anklage auf Bilanzfälschung, Verletzung der Berichtspflicht, Gläubigerbegünstigung sowie Insiderhandel. Ob es zu einem Prozess kommt, muss das Landgericht Stuttgart entscheiden.
Für Unternehmensgründer Balz ist die Anklage der vorläufige Tiefpunkt in einer Reihe von juristischen Auseinandersetzungen. Dass Balz die Anleger womöglich zu spät über die Zahlungsunfähigkeit der Windreich AG informierte, wird ihm auch vom Insolvenzverwalter der Windreich AG, Holger Blümle, vorgeworfen.
Das Unternehmen sei „spätestens im Oktober 2011 zahlungsunfähig“ gewesen, zitierte die Süddeutsche Zeitung Blümle 2014. Dass dies zwei Jahre geheim gehalten werden konnte, soll auch an privaten Zuschüssen von Balz an sein Unternehmen gelegen haben. Ergebnis: Im August 2014 wurde auch gegen die Privatperson Willi Balz ein Insolvenzverfahren eingeleitet.
Welche Auswirkungen die Anklage seitens der Stuttgarter Anwaltsschaft für das Unternehmen und seine gut 100 Mitarbeiter hat, bleibt abzuwarten. Für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen war Windreich nicht zu erreichen.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert