piwik no script img

Wenig Ambitionen bei KunststoffenDeutschlands Banken im Plastikfieber

Ein neuer Bericht bewertet Geld­institute hinsichtlich ihrer Rolle in der Plastikkrise. Die Bilanz ist düster, die Kunststoffindustrie profitiert.

Einige der größten Banken Deutschlands nehmen ihre ­Verantwortung in der Plastikkrise unzureichend wahr und finanzieren Einwegplastikkonzerne. Dies ergibt ein am Donnerstag veröffentlichter Bericht der NGO Facing Finance, die sich für einen verantwortungsbewussten Finanzsektor einsetzt.

Zwölf Geldinstitute werden im Bericht ausgewertet. Ausgewählt wurden dabei nur Banken, die Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro pro Jahr überregional und branchenübergreifend finanzieren.

Die Deutsche Bank als größte Bank der Bundesrepublik erkenne dem Bericht zufolge zwar die Gefahr an, die Plastik für die Umwelt bedeutet. Die NGO kritisiert jedoch, dass die Bank die Plastikkrise nur als Problem der Entsorgung verstehe, während tatsächlich der „gesamte Plastiklebenszyklus“, auch Rohstoffförderung und Herstellung, eine Bedrohung darstelle. Außerdem hätte die Bank den im August gescheiterten UN-Plastikgipfel nicht öffentlich unterstützt.

Der Bericht stellt zudem heraus, dass sich die Maßnahmen gegen die Plastikkrise auf eine „Reduzierung von Plastikmüll an den eigenen Standorten sowie Geldkarten aus recyceltem PVC“-Kunststoff beschränke. Den eigentlichen Hebel stelle jedoch das Kern-, also das Finanzgeschäft, dar.

Durch Finanzierungsrichtlinien Einfluss nehmen

Hier fordert Facing Finance alle Banken auf, klare Richt­linien zum Umgang mit Kunststoffen einzuführen. Die ­Geldinstitute sollen von ihren Unternehmens-Kunden darin unter anderem einfordern, ­ihren „Plastikfußabdruck“ transparent zu machen, Plastik zu reduzieren, toxische Chemikalien in Kunststoffen zu bekämpfen und sich gegen Deregulierung in diesem Bereich einzusetzen.

Sollten die Kunden tatenlos bleiben, verlangt die NGO in letzter Konsequenz, „die Finanzbeziehungen schnellstmöglich einzustellen.“ Der Bericht stellt fest, dass die Deutsche Bank diesen Anforderungen nicht gerecht wird.

Darüber hinaus fand Facing Finance heraus, dass die Deutsche Bank in einem Zeitraum von etwas mehr als drei Jahren über eine Milliarde an Krediten an die weltweit größten Produzenten der Grundstoffe von Einwegplastik vergeben hat. Zudem hat die Bank deren Aktien verkauft.

Sieben von zwölf Banken mit Einwegplastik-Verbindungen

Insgesamt wurden sieben Banken derartige Verbindungen mit den entsprechenden Konzernen nachgewiesen. Direkte Investments sind nicht Teil des Berichts. Die Deutsche Bank äußert sich dazu auf Nachfrage nicht.

„Ohne Kredite von Banken können die Unternehmen keine neuen Ölfelder erschließen oder die Produktion ausweiten. Derartige Finanzierungen sind also entscheidend“, sagt Luca Schiewe von Facing Finance. Erdöl ist einer der Grundstoffe von Kunststoffen.

Von der Bank heißt es auf Anfrage: „Die Themen Kreislauf­wirtschaft und Plastik spielen bereits heute in unserer ökologischen und sozialen Sorg­faltsprüfung von Trans­aktionen eine wichtige Rolle.“ Zu den konkreten Vorwürfen äußert sie sich indes nicht.

ING schneidet am besten ab

Auch dem niederländischen Mutterkonzern der ING sind Verbindungen zu den Einwegriesen nachgewiesen worden. Abseits davon fällt die Bank im Bericht jedoch positiv auf.

Die Bank sei sich der Risiken von Kunststoffen während der gesamten Lebensdauer bewusst, sehe die eigene Verantwortung und unterstütze das Plastikabkommen der UN und dessen Umsetzung im Finanzsektor.

Überdies sei die Bank im Dialog mit Unternehmens-Kunden zur Lösung der Problematik. Kritisiert wird dennoch, dass die Richtlinien zu Kunststoffen nicht ausreichen würden. Zu den Fragen der taz äußert sich auch die ING nicht.

Ein Kurswechsel der Banken könnte dabei auch wirtschaftlich positive Folgen für sie selbst haben: „Für einen Umbau zur Kreislaufwirtschaft besteht ein Finanzierungsbedarf von 55 Milliarden Euro“, erklärt ein Sprecher des Umweltbundesamt, das den Bericht finanziell fördert. „Hier gibt es große Chancen für die Banken.“

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare